Sanieren oder schließen

Lokales
Bärnau
24.10.2015
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Schimmelpilze in der Raumluft und PCB im Holzschutzmittel der Decke - für das Hallenbad hat die Untersuchung wenig Erfreuliches zutage gebracht. Eine Öffnung ist so schnell nicht möglich.

Bei der Sondersitzung des Stadtrates am Donnerstag musste Baubiologe Reiner Bäumler mit schlechten Nachrichten aufwarten. Bei der Kontrolle von Raumluft sowie Oberflächen im Hallenbad haben sich Schimmelpilze und Sporen gefunden. Gerade die über 40 Jahre alte Lüftungstechnik zeigt deutliche Spuren der Belastung. Und die gute Optik der Holzdecke führte der Fachmann schlicht auf den Einsatz von Holzschutzmittel zurück, in dem Bestandteile, wie das seit 1989 verbotene PCB, enthalten seien. Gesundheitliche Gefahren konnte Bäumler nicht ausschließen. Messergebnisse plus Korrosionsschäden und hygienische Defizite ergaben für den Gutachter ein klares Fazit: Sanieren oder schließen. "Ein Weiterbetrieb ist nicht verantwortbar", fasste Bäumler zusammen. Auf Nachfrage von Hubert Häring (CFWG) bestätigte Bäumler, dass eine "Gefahr für Leib und Leben" nicht ausgeschlossen werden könnte. Der Fachmann hielt die Sanierung der Anlagentechnik sowie den Ausbau der Holzdecke im Bad für unverzichtbar. Auf eine weitere Nachfrage bestätigte Bäumler, dass er die Lüftungsanlage in der Schule nicht untersucht hätte. Die sei schon seit vielen Jahren gar nicht mehr in Betrieb, konnte Hausmeister Thomas Singer beruhigen.

Nur Filter gewechselt

Als weiterer Fachmann stellte Hygieneinspektor Stefan Kurz die heutigen Anforderungen an die Einrichtung vor. "Die Besucher erwarten, dass das Gebäude mängelfrei ist". Auch müssten die vorgeschriebenen Maßnahmen dokumentiert werden. Im Hallenbad seien lediglich alle Jahre Filter in der Lüftung ausgewechselt worden. Erst durch eine Hygieneinspektion, so Kurz, könnten die vorhandenen Defizite im Hallenbad festgestellt werden. Als einfachste Sanierungsvariante beschrieb der Bausachverständige eine Reinigung der Anlagentechnik, die üblicherweise rund 10 000 Euro kostet.

Alter Beschluss gilt

Für Bürgermeister Alfred Stier stellte das Ergebnis des Gutachten eine Rückkehr zu den Beschlüssen vom 17. September dar. Bei der damaligen Sitzung in der Schulaula war auch beschlossen worden, ein Personal- und Betriebskostenkonzept anzugehen. Eine Öffnung des Bades hielt Stier für unverantwortbar. Alfred Wolf (JWG) hielt es gar für grob fahrlässig, sollte man einfach so weitermachen. "Was in der Vergangenheit versäumt wurde, kann man nicht innerhalb einiger Wochen aufarbeiten", stellte sich Wolf darauf ein, dass das Bad in dieser Saison nicht mehr geöffnet werden kann. Für Rudolf Schmid (CFWG) blieb es dabei, dass zu wenig unternommen wird. Er vermisste konkrete erste Schritte und Maßnahmen. Roland Heldwein warnte vor "Schnellschüssen". Der CSU-Mann versicherte, alles zu tun, damit das Hallenbad weiter betrieben werden kann, doch müssten nun Möglichkeiten und Kosten genau ermittelt werden. "Wir fangen jetzt bei Null an!" Grundsätzlich dürfte eine Entscheidung auch nicht dazu führen, dass die Stadt handlungsfähig wird. Dazu hatte Stier schon einen Ausblick auf den nächsten Haushalt der Knopfstadt parat: 2016 müsste wohl mit rund 200 000 Euro mehr an Kreisumlage kalkuliert werden. "Wir müssen auf das Gutachten reagieren", stellte sich Johannes Dill (SPD) der Situation. Dabei vertraute der Sozialdemokrat auch auf die Fähigkeiten von Hubert Häring.

Häring hat das Sagen

Dem CFWG-Stadtrat hatte Alfred Stier schon vor zwei Wochen angeboten, dass er ihm sämtliche Befugnisse mit allen Rechten und Pflichten zum Thema Hallenbad übertragen würde. Nachdem Häring damals sei Einverständnis signalisiert hatte, wurde ihm am Donnerstag dieses "Amt" per einstimmigen Beschluss übertragen.

"Wir müssen Lösungen suchen", blickte Hubert Häring nach vorne. Und dazu gehöre es vor allem, die Sanierungskosten und -möglichkeiten zu ermitteln und dann einen Stufenplan zur Durchführung zu erstellen. Eine "Luxussanierung" sei dabei keinesfalls beabsichtigt. Die aktuelle Badesaison werde damit kaum realisierbar. "Es gibt keine Alternative zum März", erinnerte Stier an die Prognose, die er schon bei der Sondersitzung getroffen hatte.
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