Bedrängten Schutz gewähren

Pfarrerin Lisa Weniger gewährt einem Ehepaar Kirchenasyl. Bild: mdk
Lokales
Bärnau
01.09.2015
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Tausende von Menschen aus aller Welt suchen in diesen Tagen Zuflucht. Nicht nur in sicheren Staaten, auch bei der Kirche. Ein Beispiel ist ganz in der Nähe.

Einen umfassenden Einblick in die Möglichkeiten des Kirchenasyls gab Pfarrerin Lisa Weniger bei einer Veranstaltung in der "Windschnurrn". In ihrem aufschlussreichen Referat ging sie sowohl auf aktuelle Herausforderungen, wie auch auf den biblischen Hintergrund zur Flüchtlingsfrage ein. Eingeladen hatte der Andra-Danu-Verlag anlässlich seiner jährlich stattfindenden Reihe "Bibel im Spiegel der Zeit".

Lisa Weniger, Pfarrerin in Floß, beherbergt derzeit ein Ehepaar im Kirchenasyl, das vor der drohenden Abschiebung in das Pfarrhaus geflüchtet war. Zu ihrem eigenen Schutz ist es den Flüchtlingen nicht erlaubt, das Kirchengelände zu verlassen. Dank der großen Hilfsbereitschaft vonseiten der Kirchengemeinde lässt sich die Wartezeit bis zur nächst möglichen Antragstellung überbrücken. Derzeit befänden sich über 100 Menschen bayernweit im Kirchenasyl, davon kämen ca. 80 Prozent aus Syrien. Sie könnten nun aber durch die Aufhebung des Dublin-Verfahrens ihre Kirchenasyle verlassen.

Im Rückblick auf die Glaubens- und Kirchengeschichte erinnerte Lisa Weniger daran, dass heilige Orte schon im Altertum Bedrängten Schutz und Unantastbarkeit gewährten. Im Christentum war es das Konzil von Orange im Jahre 441, das Kirchenasyl als gültiges Recht der Kirche festlegte. Im Laufe der Säkularisation wurde den Kirchen diese Befugnis mit der Begründung entzogen, es sei Aufgabe des Staates, sich um Flüchtlinge zu kümmern

Den Kirchengemeinden wurde aber ein Recht auf Gewissensentscheidung zugesprochen. Dies nützte 1983 die Gemeinde der Heiligkreuzkirche in Berlin erstmals wieder in Deutschland. Sie gewährte Palästinensern Schutz im Kirchenasyl. Diesem Beispiel folgten bis heute zahlreiche Gemeinden, um Flüchtlinge vor der Abschiebung zu bewahren, obwohl sie damit zivilen Ungehorsam leisteten.

Im zweiten Teil des Referats ging Weniger konkret auf die biblische Geschichte ein. Sie schilderte die Bibel als Glaubenszeugnis von und für Flüchtlinge und Migranten. Zahlreiche Fluchtgeschichten prägen die Bibel. Sie erwähnte die Auswanderung Abrahams, den 40-jährigen Exodus der Israeliten unter der Führung Mose, nannte die Brüder Josefs "erste Wirtschaftsflüchtlinge" und leitete über zum Neuen Testament, das mit der Flucht des neugeborenen Jesus nach Ägypten beginnt und ihn später als Wanderprediger beschreibt. Bis hin zu den Aktivitäten von Paulus, der erste interkulturelle Gemeinden ins Leben rief.

Dialog der Kulturen

Über die Herausforderungen und Chancen einer gelingenden Flüchtlingsarbeit, und des notwendigen Dialoges zwischen den Kulturen und Religionen wurde im Anschluss an das Referat kontrovers diskutiert. Die gut besuchte Veranstaltung verlief dennoch in harmonischem Gedankenaustausch, zumal sich unter den Gästen eine ganze Reihe aktiv engagierte Flüchtlingshelfer befanden und aus dem alltäglichen Umgang mit den zahlreich gestrandeten Heimatlosen berichteten.
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