Theatersommer in Bärnau
Viel Geflatter um Aschenbrödel

"Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen" - die witzigen gefiederten Hülsenfrucht-Experten (Lisa Hutzler, links, und Jasmin Knott) helfen dem verzweifelten Aschenbrödel. Bild: Tobias Schwarzmeier
Kultur
Bärnau
12.06.2016
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Tauben sortieren Erbsen und Linsen, Kleider entfalten sich aus Nüssen, und natürlich passt der verlorene Schuh nur der einen. Diese Filmszenen haben sich über Jahre ins Bewusstsein eingebrannt. Auch bei vielen im Publikum, die von der Bärnauer Version von "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" daher etwas überrascht worden sein dürften.

Vorab bemerkt - der deutsch-tschechische Kultfilm von 1973 ist schier übermächtig. Vergleiche neuerer Adaptionen damit - besonders fürs Theater - verbieten sich zwangsläufig. Können doch die Stimmung, die Karel Svobodas genial-opulenter Soundtrack erzeugt, oder Szenerien wie die Ausritte in der Winterlandschaft nicht reproduziert werden.

Michelle Völkls Inszenierung für den Theatersommer des Kultur- und Festspielvereins geht daher andere Wege. Indem sie sich auf Uli Jäckles zeitgemäße Bühnenfassung stützt, erschafft die Regensburgerin auf der Freilichtbühne im Klostergarten eine durch und durch humorvolle Cinderella-Story, ohne dabei den romantischen Grundton zu verlieren.

Mit Witz und Romantik


Viel Wortwitz, Benny-Hill-Slapstick und bewusst komische Spezial-Effekte - wie ein "einschwebendes" Kleid oder ein "abgeschossener" Tannenzapfen, der vom Tribünendach fällt - bringen die Zuschauer jeden Alters zum Lachen. Die liebevoll gemachte Bearbeitung ist dennoch bewusst auf ein junges Publikum zugeschnitten.

Mit der kompakten Spieldauer von einer Stunde fehlt die Zeit, die Liebesgeschichte zwischen den überzeugenden Protagonisten Kathrin Wolf (als Aschenbrödel) und Roman Kraus (als Prinz) langsam zu entwickeln. Aber die kennt ja - wie gesagt - ohnehin fast jeder.

Das Bärnauer Aschenbrödel setzt hier zur Gänze auf das Kopfkino. Während die berühmte Märchenromanze fast nebenbei abläuft - Treffen im Wald, Ball im Schloss, verlorener Schuh, Happy End - rückt der Fokus immer wieder auf eigenwillige Nebenfiguren wie die quirligen, gefiederten Freunde Aschenbrödels.
Denn in Bärnau gurren die Tauben nicht nur. Eine verpeilte Brieftaube und ihr etwas ängstlicher Kompagnon (ein Brüller: Jasmin Knott und Lisa Hutzler), greifen auf ihre herrlich chaotische Art Aschenputtel unter die Arme und platzieren sogar den Schuh auffällig für den Prinzen.

Ein spielfreudiges Ensemble mit sympathisch gestalteten Figuren wie dem liebeskranken Lehrer des Prinzen (stark: Franz Langner) oder dem König (Hermann Fischer), in dessen Anwesenheit verdächtig oft das Wort Staatsstreich fällt, vervollständigen das gelungene Gesamtbild.

Musik als Richtschnur


In Schlüsselszenen klingen punktuell Svobodas Kompositionen an - gespielt von der vielköpfigen Stadtkapelle - und richten den Blick auf die Handlung. Die Verbindung ist wieder hergestellt. Ein Theaterspaß - nah am Film und doch völlig anderes.

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Weitere Vorstellungen am Freitag, 24. Juni, und Samstag, 25. Juni, jeweils um 20 Uhr. Tickets bei der Tourist-Info der Stadt Bärnau, Telefon: 09635/3 45 00 28
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