Regens-Wagner-Seniorenpflege zieht nach Eschenbach um
Neue Heimat Krankenhaus

Georg Müller, Pflegedienstleiter im "Haus Clara" (die Seniorenpflege hat ihren Namen nach Eschenbach mitgenommen), zeigt, wohin die halbe Million Euro für den Umbau unter anderem geflossen ist: Man hat die Einrichtung der ehemaligen Krankenhauszimmer wohnlicher gemacht.
 
Afrikanisches Flair verbreitet diese Sitzecke, die Bewohner Markus Baier gerne nutzt. Damit die Räume nicht zu sehr nach Krankenhaus ausschauen, hübschen die Mitarbeiter von Regens Wagner sie etwas auf. Bilder: ll (3)

Peter Miltenberger spricht von einem Glücksgriff. Der Gesamtleiter von Regens Wagner Michelfeld meint damit das Eschenbacher Krankenhaus, in das die Michelfelder Seniorenpflege verlegt werden konnte. Ganz ohne Emotionen lief das freilich nicht ab.

Michelfeld/Eschenbach. Eine richtige Alternative hatte man aber nicht, sagt Miltenberger. Immerhin steht für das Haupthaus des Klosters, das die Regens-Wagner-Einrichtung für behinderte Menschen nutzt, die Generalsanierung an. Sechs Bauabschnitte, jeder dauert etwa zwei Jahre. Das bedeutet für die Bewohner mindestens zwölf Jahre Lärm, Staub, Schmutz, Unannehmlichkeiten.

Den 30 Senioren des Pflegeheims im zweiten Stock des Haupthauses wollte man das ersparen, sagt Miltenberger. Deshalb habe man sich frühzeitig nach einer anderen Unterbringungsmöglichkeit umgesehen - und sie im 2012 geschlossenen Eschenbacher Krankenhaus gefunden. Dort stand noch der oberste Stock leer; darunter hat die Kliniken Nordoberpfalz AG als Eigentümer eine Demenzstation eingerichtet. Die Michelfelder mit ihrer Umzugsidee wurden mit offenen Armen aufgenommen, erzählt Miltenberger. Sie bekamen einen Mietvertrag über zehn Jahre und steckten rund eine halbe Million Euro in das frühere Chirurgie-Stockwerk, um es für ihre Zwecke umzubauen. Das Geld soll mit der Miete verrechnet werden.

Mehr Wohnqualität


"Seit einem Jahr haben wir dort schon umgebaut", erzählt Miltenberger. "Von der Wohnqualität her ist das jetzt wesentlich höherwertiger als hier." Das meint: mehr Bewegungsfläche, mehr Nasszellen, immense Türbreiten, größere Aufzüge, gute Nutzbarkeit für Rollstuhlfahrer, mehr Licht in den Zimmern und durch die großen Fenster auch eine ganz andere Aussicht als im alten Klostergemäuer.

Ende vergangener Woche ging der Umzug über die Bühne. "Alle Bezugspersonen kamen mit", freut sich der Gesamtleiter über die Unterstützung des Projekts durch die fast 30 Mitarbeiter der Seniorenpflege. Wobei man niemand gezwungen habe, den Arbeitsplatz zu wechseln. Wer nicht wollte, sei im Haus versetzt worden. Dafür habe man einige Leute aus der Region Eschenbach eingestellt.

Und wie gefiel der Ortswechsel den Bewohnern der Pflege? Gab es mehr Freude über das schöne neue Domizil oder eher Wehmut wegen des Abschieds aus Michelfeld, wo einige seit Jahrzehnten leben? "Wir haben da schon Emotionen gehabt, ist klar", sagt Miltenberger. Schließlich seien Menschen mit Behinderung "Menschen wie du und ich. Die empfinden das genauso, wie wenn wir umziehen." Da gebe es die einen, die man "sanft schieben" müsse, damit sie sich mit einem Umzug anfreunden können, aber auch die anderen, die schon frühzeitig mit ihren Angehörigen das neue Domizil besichtigten und sich am liebsten gleich ein Zimmer ausgesucht hätten.

"Ihr könnt nicht anders"


Die Angehörigen hätten, nachdem man ihnen die Situation geschildert habe, die Notwendigkeit dieser Maßnahme verstanden und den Umzug mitgetragen, sagt Miltenberger. "Ihr könnt gar nichts anders", habe er so manches Mal als Reaktion gehört. Und auch die Bewohner haben die Vorteile ihres neuen Heims erkannt. "Sehr schön", sagt eine Rollstuhlfahrerin über ihr Zimmer, "schön hell." Dann lacht sie und kneift verschmitzt die Augen zusammen. Auch das eine Emotion.

Die KostenfragenMehr als eine halbe Million Euro an Umbaukosten hat Regens Wagner Michelfeld in Eschenbach investiert. Müssen dadurch die Bewohner für ihren Platz mehr zahlen? "Da laufen noch die Verhandlungen mit den Kostenträgern, wie das refinanziert wird", sagt Gesamtleiter Peter Miltenberger. Das gehe immer etwas zäh. Zunächst einmal aber sei man "in Eigenleistung vorangegangen".

Die Sanierung des Michelfelder Klosters in sechs Bauabschnitten hat laut Miltenberger eine finanzielle Gesamtdimension von 34 Millionen Euro. Ein Neubau auf der grünen Wiese wäre für etwa ein Drittel davon zu haben, doch geht es hier auch um eine sinnvolle Nutzung des Klostergebäudes, dessen jetzige Form in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zurückgeht. Stünde es leer, könnte man den Verfall auch nur mit immensen Kosten verhindern.

Lieber versucht man, in einem "hochgradig denkmalgeschützten Gebäude" mit Stuckdecken und 1,20 Meter dicken Wänden die Belange des Denkmalschutzes und die vielen Vorschriften für die Unterbringung von Menschen mit Behinderung unter einen Hut zu bringen. "Das ist schwierig", sagt Miltenberger, "aber man kann es konzeptionell und von der Wohnqualität her so herrichten, dass es Sinn macht." (ll)
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