Ein Diebstahl, der keiner war

Das ehemalige Abfertigungsgebäude am Grenzübergang Bärnau wird noch in diesem Jahr zurückgebaut. Die Ausschreibungen zu den Abrissarbeiten laufen. Bild: bz
Lokales
Bärnau
23.10.2014
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Es ist nicht der große Kriminalfall, nach dem es zunächst ausgesehen hat. Zwar ist das ehemalige Abfertigungsgebäude am Grenzübergang Bärnau weitgehend ausgeweidet. Aber das passierte wohl legal. Denn bis zum Jahresende soll das Haus komplett abgerissen sein.

"Dem Steuerzahler ist kein Schaden entstanden", schätzt Elisabeth Bücherl-Beer die Lage ein. Die Abteilungsleiterin am Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach bestätigt, dass ihre Behörde inzwischen den Rückbau der nicht mehr benötigten Gebäude am Grenzübergang in die Hand genommen hat.

Vor dem eigentlichen Abriss konnten sich bereits Interessierte nach Rücksprache verwertbares Material holen: "Wir müssten die Sachen ja auch nur entsorgen." Das Ganze geschieht in Abstimmung mit der Bundesanstalt für Immobilienverwaltung, der Eigentümerin des seit 2008 leerstehenden Gebäudes.

Dabei sah die Sache am Wochenende noch wie ein besonders dreister Fall von Diebstahl aus. Denn die Polizei meldete ein buchstäblich ausgeräumtes Grenzabfertigungsgebäude: Wasserhähne, Waschbecken, Fenstergriffe, Türschlösser, Zargen, Türblätter, Kupferleitungen und Rohre - sogar der Briefkasten fehlte. Und vor dem Haus waren die Lichtmasten aus Stahl abgeflext. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, völlig legal.

Alarm geschlagen hat offenbar ein Hausmeister, der sich im Auftrag der Immobilienverwaltung sporadisch auch um das Bundeseigentum am Steinberg kümmerte. Wegen der monatelangen Sperrung des Grenzübergangs - in Bärnau wird seit Juli intensiv an der Ortsumgehung gebaut - bemerkte der Mann die vermeintlichen Diebstähle erst jetzt. Erst seit wenigen Tagen ist die Straße zwischen der Steinbergkirche zum Grenzübergang und weiter Richtung Tachov wieder für den Verkehr freigegeben.

Stutzig gemacht haben dürfte den Diebstahl-Melder auch ein eingedrücktes Kellerfenster. Dass sich der eine oder andere Interessent an Kupferrohren und Kabeln durchaus illegal Zugang verschafft hat, schließt Elisabeth Bücherl-Beer nicht aus. Aber Schaden sei eigentlich keiner entstanden. "Die Bundesanstalt hat das Gebäude schon seit Jahren als eine Art Ersatzteillager genutzt", weiß die Bauoberrätin. Die Abgrenzung, was schon seit langem fehlt und was vielleicht erst vor wenigen Tagen entwendet wurde, ist entsprechend schwierig.

Wie geht es weiter mit dem traurigen Rest der Grenzabfertigung auf deutscher Seite? Denn nur wenige Jahre, bis zum Wegfall der Grenzkontrollen am 1. Januar 2008, erfüllte der 1,1 Millionen Euro teure Neubau seinen Sinn. Alle Versuche einer sinnvollen Nachfolgenutzung scheiterten. Ideen wie eine Eiserne-Vorhang-Gedenkstätte, ein Café oder ein Infozentrum Oberpfälzer Wald scheiterten. Insbesondere darf das Gebäude in traumhafter Lage keinem Wohnzweck dienen - es liegt im Außenbereich und außerdem in der Naturpark-Schutzzone.

Nun bereitet das Staatliche Bauamt die Ausschreibung zum Abriss der Grenzabfertigung vor. "Das wird alles komplett zurückgebaut", beschreibt Bücherl-Beer. Und: "Das muss heuer noch passieren." Dann kann der Grundstückseigentümer, Günther Fuchs aus Bärnau, wieder über das unbebaute Areal verfügen. Bis aus dem Gelände dann wieder eine grüne Wiese wird, kann es freilich noch etwas dauern. Aber auch zur Renaturierung ist die Bundesanstalt für Immobilienverwaltung vertraglich verpflichtet.
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