Zu Besuch bei Renate Steger, der Vorsitzenden des Obst- und Gartenbauvereins Gunzendorf
Was wann blüht, ergibt sich dann schon

Hier am Baumtor würden Erich Sertl und Renate Steger am Tag der offenen Gartentür gerne viele Besucher willkommen heißen.
 
Kräuter gedeihen in der Spirale vor den dicken Tomaten; ein Bänkchen lädt zum Ausruhen ein. Bilder: swt (2)

Grün in allen Schattierungen, frische Wassertropfen auf den Blättern. Ein kräftiger Gewitterregen hat die Natur reingewaschen. Wer durch das Baumtor in Renate Stegers Garten geht, fühlt sich in eine andere Welt versetzt.

Gunzendorf. In jahrelanger Handarbeit hat die 50-jährige Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Gunzendorf ein Idyll geschaffen. Schweiß, Herzblut und viel Seele ließ sie darin einfließen. Demnächst dürfen sich Besucher davon überzeugen.

Ursprünglich gab es nur Rasen und einige pflegeleichte Beete rund um das blaue Haus. Tochter Anna hatte Platz zum Spielen. Den Eltern blieben selten Mußestunden, denn sie waren neben ihren Berufen im elterlichen Wirtshaus eingespannt. Als die Traditionsgaststätte 2007 schloss, entschied sich Renate Steger, den Garten umzugestalten. Tochter Anna war groß geworden, brauchte ihr grünes Spielzimmer nicht mehr. Doch wie vorgehen? "Ich wollte einen Ort der Entspannung, mit viel Naturmaterial", blickt sie zurück.

Zunächst nutzten die Stegers die Nähe des stillgelegten Steinbruchs und arbeiteten viel mit Stein. Die alten Fliesen der Gunzendorfer Ägidiuskirche decken die Gehwege: "Die wären sonst weggeworfen worden." Auch das alte Kirchentürl aus Eisen rettete Hubert Steger vor der Müllhalde und restaurierte es.

Stück Familie im Garten


Als der Friedhof, der unmittelbar an das Anwesen angrenzt, aufgelassen wurde, sollten die Grabsteine stehenbleiben, aber die Einfassungen nicht. Stegers Großvater ist hier begraben. Mit der Einfassung verarbeitete sie ein Stück Familie im Garten, wie sie erklärt. Überhaupt steckt in jedem Eckchen viel Gefühl und Seele.

Der Sitzplatz unter der Pergola am alten Stadel beherbergt einen echten Holzbackofen. Dessen Zugang zieren bunte Mosaike vor rotem Verputz. "Hier backen wir alle vier Wochen unser Brot selber," erklärt Renate Steger. Im Internet stöbert sie nach Pflanzen. Gekauft wird aber meistens in heimischen Betrieben. Oder sie zieht sie selbst, wie die Buchshecke vor dem früheren Wirtshausaufgang.

Wasser, eine Düngermischung, die sie selbst mixt, und viel Liebe stecken in den unterschiedlichen Ecken des Gartens. Gift kommt ihr nicht ins Haus, erklärt die naturliebende Gärtnerin. Mittlerweile hat sie viele Nützlinge in ihr Refugium gelockt. Marienkäfer etwa fressen die Blattläuse, die sich gerne an Rosen gütlich tun.

"Der Garten muss über Jahre wachsen", erklärt Renate Steger beim Rundgang. "Ich habe vieles ausprobiert, habe aber keinen Pflanzplan. Was wann blüht, das ergibt sich dann schon." Nur eines macht sie nicht, nämlich Pflanzen im Supermarkt kaufen: "Die sind zu schnell gezogen, die halten nichts aus."

Kostenlose Beratung


Wer Unterstützung sucht, der kann sich übrigens auch an den Gartenfachberater des Landkreises wenden, der kommt sogar kostenlos. Oder beim Tag der offenen Gartentür einen Blick über den Zaun werfen.

Tag der offenen GartentürAuch Renate Steger öffnet am Sonntag, 26. Juni, ihre Gartentür. Zusammen mit ihrem Stellvertreter Erich Sertl und vielen weiteren Helfern organisiert die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins diesen besonderen Tag in Gunzendorf. Sieben Gärten werden dort zu sehen sein, ein weiterer in Ohrenbach und einer in Auerbach.

Während der einfachen Dorferneuerung vor vier Jahren keimte die Idee zum Tag der offenen Gartentür. Kurz vor Weihnachten 2015 begannen dann die Vorbereitungen. Neben den geöffneten Gärten findet der Besucher auf dem neu gestalteten Dorfplatz in Gunzendorf auch die Möglichkeit zu einer Pause bei Kaffee und Kuchen. Es gibt auch Brote mit Aufstrichen zu probieren, die aus der Ernte der Gärten stammen. Kunsthandwerker stellen ihre Gartenobjekte aus, eine ansässige Gärtnerei gibt Tipps zum Gärtnern. Geöffnet haben die Gärten von 10 bis 17 Uhr.

In den nächsten Wochen stellt die SRZ noch weitere ausgewählte Gärten vor. (swt)
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