Liefert Auerbach wirklich ein Drittel der Milchproduktion im Landkreis?
Immer wieder gern erzählt, aber niemals wahr

Andernorts gibt es auch große Euter - mit entsprechendem Inhalt. Diese Aufnahme entstand in Massenricht (Stadt Hirschau). Bild: Hartl

Man hört es in letzter Zeit öfter, zum Beispiel in der Diskussion rund um das Freihandelsabkommen TTIP oder den Milchpreis, der in den Keller gesaust ist: Ein Drittel der Milchproduktion des Landkreises soll aus dem Gebiet von Auerbach stammen. Das wirft Fragen auf. Zumindest bei jedem, der rechnen kann.

Schon die Größenordnung überrascht: Auerbach stellt doch mit knapp 9000 Einwohnern nicht einmal 9 Prozent der Amberg-Sulzbacher. Und von der Fläche her (78 Quadratkilometer) sind es nur etwas über 6 Prozent.

Was wird aus dem Mais?


Aber natürlich wird Milch nicht von Menschen produziert, sondern von Kühen, und die Fläche sagt nur bedingt etwas aus: Sollte der dort angebaute Mais andernorts überwiegend in Biogasanlagen wandern, in Auerbach aber den Kühen als schmackhafte und energiereiche Ernährungsgrundlage für die Milchproduktion vorbehalten bleiben, kann hier ein besonders fleißig sprudelnder lokaler Milchquell nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Aber dafür bräuchte es eben auch die Milchkühe. Knapp 20 000 gibt es im Landkreis. Müssten die Auerbacher Bauern also wohl so um die 6500 in ihren Ställen beherbergen, um auch ein Drittel der regionalen Milchleistung erbringen zu können.

"Nur" 1745 Kühe


Wer kann diese Zahlen liefern? Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Amberg, und zwar in Gestalt von Landwirtschaftsdirektor Josef Schmidt. Dem will die forsche Drittel-Behauptung zwar schon von Anfang an übertrieben scheinen, aber er besorgt die statistische Auswertung.

Und siehe da: Die 42 Auerbacher Milchviehbetriebe haben nur 1745 Kühe. Das sind - genau wie bei den Einwohnern - nicht einmal 9 Prozent der Gesamtmenge. Und in dieser Größenordnung dürfte sich dann auch der Anteil des Auerbacher Gebiets an der Milchproduktion im Landkreis bewegen. Es sei denn, man ließe sich auf Überlegungen ein, ob die Kühe hier nicht vielleicht wesentlich mehr Milch produzieren als ihre Artgenossen ein paar Kilometer weiter südlich. Die flotten Auerbacher Turbo-Euter gegen die Schmalspur-Zitzentruppe des restlichen Landkreises sozusagen.

Kaum steigerungsfähig


Aber einerseits liegt die durchschnittliche jährliche Milchleistung der Kühe in Amberg-Sulzbach schon bei 8000 Liter. Das ist bereits höher als der deutsche Durchschnitt, da bleibt nicht mehr viel Spiel nach oben. So einen Wert erreicht man nur, wenn überall leistungsstarke Tiere stehen. Andererseits könnten auch ein paar zusätzliche Liter, die der Auerbacher Bauer seiner Kuh abpresst, nicht in die Nähe des Drittel-Niveaus führen. Das wäre nur zu erreichen, wenn die 1745 Tiere im Durchschnitt 41 824 Liter im Jahr gäben, also 114 am Tag

Dabei galt bisher Israel als das Land, das seinen Kühen weltweit die höchste durchschnittliche Milchleistung abringen kann - fast 12 000 Liter. Das wäre dann geradezu lächerlich gegenüber den (theoretisch notwendigen) Leistungen der Auerbacher Milch-Kraftwerke. Und der US-Kuh "Bur-Wall Buckeye Gigi" dürfte vermutlich sofort der Euter-Inhalt sauer werden, denn sie hielt sich seit Februar mit einer 365-Tage-Milchproduktion von 33 861 Kilogramm Milch für die unangefochtene Weltrekordlerin. Das wollen wir ihr doch nicht antun.

Einfacher ist es, zuzugeben, dass die Drittel-Behauptung eine moderne Fabel ist: immer wieder gern erzählt, aber niemals wahr.

"Milchviehstark - wie einige andere auch"Weist Auerbach wenigstens die meisten Kühe unter den Kommunen im Landkreis auf? Nein. In Ursensollen sind es 1856, wie die Statistikdaten von Landwirtschaftsdirektor Josef Schmidt verraten. Milchviehhalter gibt es dort auch mehr als die 42 in Auerbach, nämlich 44; in Freudenberg sind es sogar 53 (mit 1692 Kühen). "Auch in Illschwang, Freihung, Gebenbach und Hahnbach haben wir eine relativ starke Milchviehhaltung", ergänzt Schmidt. Auerbach sei zwar "milchviehstark", aber nur in einer Dimension "wie fünf bis sechs andere Gemeinden auch".

Im Zuständigkeitsbereich des Amberger Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gibt es übrigens nach den jüngsten Zahlen 502 Betriebe, die Kuhmilch liefern. Im Schnitt halten sie 39,58 Kühe. Auerbach liegt mit 41,55 etwas darüber. 17 Betriebe haben mehr als 50 Kühe, im AELF-Gesamtbereich sind es 148 Höfe. 19 von ihnen kommen sogar auf mehr als 100 Milchkühe. (ll)
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