Den Tagen mehr Leben geben

Mit einem Präsent bedankten sich der Seniorenbeirat, Seniorenbeauftragter, die Nachbarschaftshilfe und die Altenstube sowie 2. Bürgermeister Michael Schedl bei Dr. Susanne Kreutzer für ihren aufschlussreichen und interessanten Vortrag. Eine spontane Spendensammlung unter den vielen Zuhörern, erbrachte einen stolzen Betrag von 420 Euro, die von der Ärztin gerne angenommen wurde (von links): Ingrid Leser (Seniorenbeirat), Maria Gleißner (Nachbarschaftshilfe), Dr. Susanne Kreutzer, Engelbert Träger (stellv. Se
Lokales
Bärnau
16.11.2015
7
0

Die Angst lindern in den schweren Tagen der Krankheit ist eines der großen Anliegen der Palliativmedizin. Wenn Dr. Susanne Kreutzer über ihre Einrichtung in Neustadt spricht findet sie viele Zuhörer.

Ein großes Interesse herrscht an den Themen "Palliativmedizin und SAPV (Spezialisierte Ambulante Palliativ-Versorgung)". Zum Vortrag am Mittwoch im Gasthof zur Post konnte die Vorsitzende des Seniorenbeirats, Ingrid Leser, stellvertretend für die Seniorenbeauftragten, die Nachbarschaftshilfe und die Altenstube, als Referentin Dr. Susanne Kreutzer, die Ärztliche Leiterin der Palliativstation in Neustadt, begrüßen.

Rund 70 Zuhörer

Was versteht man eigentlich unter Palliativmedizin? Was bedeutet SAPV? Mit diesen und anderen Fragen befasste sich Dr. Susanne Kreutzer vor mehr als 70 Zuhörern in der voll besetzten "Guten Stube" des Gasthofs. Und viele Zuhörer nahmen die Gelegenheit wahr und beteiligten sich rege an dieser Veranstaltung mit Fragen an die Palliativärztin. Bereits seit 1983, so informierte die Medizinerin, gebe es die Palliativmedizin in Deutschland. Die erste Palliativstation eröffnete damals die Uniklinik Köln. Mittlerweile sei ihre Zahl, einschließlich Hospiz-Dienste, auf über 300 geklettert. Doch nicht nur rechnerisch legte die Palliativmedizin in Deutschland zu. Sondern auch in den Köpfen: "Sie wird selbstverständlicher und bei der Patientenbetreuung immer öfter mitbedacht." Der Begriff "Palliativ" leite sich vom lateinischen Wort "pallium" ab. Wörtlich übersetzt bedeute dies "Mantel" und symbolisiere das Beschützen, Umhüllen, sich sorgen und das Lindern von Beschwerden.

Die Angst lindern

In der Palliativmedizin, so Dr. Kreutzer, werde keine Diagnostik (Untersuchungen) betrieben sondern Symptomkontrolle, also schwerkranken Menschen starke Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Appetitlosigkeit, seelische Not, innere Unruhe und Angst zu lindern bzw. zu nehmen. "Wir können die Krankheit nicht heilen, wir konzentrieren uns auf das, was der Patient braucht".

Alle Maßnahmen seien darauf ausgerichtet, die Patienten in enger Absprache mit den Angehörigen und Hausärzten ohne Beschwerden wieder nach Hause zu entlassen. Im Bedarfsfall würden Pflege- und Hospizdienste unterstützend hinzugezogen. In der Palliativmedizin gehe es darum, unheilbar Kranken unnötiges Leid zu ersparen und ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Durch umfassende medizinische und pflegerische Betreuung, durch seelsorgerische Begleitung und soziale Beratung verbessere man die Lebensqualität der Patienten. Dazu gehöre auch Atem-, Physio-, Kunst- und Musiktherapie mit einer Musiktherapeutin. Um den Schwerkranken den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, stehen Zimmer mit außergewöhnlich guter Ausstattung, ein Raucherraum, ein großes Bad, Wohnzimmer, wo sich zum Beispiel die Angehörigen mit den Patienten aufhalten können, und eine Familienküche zur Verfügung. Auch Übernachtungen von Angehörigen auf der Station wären möglich. Einen hohen Stellenwert habe auch die Betreuung und Unterstützung der Angehörigen und Vertrauten.

In häuslicher Atmosphäre

Auch das Thema SAPV erklärte Dr. Susanne Kreutzer den interessierten Zuhörern. Seit 1. April 2007 haben Patienten einen gesetzlichen Anspruch darauf, zu Hause versorgt zu werden. Dazu diene die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV). Das Ziel sei, die Lebensqualität und die Selbstbestimmung von Palliativpatienten so weit wie möglich zu erhalten, zu fördern und zu verbessern und ihnen ein menschenwürdiges Leben bis zum Tod in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung und bei ihren Angehörigen zu ermöglichen.

Ärzte fehlen

Dazu brauche man den Einsatz eines spezialisierten Palliativteams (Palliative Care Team). Seit 2008 versuche man, die Palliativpflege in die Häuser zu bringen. Kreutzer: "Leider fehlen bei uns im ländlichen Raum die dazu notwendigen Ärzte." Zurzeit stelle die Palliativstation Neustadt ein sogenanntes Brückenteam. Dieses fahre nach "draußen" und berät Patienten, Pflegekräfte und Hausärzte in Bezug auf die Behandlung und Betreuung der Patienten.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.