Jagt ein Luchs bei Auerbach?
Der Kehlbiss macht Klaus Vögle so sicher

Ein Luchs schlägt etwa 60 Rehe im Jahr, sagen die Jäger. 2015 galten in Bayern 30 freilebende Luchse als dokumentiert. Hätte man ein Bild wie das hier vom Auerbacher Fall, gäbe es wohl keine Unsicherheiten mehr. Die Aufnahme entstand aber 2013 in Thüringen. Archivbild: epd
 
Die Tötung durch Kehlbiss und das Fraßbild - zuerst an der Keule - sind für Klaus Vögle untrügliche Hinweise, dass ein Luchs dieses Reh in Vögles Revier bei Auerbach geschlagen hat. Bild: privat

Für den Auerbacher Jäger Klaus Vögle ist die Sache klar: Die zwei Rehe, die im Dezember tot in seinem Revier lagen, hat ein Luchs gerissen. "Die Tötungsart und das Fraßbild sind eindeutig", sagt Vögle. Doch er stößt auf Skepsis.

Nicht bei Dieter Möller, dem Vorsitzenden der Jägerkameradschaft Auerbach. Der hat die Bilder von den toten Rehen gesehen und stuft das Ganze als deutlichen Luchsriss ein. Die offiziellen Stellen aber brauchen mehr Daten, um sich hier so rückhaltlos festzulegen.

Doch von vorne: Zum Jahresende 2013 tauchte in Vögles Revier schon einmal ein Rehkadaver auf. "Das war 100 Prozent der Luchs", sagt Vögle über den Verursacher. Das damalige Fraßbild macht ihn so sicher: Der Luchs bevorzugt das reine Muskelfleisch, weshalb er bei den Keulen anfängt zu fressen. Das unterscheidet ihn von den anderen Tieren, die in unserer Region Jagd auf Rehe machen könnten. Von Hunden etwa. Die sollen zuerst auf die Bauchdecke und die Innereien gehen. "Wir hatten vor ein paar Jahren mal drei wildernde Hunde, die ein Reh erlegt haben", erzählt Armin Preininger, der mit Vögle auf die Jagd geht. "Das hat damals ausgeschaut wie ein Schlachtfeld, die haben das Reh richtig zerrissen."

Ein sauberer Kehlbiss


Ganz anders das Bild bei der toten Rehgeiß, die Preiniger am 4. Dezember fand: "Sauber durch Kehlbiss getötet. Das ist typisch für den Luchs." Ansonsten sei sie unversehrt gewesen; womöglich habe etwas den Luchs beim Fressen gestört.

Noch deutlicher die Spurenlage nach Einschätzung von Vögle und Preininger bei dem Kitz, das am 21. Dezember im Revier lag, wieder im Waldstück mit Namen Seidelloh, in der Nähe der beiden Windräder bei Ortlesbrunn: Neben dem Tötungsbiss in den Hals bestärkte sie vor allem die zuerst angefressene Keule in ihrer Meinung, dass hier erneut der Luchs am Werk war.

Der von den beiden Jägern informierte örtliche Luchsbeauftragte Herbert Bachhuber hielt nach Ansicht der Bilder allerdings auch einen Verkehrsunfall als Todesursache für möglich, da das Tier an der Nase Blut aufwies. Vögle glaubt das aber nicht.

"Es wäre ja sehr schön, wenn wir einen Nachweis für den Luchs bei uns hätten", sagt Bachhuber auf AZ-Nachfrage. Für ausgeschlossen hält er es nicht, dass in Vögles Revier ein Luchs am Werk ist, aber eben auch nicht für zweifelsfrei belegt. DNA-Material aus Haaren, Speichel oder Kot wäre in diesem Sinne ein sicherer Nachweis, ein gutes Bild mit einer Wildkamera ebenso.

Grundsätzlich hält Bachhuber die Gegend um Auerbach schon für einen geeigneten Lebensraum für Luchse. "Der Veldensteiner Forst und der Übungsplatz nebenan, das wären schon gute Reviere." Aber die letzte nachweisbare Luchsfährte im weiteren Umkreis habe es 2008 im Fichtelgebirge gegeben.

