Ein ganzes Jahr am Ende der Welt

Rüdiger und Diana Fritsch mit Schäferhündin Sally vor der atemberaubenden Skyline von Valparaiso.
Lokales
Bärnau
07.11.2014
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"Drei Kolibris, die offensichtlich meinen roten Helm mit einer großen Blüte verwechselt haben - uns trennte nur die Seitenscheibe der Beifahrertür." Nur eines von zahlreichen Erlebnissen von Rüdiger Fritsch. Ein Jahr war er mit Frau und Hund in Südamerika unterwegs.

Rüdiger und Diana Fritsch sind ein Lehrer-Ehepaar. Rüdiger ist 54. Der gebürtige Eschenbacher unterrichtet Wirtschaft an der Berufsschule in Weiden. Diana Fritsch ist 50 und angestammte Bärnauerin. Sie gibt Wirtschaft und Technik an der Tirschenreuther Mittelschule. Im Nachhinein sind sich die Stiftländer Globetrotter einig: "Diese Reise war die schönste, die wir je erlebt haben. Ein langgehegter Wunsch der vom 1. August 2011 bis 1. August 2012 in Erfüllung ging.

Mit ihrem Toyota Landcruiser legten sie rund 52 000 Kilometer als Rundkurs entlang der südamerikanischen West- und Ostküste zurück. Touren zu Fuß durch den Dschungel, Einkaufen und Sightseeing in größeren Städten und Dörfern standen ebenfalls auf der Tourenliste.

Wie das denn überhaupt geht? Lehrer haben zwar viel Ferien - aber ein Jahr am Stück? Mit dem sogenannten Sabbatjahr hat der Staat für seine Beamten und Angestellten die Möglichkeit geschaffen, eine einjährige Auszeit vom Beruf zu beantragen. Danach entscheiden die Vorgesetzten, ob sie ihren Mitarbeiter 365 unbezahlte Tage entbehren können.

Das hat bei Diana und Rüdiger Fritsch geklappt. Kennengelernt haben sich die beiden Reisebegeisterten beim Studium. Das war vor 25 Jahren. Seither zog es sie immer wieder in ferne Länder. Keine Pauschalurlaube waren das, sondern solche der Marke individuelles Abenteuer.

Rüdiger und Diana Fritsch waren ein Jahr lang mit ihrem Hund und einer Kamera in Südamerika unterwegs. Bilder von Rüdiger Fritsch.



Zehn Jahre bevor sie ihre bisher größte Tour antraten, "übten" sie in der Sahara. Immer mit dabei ist ein tierischer Begleiter. Seit sieben Jahren ist das die Schäferhündin Sally. "Die spanische Sprache beherrschen und ein expeditionstaugliches Fahrzeug haben", antwortet Rüdiger Fritsch auf die Frage, was die wichtigsten Dinge für die Expedition waren. Spanisch hat das Ehepaar intensiv in der Volkshochschule gepaukt.

Den Toyota Landcruiser hat es bei einem Würzburger Spezialhändler gekauft, der die Fahrzeuge genau für solche Unternehmungen modifiziert. So wurde daraus ein äußerst robustes "Wohnmobil", das jedes noch so schwierige Gelände meistert. Das Hubdach lässt sich ausfahren und schon ist das Schlafzimmer fertig. Gasheizung, zwei 50 Liter Wassertanks und eine Filteranlage für Wasser sind obligatorisch an Board. Das Fahrzeug selbst ist eher ein Lastwagen. Mit seinem 4-Liter Dieselmotor ist er ein ebenso starkes wie zuverlässiges Transportmittel.

Die 52 000 Kilometer, die Rüdiger und Diana Fritsch mit dem Gefährt zurücklegten, meisterte das Fahrzeug problemlos. "Darin ist keine Elektronik verbaut. Das ist wichtig, weil es im Notfall jeder Dorfschmied reparieren können muss. Und den Schmied gibt es in Südamerika tatsächlich in jedem noch so kleinen Ort", erklärt Rüdiger Fritsch.

Karten und GPS

Orientiert haben sich die Globetrotter unterwegs mittels Karten und offroadfähigem GPS-Gerät. "Wirklich verfahren haben wir uns nie", sagen sie stolz. Start war in Chile. Von dort ging es weiter nach Bolivien, Argentinien, dann wieder Chile, Peru, Ecuador, nochmal Peru und schließlich wieder Chile.

Der Flug dorthin ging von München via Madrid nach Santiago de Chile und dauerte 16 Stunden. Der Geländewagen wurde bereits vier Wochen vorher per Schiffscontainer ins Zielgebiet nach Valparaiso gebracht. Das klappte problemlos, weil Rüdiger Fritsch im Vorfeld perfekt recherchiert hatte. Im Internet, fand er eine Deutsche, die in Chile lebt und sich am Containerhafen um den ganzen Papierkram kümmerte. Was sonst bis zu vier Tagen hätte dauern können, war in wenigen Stunden erledigt. Vor allem für Sally brauchten die Abenteuerer immer wieder Papiere. "Wir haben damit einen Ordner gefüllt."

Die Tour führte durch die Atacamawüste, die Anden und durch dichten Dschungel. Höhen bis über 5000 Meter waren dabei keine Seltenheit. In Bolivien und Peru war das Ehepaar rund vier Wochen lang auf einer Höhe von über 3000 Metern unterwegs. An einem Tag bewältigten Diana und Rüdiger einmal 700 Straßen-Kilometer in Chile. An anderen Tagen schafften sie im schwierigen Hochland nur 30 Kilometer.

Bei seiner Expedition schoss das Ehepaar rund 25.000 Fotos. 8000 sind in etwa übriggeblieben. 500 davon zeigen sie am 27. November im Landratsamt Tirschenreuth.

"Wir haben uns dem Rhythmus der Sonne angepasst, lebten während dieser Zeit wie viele Einheimische. Der Reisetag beginnt bei Sonnenaufgang und wenn der Feuerball untergeht, begibt man sich zur Nachtruhe." Natürlich haben die beiden Freunde und Familien vermisst. Aber durch moderne Technik war Kommunikation kein Problem. Mit Reisebeginn hatten sie auch eine Internetseite eröffnet, die sie turnusmäßig mit neuen Berichten und Bildern auffüllten. Der erste Eintrag lautete: "Wir sind jetzt unterwegs." Fast täglich befüllten sie die Seite, quasi wie ein elektronisches Tagebuch. In Zeiten von Internet und Skype bereitete die Kommunikation selbst am Ende der Welt kaum Probleme.

"Auch in der einsamsten Gegend trifft man Gleichgesinnte." Margit und Andy, zwei Neuseeländer waren ähnlich unterwegs. Die Chemie passte, und so reiste man zweieinhalb Monate gemeinsam, bis sich die Wege wieder trennten.

"Das Schönste im Land ist eindeutig die Gastfreundschaft der Einheimischen. Ein Beispiel: Als wir einmal in der Pampa übernachten wollten, kam ein Ehepaar des Weges und lud uns ein, in seinem Haus zu übernachten. Bei der Gelegenheit bewirteten sie uns gleich noch mit einem opulenten Mahl."

Dieses Abenteuer war sicher nicht das letzte. "Es gibt noch jede Menge Flecken auf der Landkarte, die wir noch nicht kennen. Asien, die Mongolei, Australien, Nordamerika und Kanada sind Ziele, die wir uns vorstellen können", schwärmen sie schon wieder.
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