Nach 37 Jahren schließt Heidi Erlwein im Januar ihr Geschäft
Emils Freud, der Kunden Leid

Mit einem Lächeln verkaufte Heidi Erlwein den Auerbachern 37 Jahre lang Obst und Gemüse. Bilder: swt (2)
 
Exotische Ingwerwurzeln, regionale Säfte oder Hochprozentiges sowie alles rund um den Tee gehörten zum Sortiment des Fachgeschäfts.

Hinter dem Verkaufstresen lächelt Heidi Erlwein den Kunden freundlich entgegen. Mit ihr strahlen rotbackige Äpfel und knackige Paprika um die Wette. Das gehört ab Januar der Vergangenheit an: Nach 37 Jahren schließt der kleine Früchteladen, in dem es auch Tee zu kaufen gibt, seine Pforten.

Mit 25 Jahren kam Heidi Erlwein 1977 nach Auerbach, um Filialleiterin eines Bekleidungsgeschäfts im ehemaligen Anwesen Schreglmann zu werden. Von der Pike auf gelernt hat die gebürtige Etzelwangerin den Beruf der Einzelhandelskauffrau in Sulzbach-Rosenberg. Aber nicht etwa im Lebensmittelbereich, sondern als Schuhverkäuferin.

Mit 25 noch Flausen


Drei Jahre arbeitete sie in Auerbach, als ihr und ihrem Ehemann Richard der damalige Laden von Inge Seiffert in die Augen stach. Nur ein paar Häuser weiter stand das Obstgeschäft in der Dr.-Heinrich-Stromer-Straße zum Verkauf. Auf Anraten ihres Mannes schlug Heidi Erlwein zu.

"Mit 25 Jahren hast du noch Flausen im Kopf. Eigentlich wollte ich eine Boutique eröffnen." 100 000 DM hätte sie dafür in Ware investieren müssen. Das Risiko war ihr zu hoch. Rund 2000 DM waren es beim Obst und Gemüse, mit dem sie in Vorleistung ging. Und es hat sich gelohnt.

Richard Erlwein stammte aus Forchheim und hatte Beziehungen zu regionalen fränkischen Produkten. Die heute 65-Jährige erinnert sich vor allem an die Zeiten, wenn Spargel oder Erdbeeren Saison hatten. Viele Körbe des königlichen Gemüses und der roten Früchte gingen über den Ladentisch.

Mitte der 90er-Jahre nahm Heidi Erlwein Tee ins Sortiment. Damals gab Heidi Bachhuber ihren Laden in der Kirchstraße auf. Der Bestand an grünem, schwarzem, Früchte- und Kräutertee sowie Zubehör wanderte ins Obstgeschäft. Und auch das lief gut an. Viele Teetrinker unter den Auerbachern holen sich bis heute ihre Lieblingssorten bei Heidi Erlwein.

Attraktiver Mann mit Blüte


Einmal kam ein später Kunde zur Mittagszeit, als sie gerade den Laden schließen wollte. "Ein attraktiver Mann kaufte zwei Tütchen Tee und bezahlte mit einem 100-Euro-Schein. Der entpuppte sich dann bei der Bank als falsch", erzählt sie.

Vier Mal wöchentlich kommen frisches Obst und Gemüse. Früher schleppte Heidi Erlwein jeden Abend die Kisten in den kühlen Gewölbekeller und am Morgen wieder in den Laden. Später machte es ihr im Erdgeschoss eine Kühlung leichter.

Umzug nach Auerbach


1998 schlug dann das Schicksal zu, Ehemann Richard starb. Mutter und Sohn bauten einige Jahre später das Haus, in dem der Laden ist, um, modernisierten es und verlegten den Wohnsitz nach Auerbach. Hier ging Florian zur Schule, machte eine Ausbildung, ist mittlerweile selbst verheiratet und Vater eines Jungen. Enkel Emil freut sich darauf, künftig mehr Zeit mit seiner Oma zu verbringen. Ein Grund, warum sich Heidi Erlwein jetzt entschieden hat, den Laden zu schließen.

"Ich könnte schon noch arbeiten, bin fit. Aber ich will auch noch ein bisschen mein Leben genießen", sagt die leidenschaftliche Thermen-Besucherin in Bayreuth oder Staffelstein. Außerdem kümmert sie sich um Pferd Lontano, gibt Reitstunden und hat auch noch ihre pflegebedürftige Mutter zu versorgen.

Was sie selbst gerne isst, sind Äpfel, Weintrauben, Nektarinen oder Bananen: "Dafür verzichte ich sogar auf Wurst und Fleisch." Vermissen werde sie ihre langjährigen Kunden schon, die es ihrerseits schade finden, dass sie aufgibt. Doch der Entschluss steht fest, Mitte Januar ist Schluss.

Perspektive für den Tee


Bis dahin wird Heidi Erlwein aber noch jeden Tag frisches Obst und Gemüse verkaufen. Und in der kalten Jahreszeit sicher auch Tee. Den gibt es übrigens ein letztes Mal bei der Bergwerksweihnacht zu kaufen. Dort teilt sie sich seit Jahren einen Stand mit Bäckersfrau Anette Winter.

Deren Lebkuchen und Plätzchen bildeten die ideale Kombination für die vorweihnachtliche Teestunde. Und die Winters haben auch schon Interesse signalisiert, eventuell einen Teil des Tee-Sortiments in ihrer Bäckerei zu verkaufen.

Was mit dem Ladenlokal passiert, weiß Heidi Erlwein noch nicht genau, hat aber schon die eine oder andere Möglichkeit eruiert. Jetzt wird sie die letzten Wochen noch mit dem gleichen Elan und der besonderen Herzlichkeit im Laden stehen, bevor es endgültig heißt "Licht aus".

Ich könnte schon noch arbeiten, bin fit. Aber ich will auch noch ein bisschen mein Leben genießen.Heidi Erlwein
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