Michelle Völkl inszeniert in Bärnau
Entstaubt, geschraubt und nah am Film

Regisseurin Michelle Völkl (Mitte) ist voll zufrieden mit ihrer Bärnauer Mannschaft. Nur noch selten greift sie ins Bühnengeschehen ein. Ihre Schauspieler sind schon weit fortgeschritten und gehen in ihren Rollen auf. Im Bild Aschenbrödel alias Kathrin Wolf (links) und Anna Weiß als Dorchen.
Kultur
Bärnau
20.05.2016
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In solchen Situationen sagst du niemals Nein, obwohl du weißt, es ist Wahnsinn.
 
Während Roman Kraus (links) als Prinz gemütlich auf zwei Stühlen ruht, beißt sich Franz Langner als Lehrer durch seinen Text. Den beherrscht er zwar perfekt, aber dass er einzelne Passagen im Takt vortragen muss, macht ihm noch einigermaßen zu schaffen.

Frühsommer ist Theaterzeit in Bärnau. Keine schwere Kost - ein Kinderstück sollte es sein. "Aschenbrödel" der Wunsch des Kultur- und Festspielvereins "Wir im Bärnauer Land". Eine neue Regisseurin bringt das Stück auf die Freilichtbühne im Klostergarten. Ersten Proben nach zu urteilen - bravourös.

Sie heißt Michelle Völkl, ist 27 Jahre alt, lebt in Regensburg, ist staatlich geprüfte Schauspielerin und Ergotherapeutin. Geboren ist sie in Neustadt/WN, aufgewachsen in Vohenstrauß. Wie viele andere Kinder dort, landete sie irgendwie bei der Stadtbühne und spielte schon mit sieben Jahren Theater. An ihre erste Rolle erinnert sie sich noch genau. Da mimte sie einen Chinesen in "Jim Knopf". Einmal Theaterluft geschnuppert, zog sie die Schauspielerei in ihren Bann. "Ich habe auch immer gerne getanzt und gesungen." In Leuchtenberg spielte sie im Musical "Fame". Die Rolle verlangte einen Schlagzeug-Part, also ließ sie sich die geforderte Sequenz von einem Profi beibringen.

Schnell war ihr klar, dass die Schauspielerei ihr Ding ist, stellte sie aber vorerst hinten an, zugunsten einer Ausbildung zur Ergotherapeutin in Bad Elster. 2008 absolvierte sie die Abschlussprüfung. Regensburg war schon immer die Stadt, wo sie leben wollte. Tatsächlich fand sie in ihrem Beruf eine Anstellung im Bezirksklinikum, in der Neurologischen-Reha. Beruf und Theaterspielen zusammen wurden irgendwie zu viel. Sie hörte mit dem Theater auf.

Konnte nicht Nein sagen


Es dauerte nicht lange, da kam der Anruf des ehemaligen Intendanten des Landestheaters Oberpfalz (LTO), Matthias Winter. Der suchte eine Julia für "Romeo und Julia" für die 2009er Saison auf der Burg Leuchtenberg. "Da konnte ich doch nicht Nein sagen. Irgendwann durfte ich einmal bei der Regensburger Schauspielschule hineinschnuppern. Ich dachte nur ohhhhhh und war hin und weg."

Da war es endgültig um sie geschehen. Sie sprach an den Schauspielschulen in München und Regensburg vor. Von beiden kamen Zusagen - das war 2010. Natürlich blieb sie in Regensburg. Vier Jahre dauerte die Ausbildung und endete 2014 mit dem Titel "Staatlich geprüfte Schauspielerin".

Michelle ist bodenständig und pragmatisch. "Es gibt Schauspieler wie Sand am Meer in meinem Alter und in meiner Optik. Da mache ich mir keine Illusionen. Aber ich habe ja noch meinen anderen Beruf, der ebenfalls sehr wichtig für mich ist." Aktuell arbeitet sie drei Tage die Woche als Ergotherapeutin, der Rest an Zeit gehört der Schauspielerei. Die Isolde in "Tristan und Isolde" war ihre bisher größte Rolle. "Ich spiele auch ganz viel im Dehnberger Hoftheater bei Lauf und mache seit Februar hier in Bärnau jeweils freitags und samstags die Regie für Aschenbrödel."

