Holzfigur des Heiligen Gunther an den Geschichtspark übergeben
Auf Umwegen nach Bärnau

Rainer Christoph (rechts) überreichte die Figur des Heiligen Gunther an Stefan Wolters. Bild: cr
Lokales
Bärnau
19.10.2015
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Mit einer fast einen Meter großen, aus einem Baumstamm geschnitzten Figur des Heiligen Gunther überraschte Rainer Christoph, Vorsitzender des Fördervereins Goldene Straße, den wissenschaftlichen Leiter des Geschichtsparks Bärnau, Stefan Wolters.

Die Figur kam auf Umwegen nach Bärnau. Bei einem Besuch im Sommer dieses Jahres erhielt Christoph die Figur von der ehemaligen Tirschenreutherin Gertraud Grassold, die am Starnberger See lebt. Bei ihr schlummerte die Figur des Heiligen seit ein paar Jahrzehnten im Keller. Sie war das Geschenk eines Bekannten, der vor über 30 Jahren in die USA auswanderte. "Was tun wir damit?", fragten sich beide und so entstand die Idee, sie dem Geschichtspark zu übergeben. Bei einem der nächsten Projekte soll 2016 eine kleine Kapelle im Stil des 14. Jahrhunderts entstehen. Hier, so versicherte Stefan Wolters, werde die Figur einen würdigen Platz erhalten.

Große Entbehrungen

Das Kirchenlexikon berichtet: "Gunther von Thüringen (Tschechisch: Vintír; Neudeutsch: Günther oder auch Gunther von Niederalteich). Der Gedenktag ist der 9. Oktober. Gunther war ein Einsiedler zwischen dem Bayerischen Wald und dem Böhmerwald. Er starb am 9. Oktober 1045 in Gutwasser, heute Dobra Voda bei Hartmanice in Tschechien. Aus einem thüringischen Grafengeschlecht stammend war er der Vetter von Kaiser Heinrich II. und Schwager von König Stephan I. von Ungarn. Als Ritter führte er ein weltliches Leben, bis er an Weihnachten 1005 seine Güter an die Klöster in Hersfeld und dessen Tochterkloster Göllingen in Thüringen verschenkte. Nach einer Wallfahrt nach Rom trat er 1005 ins Benediktinerkloster Hersfeld ein und galt als begnadeter Prediger. 1008 ließ Gunther sich zusammen mit einigen Gefährten an einsamer Stelle bei Rinchnach im Bayerischen Wald als Einsiedler nieder, sammelte ab 1011 Mönche und Weltpriester, die sich für die Benediktinerregel entschieden und lebte 30 Jahre unter großen Entbehrungen.

Gunther kultivierte das Gebiet um den Rachelberg, rodete Wald, baute Saumwege zur Erschließung des Böhmerwaldes und eine Kirche. Immer wieder trat Gunther als Bußprediger auf. 1034 und 1040 trat er in Kämpfen zwischen dem deutschen Kaiser und dem Herzog von Böhmen als Vermittler auf. 1040 - nach dem Anschluss des Klosters Rinchnach ans Kloster Niederaltaich - zog Gunther sich tiefer in den Böhmerwald zurück, und zwar nach Gutwasser - dem heutigen Dobra Voda - wo er mit 90 Jahren hoch betagt starb.

Herzog Bretislav von Böhmen überführte Gunthers Gebeine in die Benediktiner-Abtei Brevnov - heute ein Stadtteil von Prag. Das Grab wurde aber 1420 von den Hussiten zerstört. Die Heiligsprechung Gunthers betrieb im 13. Jahrhundert der böhmische Premysliden-König Otakar II.. Von Niederaltaich über Zwiesel, Dobra Voda und Prybram nach Prag führt heute als ausgewiesener Wanderweg, der "Gunther Steig".

Wallfahrt wiederbelebt

In der von Gunther geweihten Kirche in Gutwasser kamen regelmäßig Tausende Pilger von beiden Seiten der Grenze zusammen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die deutschsprachigen Bewohner vertrieben, seit 1950 war das Gebiet um Dobra Voda als Grenzzone gesperrt, das Kirchengebäude diente als Munitionslager, der Innenraum wurde zerstört. Nach der Wende wurde die Kirche renoviert, 1995 wurde die Tradition der Wallfahrten wieder aufgenommen.

Diese finden jeweils im Juni und Oktober statt. Dabei kommen die tschechischen Teilnehmer aus der weiteren Umgebung, die Deutschen gehen traditionell zu Fuß von Rinchnach aus auf dem Goldenen Steig, einem alten Salzweg nach Prag, den der Überlieferung zufolge Gunther Anfang des 11. Jahrhunderts erschließen ließ und den er zu seiner Zeit selbst beschritt. Nach drei Tagen Wanderung erwartet sie in Dobra Voda eine Messe in deutscher und tschechischer Sprache.
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