Stadtarchiv Auerbach zeigt Bilder eines Unwetters vor genau 60 Jahren
Das Wasser bis zum Hals

Erschrockene Bewohner Auerbachs standen vor den überfluteten Neumühlwiesen. Diese Aufnahme entstand am 15. Juli 1956, dem Tag nach dem schweren Unwetter.

"Am 14. Juli verfinsterte sich der Himmel in einer bisher nicht erlebten Weise", steht in einer Ausgabe der Eschenbach-Auerbacher Volkszeitung aus dem Jahr 1956. "Es wurde so dunkel, dass überall künstliches Licht eingeschaltet werden musste." Der Stadtarchivar hat nachgeforscht, was da auf Auerbach zukam.

Nach länger andauerndem Sturmwind setzte unglaublich starker Gewitterregen ein. Noch größere Wassermassen als in Auerbach selbst ergossen sich über die Orte der näheren Umgebung, teilweise vermischt mit starkem Hagelschlag.

In Altzirkendorf wurde ein Mann vom Blitz getroffen und in bedenklichem Zustand ins Auerbacher Kreiskrankenhaus eingeliefert. Durch die wolkenbruchartigen Regenfälle stieg der sonst so wasserarme Speckbach außerordentlich stark an. Am stärksten wurde die Pfannmühle in Mitleidenschaft gezogen, aber auch in der Neumühle und in der Stadt Auerbach entstand durch die Überschwemmung erheblicher Schaden.

Ernstfeld wurde schwer heimgesucht. In den Höfen Albersdörfer und Hörl stand das Vieh bis zum Hals im Wasser; der Hund konnte im letzten Augenblick vor dem Ersaufen gerettet werden. Die von der Bundesstraße her anstürmenden Wogen rissen das schwere Scheunentor auf. Sie nahmen den langen Leiterwagen mit und sprengten das zweite Tor auf. Die Teerdecke der Bundesstraße wurde zum großen Teil mit Gestein fortgespült.

Manches Waldstück in der Umgebung sah aus wie mit Granaten beschossen. Viele Bäume waren geknickt und lagen durcheinander.

Michelfeld wurde vom Hochwasser buchstäblich überrumpelt. Binnen zehn Minuten stieg das Wasser über die Ufer und überspülte den Klosterdamm. Ein Glück war es, dass der Hauptanprall der Wassermassen aus Richtung Auerbach schon vorüber war, als die Fluten aus Richtung Steinamwasser heranströmten. Bei einem gleichzeitigen Eintreffen wären die Ausmaße der Katastrophe unausdenkbar gewesen.

In der ganzen Gegend wurden Getreidefelder niedergewalzt, hatten die Hochwasserfluten Gärten, Wiesen, Hofräume, Keller, Scheunen, Stallungen und Wohnungen mit zähem, schleimigen Lehmwasser verdreckt.

Die alarmierten Feuerwehren von Auerbach und Michelfeld sowie die Männer des Roten Kreuzes in Auerbach packten unermüdlich und tatkräftig an den gefährdetsten Stellen zu. Ihnen allein war es zu verdanken, dass das Ausmaß des Schadens in Grenzen gehalten werden konnte.

Das Stadtarchiv ist heute in der glücklichen Lage, dieses Geschehen von vor 60 Jahren mit einigen Fotos darzustellen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich erneut darauf hinweisen, niemals Fotos wegzuwerfen, sondern sie im Rathaus für das Stadtarchiv abzugeben!
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