"Aus der Erde gerissene Blumen"

Die neuen Asylbewerber, die kürzlich in Bärnau eintrafen, zusammen mit den "alten" Asylsuchenden. Mit im Bild (hinten) Inge Weidinger, eine Ansprechpartnerin und Betreuerin vor Ort. Bild: bir
Lokales
Bärnau
08.05.2015
17
0

Tausende von Kilometern liegen zwischen der von Krieg gebeutelten Heimat und der Knopfstadt Bärnau. Auch wenn Ali und die anderen Asylbewerber jetzt in Sicherheit sind, geschafft haben sie es lange noch nicht.

Im Dezember letzten Jahres kamen die ersten neun Asylbewerber aus Syrien und dem Irak, geflohen aus ihrem Land aus politischen und überwiegend auch aus religiösen Gründen. Alle hatten eine abenteuerliche und gefährliche Flucht hinter sich. Drei der ersten Asylbewerber haben inzwischen einen Aufenthaltstitel - dürfen für zunächst drei Jahre in Deutschland bleiben. Ein anderer Asylbewerber, der aus Marokko nach Bärnau kam, musste nach einem negativen Bescheid in sein Heimatland zurückkehren, wo ihn nun ein Leben auf der Straße erwartet.

Kürzlich trafen nun sechs weitere Asylbewerber in Bärnau ein. Begrüßt wurden sei Asylbewerber von Angelika Würner (AWO), die auch für die Asylbetreuung im Landkreis zuständig ist. Ansprechpartner für die kleinen und großen Sorgen der Asylbewerber vor Ort sind die ehrenamtlichen Betreuer des Roten Kreuzes, die beiden Ehepaare Inge und Wolfgang Kellner und Inge und Wilfried Weidinger.

Bei den Neuankömmlingen handelt es sich bei den meisten um Jesiden, einer sehr alten Glaubensrichtung, die gleichermaßen von Moslems (Sunniten wie Schiiten) aber auch von Kurden, wie von Türken, früher ebenso von Christen verfolgt wurden. Sie stammen aus dem Kriegsgebiet im Nordirak an der Grenze zur Türkei. Die Auseinandersetzung zwischen "IS-Kämpfern" auf der einen Seite und der Kurdischen Peschmerga sowie Milizen auf der anderen Seite ist auch heute noch nicht beendet. Macht man sich kundig um Lehre und Alltag dieser Glaubensrichtung, kann man schnell verstehen, warum das Leben dieser Menschen anderen Religionen ein Dorn im Auge ist.

"Wir sind wie aus der Erde gerissene Blumen" - dieses Zitat aus einem Bericht in "Der Welt" über das Los der Kriegsflüchtlinge geht unter die Haut. Nach ihrer Ankunft trafen sich die "neuen" Asylbewerber auf Initiative ihrer Betreuer im Gruppenraum des OWV Bärnau, den Ingrid Leser gerne zur Verfügung stellte, mit den "alten" Asylanten, die sich bereits seit Dezember in Bärnau befinden, bei Kaffee und Kuchen. Hier konnten sie im Gespräch mit ihren gleichsprachigen Schicksalsgenossen wenigstens einen kleinen Teil ihrer Sorgen loswerden. Denn davon haben sie mehr als genug.

Die neuen Asylbewerber wollen so schnell wie möglich Deutsch lernen, aber sie haben noch keinen Anspruch auf einen Kurs. Schnell erklärte sich Mohammed, der seit Dezember in Bärnau ist und schon einigermaßen Deutsch spricht, bereit, die ersten Stunden zu halten. Schön wäre es, wenn sich jemand finden würde, der in den Räumen der Asylbewerber Unterricht geben könnte - eine Schultafel und Kreide sind vorhanden. Für bisher geleistete Unterstützung und Hilfe möchten sich die Betreuer bei der Schulleitung, bei der Leitung des Kindergartens und beim Hausherrn für sein offenes Ohr bedanken.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.