Militärpfarrer Alexander Prosche berichtet aus Mali
Alarm nach Anschlag

Priester in Uniform: Alexander Prosche vor dem "Camp Gecko" der Bundeswehr im Feldlager in Koulikoro, in dem er am Montag den Anschlag auf das 60 Kilometer entfernte Hauptquartier der malischen Bundeswehr-Mission miterlebte. Auch in Koulikoro wurde Alarm ausgelöst. Die deutschen Soldaten haben in dieser Nacht nicht viel Schlaf bekommen, berichtet der Militärseelsorger aus Westafrika. Bild: privat

Der Blauhelm-Einsatz in Mali gilt als der weltweit gefährlichste. An der EU-Ausbildungsmission dort beteiligen sich 200 Soldaten der Bundeswehr, unter ihnen der gebürtige Auerbacher Alexander Prosche als Militärpfarrer. Er berichtet über die Lage nach dem jüngsten Anschlag.

/Bamako. Am Montagabend hatten nach Medienberichten vier bewaffnete Angreifer das Hotel, das in der malischen Hauptstadt Bamako als Hauptquartier der EU-Mission dient, unter Feuer genommen. Sie versuchten erfolglos, in das Gebäude einzudringen. Einer der Angreifer wurde getötet. Alle EU-Armeeausbilder blieben unverletzt.

"Das Hauptquartier ist ein ehemaliges Hotel, das im Botschaftsviertel von Bamako liegt und als Büro- und Unterkunftsgebäude genutzt wird", teilte Alexander Prosche am Mittwoch unserer Zeitung mit. Neben dem deutschen Brigadegeneral, der Kommandeur der Ausbildungsmission ist, seien dort viele andere Bundeswehrsoldaten aus dem Stab. "Von Freitagnachmittag bis Samstagnachmittag bin ich im Hauptquartier", kennt sich Prosche dort ebenfalls aus. Er führe dann immer Gespräche mit den Soldaten, nehme an Besprechungen teil und halte Gottesdienst. Nach dem Anschlag wurden nicht nur im Hauptquartier die Sicherheitsvorkehrungen erhöht, sondern auch im 60 Kilometer entfernten Lager Koulikoro, in dem der Militärpfarrer und das Gros der Bundeswehrsoldaten Dienst tun.

Lieber zweimal hinschauen


"Wir wurden in Alarmbereitschaft versetzt", berichtet Prosche über die Aufregung, die auch in der malischen Kaserne in Koulikoro herrschte. "In der Nacht von Montag auf Dienstag haben wir nicht viel geschlafen, da die Wachen verstärkt und die Gefechtsstände besetzt wurden. Nach diesem Anschlag ist man jetzt noch aufmerksamer und schaut hier und da lieber zweimal hin." Inzwischen hat sich die Lage aber offensichtlich wieder beruhigt.

Prosche hatte seine Freunde in Deutschland bereits am Dienstagmorgen wissen lassen, dass ihm nichts passiert ist. Als Militärpfarrer ist er für zwei Monate (noch bis Mitte April) zur Einsatzbegleitung der Soldaten in dem westafrikanischen Land. Im "Koulikoro Training Center" sind neben den Deutschen 23 weitere Nationen, die malische Soldaten ausbilden. "So ein multinationaler Einsatz ist sehr bereichernd, da man tagtäglich mit Soldaten anderer Nationen zusammenkommt", findet Prosche. "Sei es beim Essen, beim Sport oder bei der Ausbildung."

Er verlässt regelmäßig mit seinen Kameraden die Kaserne, um sich die Ausbildung der malischen Soldaten anzusehen. "Dabei bewundere ich immer wieder aufs Neue die Geduld, das Einfühlungsvermögen und die guten Nerven der Kameraden, da die malischen Soldaten vom Ausbildungsstand gesehen auf einer niedrigen Stufe stehen und es mit Pünktlichkeit und Genauigkeit nicht so ernst nehmen." Dabei kommt dann das VENÜ-Verfahren zum Einsatz (vormachen, erklären, nachmachen, üben). "Das ist bei Temperaturen über 40 Grad im Schatten und gleißender Sonne nicht immer leicht."

Kein Kampfeinsatz


Hinter der Ausbildung der malischen Streitkräfte steht der Gedanke, dass sie bald alleine mit den islamistischen Kämpfern und Rebellengruppen fertig werden sollen. Die Bundeswehr vermittelt ihnen laut Prosche zudem Grundsätze moderner Menschenführung sowie ethische und völkerrechtliche Aspekte. Und sie betreibt ein Feldlazarett, das von der Leistungsfähigkeit her mit einem Kreiskrankenhaus vergleichbar ist. "Ausbildungsmission" bedeutet für die Bundeswehrsoldaten, dass sie sich selbst verteidigen dürfen, aber nicht aktiv in Kämpfe eingreifen.

Zur PersonAlexander Prosche (40) ist ein gebürtiger Auerbacher und wuchs in Neuhaus an der Pegnitz auf. Nach einer Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel ging er 1997 als Zeitsoldat zur Bundeswehr und brachte es hier bis zum Oberfeldwebel. 2003 trat er dem Resurrektionisten-Orden bei und studierte ab 2004 Theologie und Philosophie in der Nähe von Bonn. Nach der Priesterweihe 2009 in Neuhaus absolvierte er als Kaplan Stationen in Bayreuth und Auerbach (2011/12). Seit Oktober 2012 wirkt er als Militärseelsorger bei der Bundeswehr, seit September 2013 ist er Militärpfarrer in Weiden mit Dienstsitz Ostmark-Kaserne und für die Standorte Weiden, Pfreimd, Oberviechtach und Grafenwöhr zuständig. (ll)
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