Kontakt über "Cash"


Den Kontakt zu Bärnau fand Michelle über die "Cash Connection". Zur Erinnerung: 2012 und 2013 inszenierte Daniel Grünauer, der jetzige Leitende Schauspieldramaturg und Regisseur am Theater Ulm, das Stück über Johnny Cash mit dem Modernen Theater Tirschenreuth. 2013 war Simone Zettl als junge June Carter ausgefallen - drei Wochen vor der Premiere. "Daniel, den ich schon ewig von Leuchtenberg her kenne, rief an und sagte ich brauche eine June. In solchen Situationen sagst du niemals Nein, obwohl du weißt, es ist Wahnsinn. Schon damals hatten wir angedacht als Johnny Cash Cover Band durch die Lande zu ziehen." Irgendwann war es soweit und Julian Mühlmeier (Johnny Cash), Michelle Völkl (June Carter) sowie die Musiker Andreas Bauer (Schlagzeug), Frederik (Akustik-Gitarre) und Lennart Frank (Bass) sowie Michael Rüth (E-Gitarre) formierten sich auf Anregung von Daniel Grünauer zur Band.

"Wir haben bereits in Vohenstrauß, am Schafferhof und am Ulmer Theater gespielt. Heuer spielen wir nochmal am Schafferhof und eben am 9. Juni um 20 Uhr ,A Tribute to Johnny Cash' hier auf der Bühne in Bärnau." Zur Regie für Aschenbrödel kam Völkl indirekt auch über Daniel Grünauer. Er hätte eigentlich die Aufgabe übernehmen sollen, konnte aber aus zeitlichen Gründen nicht. "Er hat mich vorgeschlagen und ich verstand mich mit der Truppe hier auf Anhieb." Über ihre Schauspieler und Techniker ist Michelle voll des Lobes. "Ich bildete mir zum Beispiel einen großen alten Ofen für das Bühnenbild ein. In einem Haus, das abgerissen wird, stand einer. Ich dachte, oh Gott, wie kriegen wir das riesenschwere Teil, auf die Bühne. Aber in Bärnau ist das alles überhaupt kein Problem. Alles, was ich mir in den Kopf setze, bekomme ich. Da heißt es nur ,des machma scho.' Bisher hat das immer funktioniert. Das verdanke ich meiner Regieassistentin Hanna Konrad. Was ich ihr sage, wird umgesetzt. Mich fasziniert auch das überdachte Auditorium."


Entstaubte Fassung


An der Fassung des Autors Uli Jäckle, hat Michelle nur " leicht geschraubt" und noch ein paar Rollen für Kinder reingeschrieben. "Das Buch ist nah am Film, schön entstaubt und mit kleinen Witzchen garniert."

In solchen Situationen sagst du niemals Nein, obwohl du weißt, es ist Wahnsinn.Michelle Völkl

Aschenbrödel auf der Freilichtbühne


Beim Theatersommer widmet sich der Verein "Wir im Bärnauer Land" ganz dem jungen Publikum. In "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" nach dem gleichnamigen tschechisch-deutschen Märchenfilm sind vor allem Kinder angesprochen. Aschenbrödel darf seit dem Tod des Vaters unter der strengen Hand der bösartigen Stiefmutter nur noch die Öfen kehren. Und auch neben der Stiefschwester, dem Dorchen, findet sie keinen wirklichen Platz in der vermeintlichen Familie. Dann lädt der Königliche Hof zum Ball. Der Prinz soll vermählt werden. Dorchen probiert für diesen Anlass Kleider über Kleider. Keines will so richtig passen. Aschenbrödel bleibt nur der Traum von diesem Abend, denn sie muss Erbsen von Linsen aus einem großen Trog trennen. "Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen..."

Termine und AkteurePremiere, Samstag, 11. Juni, 20 Uhr. Weitere Aufführungen: Sonntag, 12. Juni, 15 Uhr, Freitag, 24. Juni, 20 Uhr und Samstag, 25. Juni, 20 Uhr. Tickets bei der Stadtverwaltung, im Geschichtspark und im Internet.

Akteure: Aschenbrödel: Kathrin Wolf, Gutsherrin: Gabi Härtl, Dorchen: Anna Weiß, Prinz: Roman Kraus, König: Hermann Fischer, Königin: Maria Freundl, Lehrer: Franz Langner, Vincek: Rainer Schmidkonz, Tauben: Jasmin Knott, Lisa Hutzler, Mägde: Renate Bartonitschek, Sophia Konrad (Prinzessin), Jana Götz (Eule), Elsbeth Reichl, Koch: Christoph Reichl, Bäume: Lena Gleißner, Luisa Freundl, Magdalena Zintl, Emilia Sowa. Regieassistenz: Hanna und Petra Konrad, Maske: Nicole Zwerenz, Licht: Eberhard Pattora, Bühne: Eduard Weiß, Lothar Wameser, Albert Konrad, Günter Daubmeier.
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