Lendenschurz und Beinlinge
Wie man im Mittelalter auch Extremkälte überstanden hat

Die Organisatoren können zufrieden sein: Bei schönem Winterwetter wurde am Sonntag das Angebot des Geschichtsparks, einmal den Winter im Mittelalter live zu erleben, sehr gut angenommen. Bild: ubb
Freizeit
Bärnau
25.01.2016
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Wie gut, dass es im späteren Mittelalter bereits große Keramiköfen gab, an welchen nasse und kalte Füße schnell wieder getrocknet werden konnten. Bild: ubb

20 Grad Minus ist der Härtetest: Ingo Fronhöfer und Christian Fasold haben's ausgehalten und bei Extremkälte im Bärnauer Geschichtspark übernachtet.

Christian Fasold, 35 Jahre alt und seit über 15 Jahren Mittelalterfan, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Selbst die Frage, wie authentisch das "Darunter" ist, beantwortet er fachmännisch. "Ende des 11. Jahrhunderts änderte sich der Modetrend. Entweder man trug den altmodischen Lendenschurz und Beinlinge oder bereits wollene Unterhosen."

Der Lendenschurz wird - verständlicher Weise - nicht live demonstriert. Aber Christian zeigt bereitwillig seine langen Unterhosen, während sein 43-jähriger Freund Ingo Fronhöfer unter dem mittelalterlichen Gewand besagte Beinlinge trägt. "Das hält warm. Nur die dünnen Lederschuhe sind im Schneematsch leider viel zu schnell nass."

Immer mehr Besucher kommen ins Herrenhaus, wo die beiden Männer ihr Lager aufgeschlagen haben. Die Einladung zum Erlebnis "Überleben im Winter vor 1000 Jahren" hat unzählige Gäste am Sonntag in den Geschichtspark gelockt. Christian und Ingo sind bereits am Freitag aus ihren Heimatorten Oberndorf und Grünstadt an der Weinstraße angereist. Sie kommen gerne ins Stiftland, um in ihrer Freizeit ins Mittelalter abzutauchen.

"Der Park hier ist in seiner Art deutschlandweit der größte", freut das Christian, dass er in Bärnau der Leidenschaft authentisch frönen kann. Die Männer beteuern, dass alles an ihnen echt sei. Dazu gehört auch die Inneneinrichtung. Auf den Betten liegen muffige Felle und kratzige Decken, Filzstiefel hängen zum Trocknen an der Wand und über dem Feuer baumelt ein verrosteter Wasserkessel. "Von Freitag- auf Samstagnacht hatten wir 20 Grad Minus", erzählt Ingo und schmunzelt über die entsetzten Blicke der Besucher. Christian zeigt auf die Feuerstelle: Nein, sie haben nicht gefroren. Es sei schön kuschelig gewesen dank der Feuerstelle. Allerdings, erklärt Ingo, "müssen wir deshalb Kompromisse machen und den modernen Feuerlöscher in der Hütte akzeptieren. Das ist Vorschrift."

Geht es um den mittelalterlichen Speiseplan, geraten Christian und Ingo ins Schwärmen. Bei Haferbrei mit Apfel zum Frühstück verziehen einige Gäste noch die Nasen. Gestaunt wird aber über Zwiebelfleisch, Spießbraten, gegrillter Forelle und als Nachtisch Pflaumenmus. Aber woher kommt das üppige Tischlein-deck-dich? Ingo und Christian bleiben ehrlich. Um wirklich authentisch zu bleiben, müssten sie im Bärnauer Wald auf die Jagd gehen, was gar nicht geht.

Eingekauft wird also ganz normal im Supermarkt. Und Handys? "Naja, die haben wir ausgeschaltet", lachen beide. Ohne moderne Technik kommt auch die junge Darstellerin nicht aus, die in der Langhütte mittels "Nadelbinden" warme Handschuhe fertigt. Sie hat die Anleitung zu dieser mittelalterlichen Handarbeit in Youtube entdeckt und sich dann selbst beigebracht.

Die kleinen Kompromisse und Schummeleien werden den Darstellern selbstverständlich nicht übel genommen. Schließlich ist es mutig genug, bei 20 Grad Minus in einer windigen Hütte zu übernachten. Die Besucher bekommen an diesem sonnigen Sonntag einen hochinteressanten Gesamteindruck über das winterliche Leben im Mittelalter.

Knochen als Schlittschuh


Wer zum Beispiel nicht wusste, woher das "Eisbein" seinen Namen hat, staunt nicht schlecht über eine 1000 Jahre alte Herkunft: "Ein Eisbein ist ein Schweinsknochen, der aufgrund seiner Form damals zum Schlittschuh umgearbeitet wurde und deshalb heute noch so heißt", erklärt der Gästeführer. Wer jetzt immer noch nicht genug hatte, konnte weitere interessante Erkenntnisse über die Vorfahren entweder im Museum, beim Fachsimpeln zu einer Tasse Glühwein oder beim Bauen eines mittelalterlichen Schneemanns erlernen.
3 Kommentare
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Torsten Mann aus Bärnau | 26.01.2016 | 21:09  
Redaktion Onetz aus Weiden in der Oberpfalz | 27.01.2016 | 12:12  
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Torsten Mann aus Bärnau | 27.01.2016 | 16:34  
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