Goldene Straße auch Jakobsweg

Noch hat die kleine Kirche im Geschichtspark Bärnau kein Patronat. Das könnte sich vielleicht bald ändern. 2016 wird eine Jakobus-Wallfahrtsgruppe aus Richtung Pilsen erwartet. Dr. Dorith Müller (Mitte) und Inge Schermer waren bei der Vorbereitung in der Knopftstadt, wo sie auch Rainer Christoph vom Förderverein "Goldene Straße" trafen. Bild: cr
Lokales
Bärnau
02.09.2015
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Ein Jakobsweg entlang der Goldenen Straße von Prag über Bärnau nach Nürnberg in Richtung Santiago: Eingefleischte Jakobspilger werden erstaunt sein. Nicht so Dr. Dorith Müller.

Die Biologin in der Nähe des Starnberger Sees befasst sich seit vielen Jahren mit dem Thema und legte bereits Hunderte von Kilometern auf der Route zurück. Mit dabei Inge Schermer aus der Nähe von Rosenheim.

Im Mai ging eine erste größere Gruppe von Prag bis Pilsen. Deren Verlauf musste vorher mit Unterstützung von vielen Seiten und vor Ort erforscht werden. Am Wochenende fuhr Dr. Müller mit der ehemaligen Gymnasiallehrerin Inge Schermer, ebenfalls mit sudetendeutschen Wurzeln nach Bärnau, um die nächste Etappe vorzubereiten. Zu dieser Gegend hat die Initiatorin einen Bezug: Ihre Mutter stammt aus Galtenhof (Branka).

Für beide Wallfahrerinnen ist es nach Forschungsergebnissen gesichert, dass Pilger stets den Weg von Altstraßen nahmen. Stefan Wolters, Chefarchäologe im Geschichtspark Bärnau, widersprach ihr in der Diskussion nicht. Alte Wege versprachen Sicherheit durch Geleitschluss und den Anschluss an Gruppen. Genau das trifft für die Goldene Straße, dem alten Königs- und Handelsweg Karl IV. zu. Nachdem die kleine Kirche im Park noch kein Patronat hat, wäre ein Jakobs-Patrozinium gar nicht so abwegig. "Aus der Bretagne habe ich sogar eine richtige Jakobsmuschel daheim, die bringe ich mit", freute sich Wolters.

Der Grundgedanke von Dr. Müller: "Den Jakobsweg, historisch, spirituell und Begegnungen suchend zu begehen." In der Tschechischen Republik ist er noch wenig bekannt. Damit die böhmischen Dörfer keine "Böhmischen Dörfer" bleiben, startete im April die erste Etappe von Prag bis Pilsen in der kleinen Klosterkommende der Benediktinerinnen am Weißen Berg. Die Organisation erfolgte in Kooperation mit dem Katholischen Kreisbildungswerk Bad Tölz-Wolfratshausen und der Katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis Cham sowie in Zusammenarbeit mit der Brücke-Most-Stiftung Prag und der Mitarbeit des Fördervereins Goldene Straße Altenstadt/WN.

Der Weg führt durch landschaftlich abwechslungsreiche Regionen: Nadel- und Mischwälder wechseln ab mit Feldern und Wiesen, die sich in die hügelige Landschaft schmiegen. Einzelne Mosaiksteine der böhmischen Geschichte, die sowohl Höhen als auch Tiefen kennt, wurden unterwegs beleuchtet. Und der Raum für Natur und Stille sowie spirituelle Impulse kam nicht zu kurz.

Jetzt steht die weitere Route der Wallfahrt so gut wie fest. Von Pilsen geht es in Richtung des Stausees Hracholusky. Verkehrstraßen werden vermieden. Zwei Übernachtungen stehen bis Stribro an. Dann geht es nach Kladruby, dort ist eine Andacht in der kleinen Pfarrkirche St. Jakob des Älteren geplant - und natürlich auch der Besuch des barock-gotischen Klosters. Ab Kladrau gibt es ein gewaltiges Problem. Trotz intensiver Bemühungen gibt es keinen Fußweg in Richtung Tachov. Die Begehung über das Tal der Mies bis Svojcin erwies sich als zu gefährlich: steile Anstiege, Felsen und ein Stück Teerstraße.

Von Svojsin mit dem restaurierten Schloss - bis 1945 im Besitz der Familie von Podewils - führt kein Weg weiter nach Westen. So wird nichts anderes übrig bleiben, als mit einem Bus von Kladruby auf der Landstraße rund zwölf Kilometer in Richtung Marienbad zu fahren. In Janov ist Halt, hier führt ein schöner ausgeschilderter Weg nach Tachov. Der weitere Weg bis Bärnau ist gesichert. Nach einer Übernachtung geht es dann auf dem OWV-Wanderweg mit dem böhmischen Löwen bis Neustadt/Waldnaab. Hier wird es den Abschluss geben, über die vorhandene Bahnverbindung werden die Teilnehmer in ihre Heimatorte zurückkehren.

Diese Jakobswallfahrt vom 8. bis 14. Mai 2016 ist auch beim Kulturzentrum in Schönsee als offizieller Beitrag zum 700. Geburtstag Karl IV. angemeldet. Ein passender Beitrag für den frommen und gottesfürchtigen Kaiser, der als großer Reliquiensammler in die Geschichte einging. Weitere Infos, Auskunft und Anmeldeformulare: Dorith Müller, E-mail: dorith.mueller@web.de, oder schriftliche Anmeldung bis 31. Januar 2016 an: Katholisches Kreisbildungswerk Bad Tölz-Wolfratshausen, Salzstraße 1, 83646 Bad Tölz, Telefon 08041/6090, E-mail info@kbw-toelz.de
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