"Man in Black" rockt Klostergarten

Fast ausverkauft war das Johnny-Cash-Tribute-Konzert im ehemaligen Klostergarten in Bärnau. Die Band lieferte dabei mehr als nur solide Arbeit ab und begeisterte die Fans, die teilweise weit angereist waren, um dabei zu sein. Bereut hat das sicher niemand. Bild: Grüner
Kultur
Bärnau
10.07.2016
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Eigentlich ist sie unverwechselbar, die Stimme des legendären Country-Sängers Johnny Cash. Doch die Fans waren mit der Cover-Version auf der Freilichtbühne hochzufrieden. Und auch "June Carter" überzeugte.

"A Tribute to Johnny Cash" hieß es am Samstagabend auf der nahezu ausverkauften Freilichtbühne im ehemaligen Klostergarten. Nach den Erfolgen, die das Moderne Theater Tirschenreuth in den Jahren 2012 und 2013 mit der Bühnenfassung der Biografie des "Man in Black" gefeiert hatte, entstand die Idee, mit Mitgliedern der Originalbesetzung und den Liedern des legendären US-Sängers auf Tournee zu gehen.

Mit Andreas Bauer an den Drums, den Zwillingen Lennart (Bass) und Frederik Frank (Akustik-Gitarre), Julian Mühlmeier als Johnny Cash, Michelle Völkl als June Carter und Dr. Michael Rüth (E-Gitarre) hat sich in den vergangenen Jahren eine Band etabliert, die den Originalen alle Ehre macht.

Gitarristentausch


Als Opener hatten die Musiker "Cry Cry Cry" und "Hey Porter" ausgewählt, die beiden Songs, mit denen Johnny Cash und die "Tennessee Two" Mitte der 1950er Jahre musikalisch bei Sun Records durchstarteten. Zwei E-Gitarren-Soli ließen dabei aufhorchen. Aber die spielte nicht Dr. Michael Rüth, sondern Matthias "Matze" Wolf. Wie es zum Gitarristentausch kam, erklärte Johnny Cash alias Julian Mühlmeier dem Publikum.

Rüth sah in dieser Nacht Vaterfreuden entgegen und war bei Konzertbeginn bereits zu seiner Frau ins Krankenhaus unterwegs. Schon am Nachmittag sei das abzusehen gewesen und so machte sich Wolf mit dem Gedanken vertraut: "Heute Abend stehe ich vielleicht auf der Bühne." Zum Üben hatte er keine Zeit. Nur während des Soundchecks überlegte er sich ein paar Riffs und wie er die Aufgabe meistern könnte. Das gelang ihm mit Bravour. Auf der Bühne agierte er nicht wie ein Stellvertreter, sondern wie ein vollwertiges Bandmitglied. Er bearbeitete die sechs Saiten seiner Fender mit Elan. Julian Mühlmeier scherzte einmal, "der Matze glaubt, er wird nach der Anzahl seiner Soli bezahlt". Apropos Geburt - auch die Frank-Zwillinge hatten Grund zum Feiern. Sie wurden am Samstag 23 Jahre alt.

"Folsom Prison Blues"


Die Band zelebrierte ein Konzert vom Feinsten mit mehr als 20 Songs des "Man in Black". Dabei glänzten die Protagonisten in ihren Rollen, dass man nicht wusste, wer da eigentlich gerade auf der Bühne steht, Julian Cash oder Johnny Mühlmeier und Michelle Carter oder June Völkl oder Michelle Völkl und Julian Mühlmeier? Beide waren stimmlich so nah an den Originalen, dass es sicher so manchem Fan eiskalt den Rücken hinunterlief, weil er glaubte, da standen leibhaftig seine Idole. Diese Einschätzung ist dem Applaus geschuldet, der während und nach jeder Nummer aufbrandete. Alle klatschten und sangen mit zu Songs wie "Folsom Prison Blues", "Jackson", "A Boy named Sue", "Walk the Line", "Hurt" oder "Ring of Fire". Die Musiker lieferten dabei viel mehr als nur solide Arbeit ab und garnierten ihre Parts durchaus individuell.

Völkl und Mühlmeier nutzten die kurzen Pausen zwischen den Songs und erzählten aus dem Leben einer in vielerlei Hinsicht faszinierenden Persönlichkeit - zwischen Erfolg und Verzweiflung, zwischen Chaos und innerem Frieden. Johnny Cash war ein amerikanischer Superstar. Mit seiner tiefen Stimme und seiner Musik, einer eigenwilligen Mischung aus Country-, Gospel- und Blues-Elementen, gelang es ihm mühelos, beinahe jeden in seinen Bann zu ziehen.

Fünf Zugaben


Ein Leben mit vielen Höhen, aber auch Tiefen, und eine große Liebe zwischen ihm und June Carter kennzeichneten den "Man in Black". Fünf Zugaben rangen die Zuschauer der Band ab und gegen Ende des Konzerts hielt es niemand mehr auf seinem Sitzplatz. Über 100 Minuten schaukelten sich Band und Zuschauer gegenseitig hoch und feierten den Künstler auf eine Art und Weise, wie er sie zu seinen besten Zeiten wohl oft selbst erlebt hat.

Festmeile im Innenhof


Bereits eineinhalb Stunden vor und noch lange nach dem Konzert waren beziehungsweise blieben viele Fans da und machten den Innenhof zur Festmeile. Die Mitglieder des Veranstalters, des Festspielvereins "Wir im Bärnauer Land", hatten jede Menge Arbeit, die Gäste mit Speisen und Getränken zu versorgen. Das nächste Konzert auf der Freilichtbühne findet am 30. Juli statt. Da verabschiedet sich das "Endow County Ukulele Orchestra" offiziell von seinen Fans. Neben Alexander Franz stehen da auch wieder die Frank-Zwillinge, Matthias Wolf und Julian Mühlmeier auf den Brettern, die die Welt bedeuten.
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