Unbekannte töten Kalb auf bestialische Weise
Das Grauen im Kuhstall

Landwirt Gerhard Lindner (Zweiter von links) in seinem Stall. Die Täter haben Kuh Celle mit einer Stromkabelschlinge aus dem hinteren Bereich des Stalles ins Freie geführt. Sie muss entkommen sein, trampelte in Panik rund um den Stall über die Wiese. Bilder: Wiesent (2)
 
Gerhard Lindner vor der aufgeschlitzten Plane des Laufstalls.

Wer macht denn sowas? Ein ungewöhnlicher Fall von Tierquälerei beschäftigt die Polizei. Unbekannte wollten aus einem Laufstall eine Kuh stehlen. Außerdem töteten sie ein Kalb und richteten es furchtbar zu.

Welluck. (swt) Die Fassungslosigkeit steht der Familie Lindner noch immer ins Gesicht geschrieben. "Bestialisch", bezeichnet Landwirt Gerhard Lindner das Vorgehen der Täter. Am Silvestermorgen ging er mit seinem Vater wie gewohnt in den außerhalb des Anwesens liegenden Laufstall, um die Kühe zu versorgen. Hektik war angesagt, da eine Kuh mit Zwillingen gekalbt hatte.

Fleisch herausgeschnitten


Überrascht, aber zunächst keineswegs besorgt, entdeckte Lindner in einem Nebengang eine trächtige Kuh mit einem Stromkabel um den Hals. "Ich dachte zuerst, wie kommt sie aus dem hinteren Bereich des Stalles hier nach vorne?" Linder überlegte auch, wo sie sich in einem Stromkabel verheddert haben könnte. Auch die offene Flügeltür am Eingang löste zunächst keine Bedenken aus. Erst als Ehefrau Nicole hinter dem Stall ein totes Kalb fand, schlich Grauen in das Empfinden der Lindners.

Eine aufgeschlitzte Planenwand ließ schließlich die Alarmglocken schrillen. Die Lindners riefen die Polizei, entdeckten dann erst die bestialische Grausamkeit, mit der das Kalb getötet worden war. Am hinteren linken Lauf waren mit scharfen Schnitten das Fell entfernt und Fleischstücke herausgeschnitten worden. Dann wurde der Familie auch klar, dass die trächtige Kuh nicht von selbst in den vorderen Bereich des Stalles gelangt war. Jemand hatte versucht, sie an einem Stromkabel nach draußen zu ziehen. Nachbarn entdeckten dann eine abgerissene Dachrinne und Blutspritzer an der Hausmauer des nebenan errichteten Rohbaus.

"Da hat jemand ganz gezielt die Kuh schlachten wollen," vermutet Gerhard Lindner, dem der Schrecken auch einen Tag nach dem Fund noch ins Gesicht geschrieben steht. "Als die Kuh ausriss, haben sich die Täter über das Kalb hergemacht." So mutmaßt der Landwirt, der die mit einem Bolzenschneider aufgebrochene Tür zeigt. Das Gerät fanden die Besitzer später im Gras. Erst vor sechs Wochen wurden aus dem Stallbereich hochwertige Werkzeuge gestohlen. "Das kann man ersetzen. Aber das sind Lebewesen." Er vermutet, dass der Stall vorher ausspioniert wurde. Zu gut wussten die Täter Bescheid, dass sich etwa die geschändeten Tiere im hinteren, ruhigen Teil des Stalles befinden. Das Aktivitätenprotokoll, das ein Computer aufzeichnet, zeichnete gegen drei Uhr nachts eine hohe Bewegung im Stall auf. "Sonst legen sich die Tiere so um zehn, halb elf schlafen", erklärt Lindner vor Ort. Das Brüllen der Tiere habe in der Nachbarschaft niemand gehört, da auch der Wind ungünstig stand. Der materielle Schaden ist für die Familie nicht so wichtig. Schlimmer ist die Angst, mit der die Lindners nun morgens an die Arbeit gehen. "Wir haben den Stall vor drei Jahren in Betrieb genommen. Wir wollten bewusst ein Areal schaffen, das zugänglich ist, wo man auch Milchwirtschaft erleben kann." Ehefrau Nicole arbeitet auch als Erlebnisbäuerin. Kindergeburtstage oder ähnliches werden am Stall gefeiert.

Spuren gesichert


"Eigentlich haben wir der Gesellschaft vertraut. Jetzt sehe ich das anders," meint der Landwirt. Eine Kameraüberwachung wollten die Lindners eigentlich nicht. Doch zum Schutz der rund 150 Tiere wird sie nun wohl nicht mehr zu umgehen sein. Die Polizeiinspektion Auerbach hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet um Hinweise. Polizeihauptmeister Daniel Hegel erklärte, ein Ermittler habe Spuren aufgenommen, die nun ausgewertet werden.
Da hat jemand ganz gezielt die Kuh schlachten wollen.Landwirt Gerhard Lindner,
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