Bärnauer begegnen demografischem Wandel mit Tatkraft
Essen auf Rädern als Seelennahrung

Der Konnersreuther Seniorenbeauftragte Konrad Härtl (links) und Hugo Schiml (rechts) ließen sich von Maria Gleißner, Lotte Wegener, Heide Fichtner, Michaela Heldwein-Keim und Josef Zant die Nachbarschaftshilfe erläutern. Schiml unterstützte das selbstlose Engagement der Bärnauer mit einer 400-Euro-Spende. Bilder: hfz
Lokales
Bärnau
27.10.2015
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Wer in Bärnau "ins Alter kommt", muss sich keine Sorgen machen, wie er die plötzlich beschwerlich gewordenen Alltagsaufgaben allein bewältigt. Vor drei Jahren haben sich 28 Frauen und Männer zusammengetan, um dort einzugreifen, wo der demografische Wandel seine Spuren hinterlässt.

Wäsche waschen, den Arztbesuch begleiten, Amtshilfe leisten, aus der Zeitung vorlesen, die verlegte Brille suchen, einfach nur Zuhören oder warmes Mittagessen bringen: Das sind nur einige Beispiele, was die Nachbarschaftshilfe für die alleinstehenden Senioren am Ort tut. Dabei geht es nicht um Pflege. Die lockere Hilfsgemeinschaft möchte den Älteren ein langes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen. "Jeder bringt dabei das mit ein, was er gerne macht oder besonders gut kann", erklärt Maria Gleißner, die das Projekt koordiniert. Wer viel Zeit habe, könne zum Beispiel Arztbesuche begleiten. "Oder wir übernehmen Amtshilfe. Es geht halt nicht, eine 90-Jährige zum Beantragen von Heizkosten in eine Behörde zu schicken. Sie ist dort doch völlig hilflos und überfordert." Wie bitter nötig Hilfe sein kann, zeigt folgende Geschichte: Eine Seniorin öffnete nicht, als ihr Mittagessen gebracht wurde. Nach mehrfachem Klopfen und Rufen wurde alles, was Beine hat, alarmiert. Tatsächlich war die Frau hingefallen und wäre ohne die Rettungsaktion wohl noch stundenlang hilflos auf dem Fußboden gelegen.

Was gut ankommt, macht Schule. Inzwischen interessiert man sich auch in Konnersreuth für die Nachbarschaftshilfe. Konrad Härtl, der dortige Seniorenbeauftragte, und Hugo Schiml ließen sich vor Ort berichten, wie das funktioniert. Ganz besonders stellte Maria Gleißner die Mittagessenbetreuung heraus. "Viele unserer Schützlinge sind allein. Oft haben sie keine Kraft oder Lust mehr, selbst etwas Anständiges für sich zu kochen. Dann ist es natürlich immer eine große Freude, wenn es klingelt und jemand mit einem warmen Essen vor der Tür steht."

Um auch den Bedürfnissen der Seele, dem Wunsch nach Ansprache und Aussprache nachzukommen, nehmen sich die Betreuer etwas Zeit bei diesen Mahlzeiten. Sie helfen manches Mal den Tisch decken, bleiben auf ein nettes Gespräch, hören sich die Wehwehchen an und erzählen Neuigkeiten. Um die Geselligkeit zu fördern, werden die Senioren dann auch so manchen Sonntag zum Kaffee in die Familien eingeladen. Bei schönem Wetter geht das natürlich wunderbar im Freien am Marktplatz. "Wir haben auch schon einen Bus gemietet und diejenigen aus Bärnau, die jetzt in Heimen leben, geholt", erzählt Maria Gleißner und fügt schmunzelnd an: "Damit jeder Gelegenheit bekam, einmal wieder seinen geliebten Marktplatz zu umrunden, haben wir kurzerhand die Rollatoren auf einen Anhänger gepackt."

Ärgernisse bleiben - wie überall, wo Menschen für Menschen da sind - nicht ganz aus. Not am Mann ist auch, wenn ein älterer Mensch zum Beispiel aus Unwissenheit in eine finanzielle Falle tappt. Maria Gleißner erzählt von der Seniorin, die sich eine neue Brille hat anpassen lassen und hinterher entsetzt feststellte, dass sie dafür über 400 Euro, ihre gesamte Monatsrente, ausgegeben hat. Ein Mitglied der Nachbarschaftshilfe nahm Brille und Rechnung, fuhr zum Optiker und handelte einen günstigeren Preis inklusive Ratenzahlung aus. Der Optiker zeigte Verständnis. Was sonst hätte er bei solch einem selbstlosen Einsatz für die arme Seniorin tun sollen?
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