Renovierung eines alten Schranks bringt sie ans Licht
Spiegel verbirgt eine Überraschung

Zwischen dem großen Spiegel und dessen Rückwand hatte der frühere Besitzer des Schranks, Albert Gmehling, eine Zeitung aus dem Jahr 1928 deponiert. Sie deutet auf das hohe Alter des Möbelstücks hin. Bild: eb

Michelfeld. Wenn Schränke reden könnten, wüssten sie viel zu erzählen. Das trifft besonders auf Möbelstücke zu, die schon vor Jahrzehnten hergestellt worden sind. Je älter sie sind, desto größer ist auch der ideelle Wert für ihre Besitzer. Deshalb wünschten sich die Gmehlings aus Michelfeld, dass ihr alter Kleiderschrank auch weiterhin Freude macht. Fünf Umzüge hatten ihm doch arg zugesetzt.

Seine Restaurierung legte die Familie in die Hände eines Fachmanns. Zuerst interessierte ihn, wann der Schrank gezimmert worden war. Mitglieder der Familie wussten es nicht genau und tippten auf das Jahr 1928. Dann kam die große Überraschung: Bei den Instandsetzungsarbeiten entdeckte der Renovierer zwischen dem großen Spiegel und dessen hölzerner Rückwand eine Bamberger Zeitung vom 30. Juni 1928.

Der frühere Besitzer Albert Gmehling hatte sie wahrscheinlich als Zeitdokument dort deponiert. Ein Artikel "Ernste Besorgnis um Amundsen" handelt von der Nachricht, dass der Polarforscher Amundsen als verschollen gilt, da dessen Flugzeug bis Ende Juni 1928 noch nicht gefunden worden war. Der Neffe Amundsens organisierte eine Sammlung für eine Rettungsexpedition. Mit 60 000 bis 80 000 Kronen sei die Aktion sichergestellt, berichtet die Zeitung von damals. Allein es half nicht: Amundsen war vermutlich am 18. Juni 1928 ums Leben gekommen, als er dem in Not geratenen Polarforscher Umberto Nobile per Flugzeug zu Hilfe kommen wollte. Sein Leichnam wurde nie gefunden.

Die Vorfahren der Gmehlings waren mit Leib und Seele Schreiner. Dabei spannt sich der Bogen weit in die Vergangenheit hinein. Die Dynastie begann mit dem Urgroßvater, der aus Neuhaus stammte. Sein Sohn Karl heiratete nach Michelfeld und gründete dort eine Schreinerei. Auch dessen Sohn Albert ergriff diesen Beruf und gab ihn wiederum an seinen Sohn Hans weiter. Sein Neffe Georg schloss den Reigen der Schreiner.
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