Auch dem Landratsamt liegen keine gesicherten Erkenntnisse über das Vorkommen von Luchsen im Landkreis vor. "Es wird lediglich gelegentlich über einzelne durchziehende Luchse berichtet, über die es aber keine gesicherten Nachweise gibt", teilt Pressesprecherin Christine Hollederer mit.

Tiere zu weit weg


Die Erfassung des Landesamtes für Umwelt im Zuge des Wildtiermanagements zeigt das selbe Ergebnis: keine belastbaren Nachweise für Amberg-Sulzbach. "Das nächste dauerhaft etablierte Luchs-Vorkommen liegt viel weiter östlich, zwischen Furth im Wald und Waldmünchen", sagt eine Sprecherin der Behörde.

Man hat den Luchs nachts schon rufen hören.Klaus Vögle

Von aktuellen Luchsspuren weiß auch Reinhard Lenz nichts, der als Betriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten in Schnaittenbach viele Waldflächen im Landkreis im Blick hat: "Und Luchsrisse wurden bei uns schon gar nicht festgestellt." Vor einigen Jahren sei aber immer wieder mal berichtet worden, dass Naturfreunde den typischen Ruf von Luchsen gehört hätten.

Das sei jetzt auch in seinem Revier (zwischen Reichenbach und Ligenz) der Fall, sagt Klaus Vögle: "Man hat den Luchs nachts schon rufen hören." Sowohl Jäger als auch Laien hätten ihn schon gesehen, sogar von Luchsfährten im Schnee ist die Rede, die freilich nicht fotografiert wurden.

Der Luchsbeauftragte Herbert Bachhuber möchte den örtlichen Jägern jetzt das nötige Rüstzeug an die Hand geben, wie sie mit solchen Hinweisen am besten umgehen. Dazu soll bei der Jahreshauptversammlung der Jägerkameradschaft ein Fachmann referieren.

Hintergrund


LfU-Experten: "War eher kein Luchs"

Auerbach/München. (ll) Den von Klaus Vögle vermuteten Luchsriss von 2013 hat das Landesamt für Umwelt (LfU) nach Prüfung der Bilder anders eingestuft: Die Todesursache bei dem Reh sei mit großer Wahrscheinlichkeit nicht der Riss eines Luchses gewesen.

Zu den jüngsten Bildern vom Dezember aus dem Revier von Klaus Vögle erläuterte eine Sprecherin des Amtes auf AZ-Nachfrage: "Das Bildmaterial alleine lässt hier keine abschließende Einschätzung zu." Nur mit weiteren Untersuchungen vor Ort hätte man die Vorgaben für die standardisierte Dokumentation beim Luchs-Monitoring erfüllen können. Die Bilder reichten ebenso wenig aus, um die toten Rehe mit Sicherheit einem anderen Raubtier zuzuordnen. "Aber es lässt sich - unter den genannten Einschränkungen - sagen, dass es eher kein Luchs war."

Fotografie ist Beweis genug

Auerbach/München. (ll) Wie ein zweifelsfreier Nachweis eines Luchses laufen könnte, demonstriert eine Pressemitteilung des LfU vom 29. Januar. Sie berichtet von einem Luchs, der Anfang Dezember im Berchtesgadener Land fotografiert wurde. Durch die Fellzeichnung und einen Datenabgleich dazu stellte man fest, dass das mittlerweile acht Jahre alte Männchen zuvor in Österreich nachgewiesen worden war, ursprünglich aus der Schweiz stammt und nach einer Umsiedlung von Nordost-Italien nach Bayern wanderte. "Auf seinem Weg von der Süd- auf die Nordseite der Alpen muss das Tier zwischen Dezember 2014 und März 2015 die beachtliche Distanz von mindestens 130 Kilometern Luftlinie zurückgelegt haben", schreibt das LfU.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.