St.-Johannes-Klinik stellt ihr Hutzastüberl vor
Patienten gehen gern ins gelbe Zimmer

Im "Hutzastüberl" lernen Menschen mit einer eingeschränkten Wahrnehmung durch besondere Beschäftigung, sich wieder zu erinnern und so ein Stück weit Lebensqualität zu erlangen. Bilder: swt (2)
 
Mit 4000 Euro unterstützte der Förderverein Rettungswache und St.-Johannes-Klinik den Ausbau des Demenzzimmers. Davon gaben Franz Steubl 2000 und die Raiffeisenbank Auerbach-Freihung 1000 Euro.

In warmem Gelb sind die Wände gehalten, der Boden erinnert an dunkles Eichenparkett. Orange Töne dominieren bei den Möbeln. Eine Wohlfühlatmosphäre herrscht im "Hutzastüberl", der Neuheit in der St.-Johannes-Klinik.

"Die Patienten kommen nicht wegen der Diagnose Demenz in die St.-Johannes-Klinik, sondern wegen einer Reha-Maßnahme nach einer schweren Erkrankung. Mit der Errichtung des Betreuungsraumes wollen wir die Tagesstruktur optimal an den dementen Patienten anpassen", erklärte Pflegedienstleiterin Inge Nösner am Mittwoch bei der Vorstellung des Zimmers.

Seit Jahren gibt es in der Klinik eine Arbeitsgruppe Demenz für Pflegekräfte. Ein Projekt war es, diesen Raum für die besondere Betreuung einzurichten. Die Betreuung läuft von Montag bis Freitag zwischen 10.30 und 12.30 Uhr.

Für die Arbeit mit den Patienten stehen Aktivierungsboxen bereit. Sie enthalten etwa Kochutensilien, wie sie die früher gebräuchlich waren, laminierte Karten mit Sprichwörtern, die das Gehirn anregen, Liederhefte oder Bastelmaterial. Das Mobiliar besteht aus einer nostalgischen und einer modernen Küchenzeile gleich daneben, wo die Patienten auch einmal gemeinsam backen oder kochen.

Demente Patienten erkennen im Verlauf ihrer Erkrankung Speisen und Getränke nicht mehr. Häufig verändert sich auch der Geschmackssinn. Bei der Betreuung werden ihnen Früchte- und Kräutertees sowie Fingerfood - meistens von Obst - angeboten. So werden die Patienten animiert, mehr zu trinken und zu essen.

"Auch das Frühstückstraining findet nun in der schönen Umgebung statt", erläutert Chefarzt Dr. Edmund Goß, der die Abteilung Geriatrische Reha in der Auerbacher Klinik leitet. Seit dem Sommer werde das "Hutzastüberl" genutzt, und die Patienten gingen gerne ins "gelbe Zimmer".

An Vorstand überreicht


Möglich wurde das Stüberl übrigens auch durch die Spende des Fördervereins Rettungswache und St.-Johannes-Klinik. Zu den 4000 Euro steuerte Franz Steubl 2000 Euro bei, weitere 1000 kamen von der Raiffeisenbank.

Elisabeth Kolleng, die Vorsitzende des Fördervereins, reichte die Beträge an Klaus Emmerich, Vorstand des Kommunalunternehmens Krankenhäuser im Landkreis Amberg-Sulzbach, weiter.

"Das Gesundheitswesen stellt uns auf eine harte Probe", sagte er. "Nicht einmal mehr Küchen für die Krankenversorgung stehen auf dem Finanzierungsplan; auch Parkplätze oder Fernseher in den Zimmern sollen nicht mehr bezahlt werden."

Franz Steubl legt nach


Franz Steubl, kein Mann großer Worte, wollte nichts sagen, sondern drückte Elisabeth Kolleng noch einmal einen Barbetrag über 1000 Euro in die Hand: "Zur weiteren Verwendung für den guten Zweck."

Begleiter gesuchtUm das Angebot der Betreuung auf den Nachmittag ausweiten zu können, sucht die St.-Johannes-Klinik ehrenamtliche Demenzbegleiter. Sie machen mit den Patienten Spaziergänge, spielen, singen oder beschäftigen sich auf andere Weise mit ihnen. Die Freiwilligen nehmen an einer dreitägigen Schulung, Kurzfortbildungen und jährlichen Mitarbeitertreffen teil. Flyer liegen in der Klinik aus. Fragen beantwortet Pflegedienstleiterin Inge Nösner unter 09661/52 04 00. (swt)
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