Dem Tag eine Struktur geben

Die Referenten zusammen mit einigen Asylbewerbern. Mit dabei Maria Staufer von der Caritas (Dritte von links), die ehrenamtliche Asylhelferin Inge Kellner sowie Angelika Würner von der (Dritte von rechts). Bild: bir
Lokales
Bärnau
04.11.2015
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Lernen ist nicht nur für die Flüchtlinge eine wichtige Aufgabe. Auch die Menschen im Stiftland müssen lernen, vorurteilsfrei mit den neuen Mitbewohnern umzugehen.

Beim Informationsabend der Katholischen Erwachsenenbildung im Pfarrheim sollten deshalb Vertreter verschiedener Einrichtungen über das Thema "Flüchtlinge - Asyl - Ehrenamt" berichten. KEB-Bildungsreferent Hans Stelzl wusste, "die Fremdheit und das Anderssein dieser Menschen, die zu uns kommen, macht viele unsicher. Wie sollen wir Ihnen begegnen?" Deshalb freute sich Stelzl über den guten Besuch und hoffte, dass dieser Abend dazu beitragen würde, Missverständnisse, aber auch bestehende Ängste unter den Bürgern zu beseitigen.

Viele Helfer

Die rechtliche Situation erläuterte eingangs Maria Staufer vom Kreisverband der Caritas, wo sie unter anderem zuständig für die Asylsozialberatung ist. Als im Juli die ersten Flüchtlinge ankamen war dies auch Neuland für die Caritas. "Wir sind alle noch am lernen", betonte Staufer. Nicht zu bewältigen wären die Aufgaben ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer vor Ort, die den Asylbewerbern vielfältige Hilfestellungen im alltägliche Leben geben. Insgesamt befinden sich etwa 700 bis 800 Flüchtlinge im Landkreis. Die Caritas sei vor allem zuständig für die Flüchtlinge, die im laufenden Verfahren stehen. Flüchtlinge, die die Grenze überwunden haben, können in jeder Behörde, auch bei der Polizei, einen Asylantrag stellen. Sie werden zunächst in eine Erstaufnahmeeinrichtung geschickt und dann auf die Bundesländer verteilt.

Eine Aufenthaltsgestattung erlaubt es den Flüchtlingen in Deutschland zu bleiben, bis über den Asylantrag entschieden ist. Ohne Aufenthaltsgestattung erhalten die Flüchtlinge nur Sachleistungen, danach Geldleistungen. Versichert, so Staufer, seien die Flüchtlinge über das Sozialamt. Wird Asyl bewilligt, gibt es eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Angelika Würner vom AWO-Kreisverband erinnerte an die Betreuung der ersten Kontingentflüchtlinge aus Syrien vor eineinhalb Jahren. Die aktuelle Situation sei eine völlig andere. "Ich habe sie noch nie so viel Elend gesehen", schilderte Würner die Ankunft der Flüchtlinge in diesem Sommer. Wochenlang waren diese Flüchtlinge unterwegs, waren verschmutzt und müde. Die ersten 14 Tage seien auch für die AWO Tage des Lernens gewesen. Vor allem mussten Vorurteile ausgeräumt werden. Es kursierten die wildesten Gerüchte, etwa dass die Flüchtlinge teure Mobiltelefon hätten und die Karten für den Betrieb geschenkt bekommen.

Welle der Hilfsbereitschaft

Einen Einblick in die Situation in Bärnau gab Inge Kellner als ehrenamtliche Asylhelferin. "Die Uneinigkeit in der Politik macht uns Angst", so Kellner. Vor allem die Bilder der Flüchtlinge, die bei uns Zuflucht suchen, gehe unter die Haut. Hinter diesen Bildern steckten Einzelschicksale, Menschen die unsere Hilfe bräuchten. Seit Dezember vergangenen Jahres werden den Flüchtlingen bei Einkäufen, Behördengängen und vielen Dingen mehr geholfen. "Den Flüchtlingen schlug seit ihrer Ankunft in Bärnau eine Welle der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung entgegen, verbunden mit vielen Sach- und Kleiderspenden." Jedoch seien bewusst Desinformationen gestreut worden, um eine negative Stimmung zu erzeugen, wusste Inge Kellner.

Nachdem die Flüchtlinge die ersten drei Monate überhaupt nicht arbeiten dürfen, kam natürlich auch eine gewisse Langeweile auf. "Wir versuchten, dem Tag Struktur zu geben." So hätte sie zum Beispiel Deutsch mit ihnen gelernt. Auch über die Volkshochschule wurde dann ein Deutschkurs angeboten. Mittlerweile seien auch schöne Freundschaften mit den Bärnauern entstanden.

Von den aktuell 29 Asylbewerber in Bärnau verfügen acht über einen Flüchtlingsstatus.
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