Liebe macht aus Bayern-Fans Radfahrer

Verliebt unter dem Bauhelm, Frau Bergmann (Bettina Rößler) und Rudis Onkel, Christian Zeitler.
Lokales
Bärnau
06.07.2015
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Mit einem neuen Toni-Lauerer-Stück haben die Bärnauer Theatermacher voll ins Schwarze getroffen. Bei der Premiere am Wochenende kamen die Zuschauer nicht mehr aus dem Lachen heraus. Eine zweistündige "Oberpfälzer-Versteh-Komödie".

Bei seiner Begrüßung lobte Alfred Wolf seine Theatergruppe ganz besonders, weil sie diesmal ohne Hilfe von außerhalb ein Stück auf die Bühne gebracht haben. Sein Dank galt der Volksbank Nordoberpfalz, die diese Mühen mit 1500 Euro unterstützt hat.

Charaktere, wie sie in jedem Ort in der Oberpfalz zu finden sind, stehen im Mittelpunkt der Geschichte um den FC-Bayern-Fan Rudi, der mit 34 Jahren immer nu koa Wei moch. Eine Verwicklung jagt die andere und das honorierten die Zuschauer mit ganz viel Applaus. Toni Lauerer schaut den Leuten genauestens "aufs Maul". Bei der vierten Inszenierung eines seiner Stücke in Bärnau hat man stets das Gefühl, als spielten sich die Szenen und Dialoge eher bei den Mimen in deren Wohnzimmern zu Hause als auf einer Bühne ab. Die Schauspieler bestechen mit mächtig Wortwitz und Spielfreude. Den Titelhelden bringt Oswald Hamann perfekt auf den Punkt. Selten hat man ihn so selbstbewusst gesehen. Oft außer sich und nicht immer am Puls der Zeit, was die Geschehnisse um ihn herum betreffen, poltert er naiv oder überraschend schlau über die Bühnenbretter. Seine Eltern, Berta und Kare Zankl, äußerst glaubwürdig verkörpert von Maria Freundl und Franz Langner, sind bestrebt ihrem Filius, den sie liebevoll mit "Lale" titulieren, endlich unter die Haube zu bringen. Hauptsächlich Kare hat da spannende Ideen. Den Viehhändler (Hermann Fischer) und den Pfarrer (Peter Frötschl) spannt er vor seinen "Hochzeitskarren" und fragt, ob sie nicht mit einer passenden Kandidatin aufwarten könnten.

Ein Lustspiel auf hohem Niveau ohne gekünstelte Sprache oder Schnickschnack: so präsentierte sich die Verwechslungs-Komödie "Unser Rudi mog koa Wei" von Toni Lauerer in Bärnau. Bilder: tr

Und schön zum Anschauen muss sie auch sein. Schließlich will der Kare für seine Bemühungen auch belohnt sein. Da kommt das Schreiben des Landratsamts gerade recht. Darin hat sich Regierungsrätin z.A. (zum Anschauen), Sabine Bergmann (Bettina Rößler) angekündigt. Sie will das Haus, dass Rudi gerade baut "anschauen", weil einiges vom Bebauungsplan abweicht.

Gardinen als Köder

Der Viehhändler wüsste eine Kandidatin aus Weiden, die ein Vorhanggeschäft betreibt. Man könnte sie ja unter dem Vorwand, Gardinen im neuen Haus anzumessen, nach Bärnau locken. Sogar Rudi fällt später auf: "Vorhänge ausmessen, wou niad amal da Estrich drin is?" Dem Pfarrer ist die Vorstellung suspekt, als Heiratsvermittler zu agieren. Als er ins Haus kommt, um für die neue Kirchenorgel zu sammeln, hat Vater Kare die Idee. Er gibt ihm 200 Euro und sagt, wenn er eine passende Kandidatin für seinen Rudi findet darf er nochmal mit 800 Euro rechnen.

Tags darauf überschlagen sich die Ereignisse. Als erste kommt Frau Bergmann vom Landratsamt. Von ihr und dem vorausgegangenen Brief weiß Rudi nichts. Er vermutet, dass sie eine Heiratskandidatin ist. Sein bester Freund Heinz (Siegmund Mages) hat die Idee. Fiade af, sa a richtiger Gloiffel, dann klappt's . Rudi empfängt die Regierungsrätin zum Anschauen entsprechend. Die ist entnervt, außer sich, schreit und weint hinter- und durcheinander. Eine Paraderolle für Bettina Rößler, die von einer auf die andere Sekunde in den jeweiligen Gemütszustand umschaltet. Rudis Onkel (Christian Zeitler) und Junggesellen-Vorbild nimmt sich der verzweifelten Beamtin an. Sie verlieben sich unsterblich.

"Aus da Wein"

Wenig später erscheint Valentina Pajaziti als Vorhangnäherin Gabi Weber "aus da Wein". Sie ereilt dasselbe Schicksal in Form eines unmöglichen Rudis, der abermals als wahres Ekel auftritt. Heinz entpuppt sich als ihr Retter. Er tröstet die völlig verstörte Näherin und auch aus ihnen wird ein Liebespaar. Rudi ist entsetzt. Beide Vorbilder plötzlich auf einer vollkommen anderen Linie, kaufen sich Fahrräder und uniformieren sich entsprechend, um mit ihren Freundinnen Radtouren zu machen anstatt zum Stammtisch "Zum Kalt'n" oder zum "Postwirt" zu kommen.

Nur zwei von mehreren Örtlichkeiten der Stadt, die die Schauspieler eingebaut haben. So auch die neue Umgehung. "Zwischen Bärnau Zentrum und Mitte hams die Henna plattgmacht", stellte Roman Kraus fest, der als Witzeerzähler seine Texte eher rappte als sprach. Eine unerwartete Variante, die dem Stück zusätzlich Frische verleiht.

Schallendes Gelächter als Petra Gleißner als Babette Dobler vom Frauenbund die Szene betritt. Dabei hatte sie noch kein Wort gesagt. Sie hatte den Pfarrer im Schlepptau - oder umgekehrt? Jedenfalls glaubten alle, sie wäre die Heiratskandidatin, die der Geistliche mitgebracht hat. Rudis Mutter explodierte und machte die vermeintliche Schwiegertochter in spe zur Schnecke. Die wollte aber eigentlich nur für ihre Tochter nachschauen, ob der Rudi ein geeigneter Schwiegersohn wäre.

Am anderen Ufer

Wieder keine Frau für Rudi. In der Zwischenzeit hatte sich der Bayern-Fanclubchef Toni Meiler aus Nabburg angesagt. Mit ihm wollte der enttäuschte Rudi seine Sorgen mit einem Kasten Bier ertränken.

Nach einigen Verwechslungen, die Mutter von Rudi hatte sogar vermutet, "jetzt ist er ans andere Ufer gewechselt", kam der Rudi doch noch glücklich unter die Haube, denn bei Toni handelte es sich um Antonia und der Funken sprang sofort über.
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