SPD-Kreistagsfraktion besucht Flüchtlingsunterbringung
Gut eingelebt im „Esperanto“

Von einer reinen Inobhutnahme-Einrichtung zum Haus für betreutes Wohnen: Im "Haus Esperanto" in Auerbach werden derzeit 21 jugendliche Flüchtlinge aus Afghanistan auf das Leben in Deutschland vorbereitet. Die SPD-Kreistagsfraktion informierte sich und fragte die jungen Männer auch nach ihren Erfahrungen. Bild: swt

Sechs Monate warten auf einen Anhörungstermin. Langes Bangen um den Bescheid der Asylbehörde. Das sind die einzigen Probleme, die die 21 jugendlichen Afghanen derzeit haben. Sonst haben sie sich im Haus "Esperanto" in Auerbach gut eingelebt.

Das ehemalige Schwesternwohnheim hinter der St.-Johannes-Klinik ist keine reine Inobhutnahme-Einrichtung mehr, sondern seit 1. November ein Haus für betreutes Wohnen mit zwei Wohngruppen. Junge Männer zwischen 15 und 21 Jahren, die vor dem Krieg in ihrer Heimat geflohen sind, haben dort Zuflucht gefunden. Sandra Grau vom CJD-Verbund Bayern und Heimleiter Johannes Rogner kümmern sich mit ihrem Team um die Männer. "Diese haben sich mittlerweile schon sehr gut integriert, sprechen teils gut Deutsch und werden auf den Lebensalltag vorbereitet", so Rogner. Wäsche waschen, einkaufen, kochen oder bügeln stehen ebenso auf dem Plan wie der tägliche Schulbesuch oder Praktika zur Berufsvorbereitung.

Beim Besuch der SPD-Kreistagsfraktion am Montagabend erzählten sie bereitwillig von ihren Erfahrungen. Sie besuchen entweder die Berufschule in Sulzbach-Rosenberg oder die Mittelschule in Auerbach, lernen dort die deutsche Sprache. In diversen Kursen werden sie über Regeln im deutschen Alltag und Gesetze geschult. "Finden die Sprachkurse regelmäßig statt?", fragte stellvertretende Landrätin Brigitte Bachmann. Sie weiß aus ihrer Erfahrung im Umgang mit jungen Erwachsenen, die geflohen sind, dass manche Kurse eben nicht immer stattfinden. Sandra Grau gab in diesem Fall Entwarnung: "Die jungen Männer können regelmäßig Deutsch lernen."

Kreisrat Richard Gaßner interessiert sich dafür, ob es Probleme mit den weiblichen Bezugspersonen gebe. Grau erklärte, dass viele Gerüchte kursierten, es im Alltag aber noch nie ein Problem mit den Erzieherinnen gab. "Wir werden akzeptiert, die Beziehung ist von Respekt getragen." Während im unteren Stockwerk die jungen Männer sehr offen mit dem Besuch umgehen, haben sich in der oberen Etage Flüchtlinge zurückgezogen, die mit der neuen Situation noch nicht so gut zurechtkommen. Sie sind überfordert mit dem Besuch.

Netter Empfang


Die politische Abordnung respektierte dies. Sie freuten sich über den netten Empfang, mit selbst gebackenen Snacks und Plätzchen. Ob sie denn schon Freunde gefunden haben, wollte Elisabeth Kolleng wissen. Die Auerbacherin kennt einige der Schützlinge bereits. "Wir werden gut akzeptiert", antworteten die jungen Männer, die sich zum Teil in der Freizeit bereits sportlich betätigen. Fußball beim SV 08 Auerbach oder Handball spielen sie.

Viel Unterstützung gibt es auch von Realschulleiterin Schwester Lioba Endres. Und besonders hebt Sandra Grau die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt in Amberg hervor. "Da sitzen ganz tolle Leute, die haben immer ein offenes Ohr für uns." Acht Vollzeitkräfte kümmern sich um die Jugendlichen, die im Augenblick dabei sind, die Zimmer wohnlich herzurichten. "Wir wollen die Küche und das Wohnzimmer neu gestalten", erklärte Sandra Grau. Alle packen mit an. Termine einhalten, ein strukturierter Tagesablauf und bei Bedarf natürlich auch psychologische Betreuung werden gegeben. Die jungen Männer haben traumatische Erfahrungen hinter sich. Und wollen gerne in Deutschland bleiben. Deshalb warten sie auch händeringend auf die Anerkennung. Denn nach vielen Praktika möchten alle gerne im nächsten Jahr eine Berufsausbildung beginnen. Betreuer und Betreute sind zuversichtlich, dass dies gelingt.

Weitere Flüchtlinge


Parallel zum betreuten Wohnen in den beiden unteren Geschoßen, bereiten sich die Pädagogen aber auch im Obergeschoss auf eine mögliche Unterbringung weiterer Flüchtlinge vor. "Wir wollen einfach gewappnet sein, wenn wieder mehr Menschen kommen. Im vergangenen Jahr wurden wir überrollt. Das soll nicht wieder so sein."

Die HandysDie SPD-Kreistagsfraktion unter der Führung von Fraktionsvorsitzendem Winfried Franz zeigte sich beeindruckt von der neuen Einrichtung. Und es fällt auf, dass alle Jugendlichen ein Handy haben. "Auch dies ist oft in der Öffentlichkeit ein Grund für Kritik", wissen Grau und Rogner. Dabei ist gerade das Handy die einzige Möglichkeit, mit der Familie in der Heimat Kontakt zu halten. "Das ist oft wichtiger als Essen!" Per SMS stehen die Jugendlichen mit den Eltern in Verbindung. Telefonieren wäre zu teuer, das neu installierte Wlan im Haus sei dagegen Gold wert, heißt es. (swt)
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