Vor zehn Jahren starb Rudolf Lodes im hessischen Nieder-Modau
Herausragende Persönlichkeit aus Auerbach

Rudolf Lodes hat der Nachwelt zahlreiche Gemälde und viele grafische Drucke hinterlassen. Darunter ist auch dieses Selbstbildnis in Öl. Hier hat er einen Teil seiner Lebensinhalte symbolisch dargestellt: die Wissenschaft, das Lesen und Selber-Schreiben, das Malen, das Reisen rund um den Globus - und gelegentlich einen guten Tropfen. Repro: hfz

Arzt, Maler und Schreiber - Rudolf Lodes bewegte sich in den 96 Jahren seines Lebens im Spannungsfeld zwischen Medizin und Kunst. Das Auerbacher Rathaus diente ihm als Kinderstube. Bis ins hohe Alter riss der Kontakt zu seiner Heimatstadt nicht ab.

Heute vor zehn Jahren, am 18. Mai 2006, starb im hessischen Nieder-Modau Dr. Rudolf Lodes. Seine letzte Ruhestätte fand er im Familiengrab auf dem Auerbacher Friedhof, zwischen der Friedhofskirche und der Kriegerkapelle. Sein künstlerischer Nachlass ist seit 2012 im Lodes-Museum der Stadt Auerbach zu sehen. Im Schlosshof 1 öffnet es jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr seine Pforten.

Erster Schrei im Rathaus


Der Sohn des städtischen Beamten Anton Lodes kam am 5. Juni 1909 im zweiten Stock des Rathauses der Stadt zur Welt. Dort verbrachte er auch seine Kindheit. In seiner 1999 erschienen Lebensgeschichte "Neunmal zehn Jahre - im Spannungsfeld zwischen Medizin und Kunst" dachte der damals 90-Jährige gern an diese Zeit zurück.

Er schrieb: "Im zweiten Stock war ab 1909 unsre Wohnung, aufgeteilt in acht große Räume, einen langen breiten Flur und eine Dachbodentreppe ... . Auf Flur und Böden spielten wir mit den Nachbarskindern und hier lernte ich auch das Radfahren. ... In der großen Rathauswohnung gab es noch das Plumpsklo. ... Manchmal war dieses Örtchen auch eine Spielecke am Ende des langen Flurs ..." Erst 1928 zog die Familie ins neu erbaute eigene Haus, im Volksmund Lodesvilla (Enge Gasse 7) genannt.

Schwenk im Studienfach


Nach dem Abitur 1929 in Amberg wollte Lodes eigentlich Künstler werden. Da seine Bewerbung an der Münchner Kunstakademie aber abgelehnt wurde, schrieb er sich an der Universität Würzburg im Fach Kunstgeschichte ein. Als gefordertes Nebenfach besuchte Rudolf Vorlesungen in Anatomie. Dabei entdeckte er die Medizin für sich und schlug diesen Studienweg ein.

In Russland verwundet


Im Frühjahr 1940 rief das Militär den Arzt zum Fronteinsatz in Russland, den eine Verwundung beendete. Nach ein paar Wochen Lazarettaufenthalt in Amberg und München wurde er im von Hitler erbauten Rasthaus am Chiemsee (heute Medical Park Chiemseeblick) als Abteilungsarzt eingesetzt. Nach dem Kriegsende kümmerte er sich an der Orthopädischen Versorgungsstelle insbesondere um arm- und beinamputierte Kriegsopfer. 1973 ging Dr. Lodes auf eigenen Antrag in Pension. "Es folgten Jahre, die von seinem unermüdlichen künstlerischen Schaffen gekennzeichnet waren.

Er verbrachte den Großteil seiner Zeit in der eigenen Werkstatt, produzierte mehr denn je und wirkte auch gelegentlich bei Ausstellungen mit", stellt Gaia von Stepski-Doliwa in ihrer Diplomarbeit "Rudolf Lodes - Das graphische Werk. Ein Lebensbild im Spannungsfeld zwischen Medizin und Kunst" fest. In den folgenden Jahrzehnten entstanden etwa 700 Ölbilder sowie rund 3500 Radierungen, Holz- und Linolschnitte.

Neben der bildenden Kunst fühlte sich Lodes auch zum Schreiben hingezogen. Sein erstes Büchlein "Huuza güi, dees is schüi" versammelte 1989 mehr als 50 ganz im Dialekt gehaltene Geschichten. Einen Teil dieser Episoden übersetzte er ins Hochdeutsche, fügte neue hinzu und veröffentlichte sie als "Kleinstadtgeschichten aus der Oberpfalz".

Belastende Erlebnisse


Lodes schrieb humorvoll und hintergründig, war aber auch ein Mensch mit emotionalem Tiefgang. Seine Erlebnisse als Arzt im Zweiten Weltkrieg belasteten ihn zeitlebens. In seinem nur gut 80 Seiten umfassenden Bändchen "Verheimlichtes vom Krieg" setzt er sich mit diesem Lebensabschnitt auseinander.

Das umfangreichste Werk ist seine Lebenserinnerung. Auf über 500 Seiten beschreibt Rudolf Lodes sein Leben und viele seiner Zeitgenossen und Weggefährten.

Bald nach dem Tod seiner Frau Erika Köhne von Wranke 1988 - mit ihr war er 51 Jahre verheiratet - nahm der Witwer wieder Kontakt zu deren Nichte Margarete Hecker auf. Sie hatte kurz nach Kriegsende, weil ihr Elternhaus zerstört war, einige Zeit bei den Lodes in München gewohnt. Seit 1981 gehörte ihr ein renoviertes Fachwerkhaus in Ober-Ramstadt im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Sie wurde seine zweite Frau, mit der er seine letzten Jahre verbrachte.

Stadt pflegt das Grab


Bis zuletzt kehrte Dr. Rudolf Lodes immer wieder gern in seine Vaterstadt zurück. Der noch vorhandene künstlerische Nachlass gehört seit einigen Jahren der Stadt Auerbach, die im Gegenzug die Pflege des Lodes-Grabes übernommen hat.

Zusammenfassend stellt Gaia von Stepski-Doliwa, die sich intensiv mit Dr. Rudolf Lodes befasst hat, fest: Sein "Schaffen deutet auf eine herausragende und vielseitige Persönlichkeit, die, von einen unermüdlichen Tatendrang durchdrungen, ihren Neigungen als Orthopäde und als Künstler gerecht wurde. Weder sein Beruf noch seine künstlerische Ader wurden von ihm vernachlässigt. Lodes' Leben spielte sich stets im Spannungsfeld zwischen Medizin und Kunst ab."
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