Schloss, Stadtweiher und eine Reihe wichtiger Privilegien datieren aus der Epoche von Karl IV.
Kaiser mit Faible für Auerbach

Diese Büste Karls IV. (1316 - 1378) ist im Prager Veitsdom mit dem Wappen Böhmens (links) und dem des Reichs zu sehen. Auf dem Kopf trägt der Kaiser nur noch den Sockel der eigentlichen Krone, die in den Hussitenkriegen (1419 - 1436) abgeschlagen wurde. Bild: Rudi Weber
 
So hat das Auerbacher Schloss wohl einst ausgesehen. Josef Tobias Meier, ein Bekannter von Joseph Köstlers Tochter Margarete, fertigte kurz nach 1900 diese Zeichnung nach Angaben aus alten Urkunden und sonstigen Quellen. Bild: Köstlerchronik, Band VII, Seite 85

Vor 700 Jahren kam der spätere Kaiser Karl IV. in Prag zur Welt. Wenn andere Städte diesen Jahrestag feiern, muss Auerbach nicht hinten anstehen. In der Bergstadt sind noch manche Spuren seiner Epoche zu entdecken. Heimatforscher Rudolf Weber weiß, wo sie zu finden sind.

Karl IV. machte Auerbach 1373 zur Hauptstadt seines Landes "yenseits des Behemischen waldes", später Neuböhmen genannt. Diese Maßnahme war notwendig geworden, weil der Kaiser im gleichen Jahr den südlichen Teil seines "Landes zu Beiern" mit der Haupt- und Residenzstadt Sulzbach sowie mit den Orten Hersbruck, Lauf usw. wieder an die Pfalz zurückzugeben hatte.

Zugleich errichtete Karl in Auerbach ein Landgericht. Es bestand - mit einer kurzen Unterbrechung von 1804 bis 1841 - fast 500 Jahre lang bis 1862. In jenem Jahr wurden in Bayern Verwaltung und Rechtsprechung getrennt. In Auerbach blieb ein Amtsgericht, das zum 1. Juli 1973 aufgelöst wurde. Die Verwaltung übernahm das 1862 neuerrichtete Bezirksamt in Eschenbach.

Noch von Sulzbach aus gestattete der Kaiser 1368 den Auerbachern, vor den Toren der Stadt im Südwesten einen großen Weiher anzulegen. Der Stadtweiher diente unter anderem der Versorgung mit Brauchwasser, er tränkte die Tiere und war Löschteich bei Bränden. Er war aber auch ein wichtiger Teil der mittelalterlichen Befestigungsanlage der Stadt. Ursprünglich war der Weiher viel größer als heute. Ein Teil davon wurde Ende der 1950er Jahre zugeschüttet und ist heute Parkanlage sowie Spiel- und Bolzplatz an der Weiherstraße.

Nur Pfarrkirche war höher


Karl IV. ließ in Auerbach schon ein Jahr, nachdem er es zur Hauptstadt seines Territoriums Neuböhmen gemacht hatte, ein stattliches Schloss errichten. Es stand an der nordwestlichen Ecke des Stadtgrabens, ganz in der Nähe des schon vorher bestehenden Kastenamtsgebäudes, im Volksmund "Alte Münze" genannt. Das Schloss war für ihn eine Art Residenz, wenn er in Auerbach weilte. Sonst diente es seinen Statthaltern und den Landrichtern als Wohnung und als Amtslokal. In dieser Funktion löste es die im 12. Jahrhundert erbaute romanische Burg ab.

Das Schloss war kein Prunkbau, mit ca. 18 Meter Länge und 12 Meter Breite jedoch ein recht imposantes Gebäude. Besonders durch seine Höhe setzte es sich von den anderen Auerbacher Häusern ab. Es überragte sie, mit Ausnahme der Pfarrkirche, nahezu alle. 1788 stürzte es ein und wurde nicht wieder aufgebaut.

Kaiser Karl erteilte den Bürgern seiner Hauptstadt Auerbach mehrere wichtige Privilegien. Darunter waren zum Beispiel das Bannrecht über Tafernen (Wirtshäuser) und öffentliche Handels- und Kaufgeschäfte innerhalb einer Meile (ca. 7,5 Kilometer). In dieser Bannmeile rund um Auerbach durften keine Wirtshäuser, Kaufläden oder Märkte ohne Zustimmung der Stadt betrieben werden.

Ein anderes bedeutendes Privileg war die Zollfreiheit mit Nürnberg für die Ein- und Ausfuhr von Handelswaren. Die Urkunde befindet sich im Archiv der Stadt Auerbach. Darin verleiht Kaiser Karl den Bürgern von Auerbach und ihren Nachkommen in Nürnberg auf ewig Zollfreiheit.

Besondere Gnade getan


Weiter stiftete der Kaiser am 29. September 1374 einen Wochenmarkt. Der Text dieser Urkunde, die, allerdings ohne Siegel, ebenfalls im Stadtarchiv Auerbach aufbewahrt wird, lautet in Auszügen: "Wir, Karl, von Gottes Gnaden Römischer Kaiser, ... bekennen und tun kund öffentlich mit diesem Brief allen, ...daß wir ...unserer Stadt zu Aurbach, dem Bürgermeister, dem Rate, den Bürgern und Innwohnern der gesamten Stadt, diese besondere Gnade getan haben, ... in die genannte unsere Stadt zu Aurbach ..., woselbst ein Wochenmarkt in jeglicher Wochen montags gehalten werden solle."

Vortrag im RathausNach der ersten Station in Prag, wo sie noch bis Sonntag, 25. September, geöffnet bleibt, ist die bayerisch-tschechische Landesausstellung rund um Kaiser Karl IV. ab Donnerstag, 20. Oktober, bis Sonntag, 5. März 2017, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen. Im Begleitprogramm dazu hält Heimatforscher Rudolf Weber im Sitzungssaal des Rathauses den Vortrag "Kaiser Karl IV. und Auerbach". Termin ist Dienstag, 15. November, um 19 Uhr.
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