In der Wissenschaft angekommen

Rund 50 Archäologen, Wissenschaftler und Behördenleiter aus dem In- und Ausland tagen im Geschichtspark Bärnau. Dabei wurden die Vorbildfunktion des Freilichtmuseums und sein hoher wissenschaftlicher Anspruch besonders hervorgehoben. Bild: awo
Lokales
Bärnau
27.06.2015
1
0

Der Mensch ist ein Sinneswesen. Was er riecht, schmeckt und hört, bleibt eher im Gedächtnis verankert als angelesenes Wissen. Und diesen Erfahrungsschatz gibt es im Bärnauer Freilichtmuseum.

Der Geschichtspark wertet es als Auszeichnung: Zur 25. Tagung der archäologischen Arbeitsgemeinschaft Ostbayern/West- und Südböhmen/Oberösterreich zum Thema "Gebaute Vergangenheit - archäologische Rekonstruktionen zwischen Wissenschaft und Event" waren etwa 50 Archäologen, Wissenschaftler und Behördenleiter in die Knopfstadt gereist. Im Ergebnis ist der Geschichtspark Bärnau-Tachov damit mit beiden Beinen in der Wissenschaft angekommen, schließlich wird der Tagungsband ein Standardwerk für die Universitäten.

Unter den Teilnehmern waren auch der Niederländer Roeland Paardekooper, Mitbegründer und derzeitiger Direktor der EXARC, einer internationalen Vereinigung internationaler Freilichtmuseen und Experimentalarchäologen, Professor Dr. C. Sebastian Sommer vom Landesamtes für Denkmalpflege in Bayern, Mag. Heinz Gruber vom Landeskonservatorat Oberösterreich aus Linz, Dr. Ludwig Husty von der Gesellschaft für Archäologie in Bayern und Dr. Miloslav Chytrácek vom archäologischen Institut Prag.

Wie Dr. Silvia Codreanu-Windauer vom Landesamt für Denkmalpflege ausführte, wolle die Fachtagung, ein Netzwerk unterschiedlicher Institutionen und Länder für Forschungsfragen zu archäologischen Rekonstruktionen schaffen. Durch die hohen wissenschaftlichen Standards und den transnationalen Forschungsaustausch sollen archäologische Parks in ihrem Verständnis als Museum und Forschungsinstitution gestärkt werden. Diese Angebote seien aus der aktuellen und zukünftigen Vermittlungslandschaft nicht wegzudenken. Hohe Besucherzahlen und der Trend zur Erlebnisorientierung der Gesellschaft sprächen für sich.

Den Geschichtspark in Bärnau sah sie aufgrund der wissenschaftlichen Standards, der Sorgfalt in der Ausführung und dem Konzept in der Belebung als ein Vorzeigeprojekt. In einer immer medialer werdenden Welt sei es in der zukünftigen Museumslandschaft immer wichtiger, den Menschen als Wesen mit allen Sinnen mitzunehmen. Diese Art eines belebten Museums spreche große Bevölkerungsschichten an. Die Vermittlung des Raumgefühls wie anno dazumal, Gerüche und Geräusche könnten weder durch Erklärung und durch Fachwissen, noch durch Vorstellungskraft ersetzt werden.

Landrat Wolfgang Lippert empfing die Archäologen in der Gaststätte "Brot & Zeit" und stellte die großartige Gemeinschaftsleistung des Vereins "Via Carolina" heraus, der in den vergangenen Jahren den Geschichtspark mit enormen Einsatz und ehrenamtlichen Engagement aufgebaut habe. Man sei stolz, diese Einrichtung im Landkreis zu haben. Der Geschichtspark sei zum einen Bildungseinrichtung für Schulen, zum anderen ein wichtiges touristisches Projekt mit Alleinstellungsmerkmal. Lippert stellte auch die Brückenfunktion des Geschichtsparks hervor, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit sei beispielgebend. Die namhaften Tagung in Bärnau sah Lippert als Auszeichnung.

Professor Dr. C. Sebastian Sommer appellierte an die Verantwortlichen, dem wissenschaftlichen Leiter Stefan Wolters, mehr Luft, mehr Freiraum zu geben. Denn seine Erkenntnisse, Problemlösungen und Erfahrungen seien enorm wichtig für die Wissenschaft. Deshalb müsse er die Erkenntnisse in der experimentellen Archäologie zu Papier bringen, sie dienten als wissenschaftliche Grundlage für viele andere Einrichtungen.

Der stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft für Archäologie in Bayern, Dr. Ludwig Husty, sah es als Aufgabe der Gesellschaft, gerade Tagungen dieser Art zu unterstützen. Im Nachgang werde ein eigener Band erscheinen, der den wissenschaftlichen Einrichtungen als Standardwerk zur Verfügung gestellt werde. Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl wertete die Tagung als wichtigen Baustein für die zukünftige archäologische Museumslandschaft. Erfreut zeigte sich Appl über die internationale Beteiligung, weshalb der Bezirk gerne zur Unterstützung beigetragen habe.

Der Vorsitzende des Trägervereins "Via Carolina", Alfred Wolf, fühlte sich bestätigt, konsequent den Geschichtspark als Bildungs- und Wissenschaftseinrichtung aufgebaut zu haben. Wolf stellte vor allem die Leistung des gesamten Teams heraus, das mit Stefan Wolters als wissenschaftlichen Leiter eine Wahnsinnsleistung erbracht habe.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.