Weltrekord im Dauerkickern
Nur Flaschen auf dem Spielfeld

17 Bierkästen hat Gerhard Raß in seinem Bierflaschenkicker verbaut, 22 Flaschen mit gelben und roten Etiketten beklebt. Gelb für alkoholfrei, rot mit "Stoff". Am Ende gewann Team "Münchner Hell" mit 38:25. Drei Spiele gingen unentschieden aus. Bild: wih
 
"Wir machen so a Gaudi natürlich gern mit." Zitat: Joachim Neuß, Bürgermeister von Auerbach

Alle zehn Minuten ein Pfiff. Das Signal für den Spielerwechsel. Sofort geben die nächsten Teams ihr Bestes im Tischfußball. So lief das am Samstag in Auerbach fast zehn Stunden lang. Der Plan: einen Weltrekord im Dauerkickern aufstellen.

Mindestens 250 Spieler sollten am Samstag nacheinander ohne Unterbrechung kickern. Mit dem Ziel, einen Weltrekord aufzustellen. Gespielt wurde jedoch bei der 60-Jahr-Feier des SC Glückauf Auerbach (Kreis Amberg-Sulzbach) nicht an einem gewöhnlichen Tisch. Ein Kicker aus Bierkästen stand stattdessen im Mittelpunkt. Gebaut wurde das besondere Spielgerät von Gerhard Raß aus dem benachbarten Nitzlbuch.

Anpfiff war um 10 Uhr. Gleich im ersten Spiel zeigte Raß selbst sein Können am eigens gebauten Kicker und gewann mit seinem Team die erste Partie. "Da hat er sich extra einen eigenen Kicker gebaut, damit er auch mal gewinnt", scherzten seine Stammtischfreunde, die Raß bei der Organisation des Weltrekordversuchs geholfen haben.

Von Jung bis Alt - jeder wollte den besonderen Kicker einmal ausprobieren und alle waren sich einig: Das macht richtig Spaß. Die Zuschauer feuerten ihre Favoriten an. Tormänner ärgerten sich über Eigentore. Stürmer fluchten bei vergebenen Chancen. Die Spieler klatschten sich ab und jubelten, wenn sie den Bierkasten, der das Tor darstellte, trafen. Das ein oder andere Mal wurde der kleine, gelbe Schaumstoffball mit zu viel Elan geschossen und flog aus dem Spielfeld. Dann gab es Einwurf für die Gegner. Alles wie bei einem normalen Fußballspiel - nur statt der Beine wurden die Hände müde. Die verkrampften Finger konnten aber schon nach zehn Minuten ausgeschüttelt werden. Denn dann übernahm das nächste Team. Zeitweise war der Andrang sogar so groß, dass Raß die Spielzeit auf fünf Minuten verkürzte.

Ersatzspieler auf der Bank


Für den "Fünfer", die Stange mit den fünf Mittelfeldspielern, brauchten die Teilnehmer besonders viel Kraft in den Fingern. Raß hat die Flaschen mit einem speziellen Bauschaum gefüllt. Falls bei einem heiß umkämpften Spiel mal eine zu Bruch geht, bleiben die Scherben am Schaum kleben: "So gibt es keine Sauerei und keine Verletzungsgefahr." Vorsorglich stand ein ganzer Kasten mit Ersatzflaschen parat. Die Ersatzspieler mussten jedoch nicht eingewechselt werden. Auch der Tisch hielt der Dauerbelastung stand. Selbst nach 10 Stunden Spielzeit war er noch voll funktionsfähig. Für Raß eindeutig: "Nach diesem Härtetest ist der Bierflaschenkicker serienreif." Rund 100 Stunden Arbeit stecken in dem Kicker. Es ist bereits der vierte, den Raß eigenhändig gebaut hat. Viel hat der gelernte Dreher getüftelt: "Der erste Kicker war eher a Gaudi. Die neue Version ist vom Grundprinzip gleich, aber optimiert. Zum Beispiel hat der Paulaner-Kicker gehobene Ecken." Vorher sei der Ball dort immer liegen geblieben. Die Paulaner-Brauerei aus München hatte das Material für den Kicker gespendet. Ein Lastwagen lieferte Kästen aus München an. Da waren die Flaschen noch mit Bier gefüllt. Aber "das war natürlich kein Problem", erzählt Raß schmunzelnd. Die Münchener Brauer haben extra eine Platte mit ihrem Logo und der Silhouette der Stadt anfertigen lassen. 17 Bierkästen und 22 Flaschen hat Raß dann verbaut.

Weihnachtswünsche


Der Schlusspfiff fiel um 19.40 Uhr. Da hatte der zehnjährige Yanick Ziegler aus Auerbach sein Spiel beendet. Er war der Teilnehmer mit der Startnummer 250. Der Torwart der Spielgemeinschaft Auerbach sagte nach dem Turnier zu seiner Mutter: "So einen Kicker wünsche ich mir zu Weihnachten." Raß zeigte sich begeistert von den vielen Mitspielern. Auch der Auerbacher Bürgermeister Joachim Neuß stellte gemeinsam mit 3. Bürgermeister Norbert Gradl ein Team. Es musste sich jedoch gegen die Stadträte Johann Kaiser und Josef Lehner geschlagen geben.

Jetzt fehlt noch die Bestätigung vom Rekordinstitut Deutschland, dann steht dem Eintrag des Rekords ins deutsche Guinnessbuch der Rekorde nichts mehr im Wege. "Zum Spaß haben wir sogar noch bis 10 Uhr weitergespielt", erzählt Raß: "Falls mal jemand unseren Rekord brechen sollte, legen wir natürlich noch eine Schippe drauf."

Wir machen so a Gaudi natürlich gern mit.Joachim Neuß, Bürgermeister von Auerbach
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