Firma Voltgrün übernimmt Bau des Windrades in Freudenberg
Windkraft unter Zeitdruck

Freudenberg: Hainstetten |

Das Windrad gut 700 Meter südlich von Hainstetten (Gemeinde Freudenberg) kann gebaut werden. Das Landratsamt hat es am Freitag genehmigt. Jetzt gibt es im Landkreis nur noch ein weiteres Windkraftprojekt, das in nächster Zeit gute Chancen auf Umsetzung hat.

Die Regensburger Windkraft-Firma Voltgrün, die das Freudenberger Windrad projektiert hat, nennt auf ihrer Homepage das Besondere an der Entscheidung des Landratsamtes: "Die jetzt erteilte immissionsschutzrechtliche Baugenehmigung ist die erste im Landkreis Amberg-Sulzbach, seit zu Beginn 2014 die politischen Diskussionen um die Abstandsregelungen für Windenergieanlagen in Bayern begonnen haben." Die letzten genehmigten Windräder davor waren am 6. Dezember 2013 die beiden Anlagen bei Hagenohe (Stadt Auerbach).

Die 199 Meter hohe Windkraftanlage vom Typ Vestas V 112, die Voltgrün jetzt genehmigt bekam, ist die dritte auf dem Gebiet der Gemeinde Freudenberg - die beiden Windräder bei Witzlricht stehen nur etwa 700 Meter entfernt - und die 25. im Landkreis Amberg-Sulzbach. Die 24 anderen sind alle schon in Betrieb.

Aufschiebende Bedingungen zu erfüllen

Mit der Genehmigung hätte Voltgrün grundsätzlich das Recht, mit dem Bau zu beginnen, informiert Christine Hollederer, die Pressesprecherin des Landratsamtes, auf AZ-Nachfrage. So könne etwa "als vorbereitende Maßnahme" die erforderliche Rodung an der Baustelle sofort erfolgen. Vor weitergehenden Baumaßnahmen seien aber vorab noch "die in der Genehmigung festgesetzten aufschiebenden Bedingungen zu erfüllen, zum Beispiel Vorlage einer Sicherheitsleistung für den Rückbau oder Prüfung des Brandschutzes".

Voltgrün hat nach eigenen Angaben eine rund zweieinhalbjährige Planung in das Windkraft-Vorhaben investiert. Den immissionsschutzrechtlichen Antrag stellten die Regensburger am 16. Mai 2013, im September 2014 mussten sie noch die Unterlagen vervollständigen.

Lange Unklarheit über Antrag

Laut Projektmanager Stefan Trummer hat die Firma selbst bis vor wenigen Tagen nicht gewusst, ob der Antrag tatsächlich durchgeht. Man habe befürchtet, dass Einsprüche des Freudenberger Gemeinderates oder der Nachbarstadt Schnaittenbach die Windkraftkonzentrationszone - und damit die Grundlage für den Bau des Windrades trotz 10-H-Regelung - kippen könnten. Beiden Kommunen war aber letztlich der Erhalt ihrer Konzentrationszonen wichtiger, als ein Windrad zu verhindern, dessen Abstände zu Hainstetten und Mertenberg (knapp 1200 Meter) sie kritisch sahen.

Bis 31. Dezember 2015 soll Windkraftanlage stehen

Wie der Zeitplan für den Bau der Anlage aussieht, kann Stefan Trummer wegen der erst jetzt beseitigten Unsicherheit noch nicht genau sagen. Auch ein Betreiberkonzept habe man bisher nicht. Ziel von Voltgrün sei es aber, die Anlage bis zum 31. Dezember 2015 zu realisieren. Denn ab 2016 sieht das Erneuerbare-Energien-Gesetz eine quartalsweise Absenkung der Einspeisevergütung für Windstrom vor. "Und dann haben wir wirtschaftliche Einbußen."

Enormer Zeitdruck

Dieser Zeitdruck mindert nach Trummers Einschätzung auch die Chancen für eine Übernahme des Projekts durch die Freudenberger Bürgerwind-Gesellschaft. Deren Geschäftsführer Andreas Wilczek hatte diese Idee mit der Absicht begründet, dann statt des einen Vestas-Windrads (mit Getriebe) zwei leisere Enercon-Anlagen (ohne Getriebe) aufzustellen und so den Lärm für die Hainstettener und Mertenberger zu verringern. Zumindest für den zweiten Windrad-Standort wäre dann aber ein erneutes Genehmigungsverfahren notwendig. "Und da sehe ich die Genehmigungsfähigkeit im Moment nicht", sagt Trummer. Auch Voltgrün habe ja schon Gespräche in diese Richtung geführt. Die Genehmigung müsste zudem noch sehr schnell erfolgen, damit man mit der Inbetriebnahme der Anlage nicht ins Jahr 2016 und die abgesenkten Einspeisevergütungen hineinrutscht.

Keine Garantie vom Hersteller

Trummer betont, dass man da nicht einmal beim jetzt genehmigten Windrad sicher sein könne: "Solange wir keine Genehmigung hatten, haben wir nicht mit Vestas über die Lieferung verhandelt. Das hat jetzt erst neu begonnen. Aber wir haben von Herstellerseite keine Garantie, dass bis Ende 2015 eine Anlage verfügbar ist." Und mit Enercon habe man überhaupt noch nicht gesprochen. Der Voltgrün-Projektmanager hält es für gefährlich, ein genehmigtes und sicher wirtschaftliches Projekt auf die Wartebank zu schieben - mit der Gefahr, dass man zum Schluss die wirtschaftliche Umsetzung nicht mehr in der Hand habe. "Ich kann keine wirtschaftliche Entscheidung darauf basieren, wenn drei bis vier Fragezeichen hinter der Genehmigung stehen."

Immissionsschutzrechtliche Genehmigung


Also hat im Landkreis nur noch ein weiteres Windrad einigermaßen gute Chancen, eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung zu erhalten: eine Anlage vom Typ Enercon E-82 ganz im Norden des Auerbacher Stadtgebiets. Projektant Josef Heigl hatte die Genehmigung 2013 schon einmal erhalten, dann aber hob das Verwaltungsgericht Regensburg sie wieder auf. Laut Christine Hollederer deshalb, weil der Standort minimal verändert wurde. Das Gericht verfügte, dass der Auerbacher Stadtrat dann noch einmal sein gemeindliches Einvernehmen erteilen müsse. Die Anlage befinde sich darum nun wieder im Verfahren.

Daneben gebe es noch einige wenige Vorhaben, von denen das Landratsamt wisse, weil hier einmal ein "Antrag auf Vorbescheid" gestellt worden sei; zum Teil stammten sie noch aus dem Jahr 2011, zum Teil stünden sie noch ganz am Anfang und würden "von den Antragstellern nicht aktiv betrieben, so dass wir hierzu zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskunft geben können".
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