Zehn Erinnerungsstaionen erzählen ein dunkles Kapitel der Geschihcte
Fakten gegen das Vergessen

Der Leiter der Regens-Wagner-Stiftung in Michelfeld, Peter Miltenberger, seine Vertreterin Doris Frohnhöfer und der geistliche Leiter Rainer Remmele bekannten sich zum Auftrag, die Erinnerung an die Opfer der Nazi-Verbrechen, die es unter den Bewohnern der Behinderteneinrichtung gegeben hat, wach zu halten. Bild: eb

Während der Jahre der Nazi-Herrschaft kamen auch Bewohner der Behinderteneinrichtungen in Michelfeld grausam zu Tode. Lange Zeit wurde über die schrecklichen Ereignisse geschwiegen. Das soll jetzt anders werden.

Michelfeld. In der ehemaligen Taubstummenanstalt Michelfeld lebten neben den Gehörlosen auch geistig Behinderte und psychisch kranke Frauen. Viele von den Letztgenannten wurden während der Jahre des Nationalsozialismus verfolgt und zu Tode gequält. Auch die Schwestern konnten den Abtransport der Bewohnerinnen nicht verhindern.

Jahrzehnte wurde dieses traurige Kapitel in der hiesigen Einrichtung nicht öffentlich behandelt. Wohl auch aus dem Grund, weil die traumatischen Erfahrungen innerlich noch lange weiterlebten. So blieben die schrecklichen Ereignisse lange Zeit im Dunkeln. Jetzt aber gibt es einen Arbeitskreis, der sich mit diesem Thema intensiv beschäftigt und Fakten gegen das Vergessen sammelt.

Bei dem Treffen stellte der örtliche Leiter der Regens-Wagner-Stiftung, Peter Miltenberger - er wurde begleitet von seiner Vertreterin Doris Frohnhöfer - fest, dass es ganz wichtig sei, die Erinnerung an das Geschehen dieser unseligen Zeit wach zu halten. Eindringliche Worte kamen auch vom geistlichen Leiter Rainer Remmele, der zugleich Vorsitzender des Stiftungsvorstands ist.

Von 1933 bis 1945 gab es rund 30 Ordensschwestern in der Michelfelder Einrichtung, die sich um rund 380 Bewohnerinnen kümmerten. Dabei hielten sie auch Kontakt zu deren Angehörigen, wie aus Briefwechseln zu ersehen ist. Manche Frauen, die nicht schwerstbehindert waren, durften nach Hause zurückkehren. Das ersparte ihnen einen grausamen Tod.

Morde vertuscht


Ab 1940 verlangten die Nazis von den Behinderten-Einrichtungen, alle Bewohner mit einer schweren geistigen oder psychischen Krankheit zu melden. Diese Menschen wurden dann ermordet, oder man ließ sie verhungern. Die ausgestellten Sterbeurkunden sollten den Angehörigen vortäuschen, der Tod sei durch eine Krankheit eingetreten. Mit diesen falschen Feststellungen wollten die Nazis das Morden geheim halten.

Seit 2013 gibt es bei Regens Wagner in Michelfeld einen Arbeitskreis, der sich mit der Aufarbeitung des Geschehens während der Nazizeit befasst. Er hat zehn Erinnerungsstationen erarbeitet, die einen Zugang zur Geschichte der Einrichtung im Dritten Reich schaffen sollen. Mahnmale sind auch die Kapelle St. Clara und das aufgestellte Kreuz in deren Nähe. Mehrere Stelen - sie wurden in der Werkstatt für Behinderte hergestellt - sind ebenfalls Erinnerungsorte.

Politik und Kirche vertreten


Der Einladung zur Erinnerungsstunde folgten der CSU-Kreisvorsitzende, Landtagsabgeordneter Dr. Harald Schwartz, sowie Ingrid Kurz, die zum Förderverein von Regens Wagner gehört. Aus Auerbach kam 2. Bürgermeister Herbert Lehner mit den Stadträten Maria Regn und Hans Kaiser. Zu den Zuhörern zählte ebenfalls der Pegnitzer Bürgermeister Uwe Raab. Für die katholische und evangelische Kirche nahmen Dekan Pater Markus Flasinski, Pfarrer Georg Braun, Diakon Thomas Wiegel und Pfarrer Moritz von Niedner teil.

Vom Mutterhaus der Dillinger Franziskanerinnen kam Provinzoberin Gerda Friedel nach Michelfeld. Die Realschule Auerbach vertrat die Leiterin Schwester Lioba, und von der Mittelschule kam Rektor Ferdinand Höllerer. An dem Erinnerungstreffen nahmen auch mehrere Behinderte teil sowie Gäste von außerhalb der Einrichtung.
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