Unfassbares Leid gesehen

Sieben Syrier und ein Iraker haben bei Ramona und Hans-Peter Sertl (hinten Mitte) Unterkunft bekommen. Die beiden kümmern sich viel um die Flüchtlinge, stehen ihnen mit Rat und Tat bei alltäglichen Problemen zur Seite. Ein Wunsch der Flüchtlinge ist es, eine Arbeit zu bekommen. Für den Iraker bietet sich eine Chance im Bauhof. Bild: bir
Lokales
Bärnau
04.07.2015
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Zerstörte Häuser und unfassbares Leid, das sind die Erinnerungen von 27 Syrern, wenn sie an Aleppo oder Damaskus denken. In Bärnau hoffen sie jetzt auf eine friedvolle Zukunft.

27 Asylbewerber warten derzeit in der Knopfstadt auf die Genehmigung ihrer Asylanträge. Die meisten stammen aus dem vom Bürgerkrieg heimgesuchten Syrien, aus der umkämpften Stadt Aleppo und aus Damaskus, sie haben unfassbares Leid gesehen und hinter sich. Ihre Häuser sind nur noch Ruinen, die Schulen zerstört, sogar vor der Zerstörung der Krankenhäuser schreckt der Islamische Staat nicht zurück.

Verbindung in Heimat

Obwohl über die unbeschreibliche Gewalt in Syrien tagtäglich in den Medien berichtet wird, gibt es auch kritische Stimmen in der Bärnauer Bevölkerung. "Nichts arbeiten und immerzu telefonieren", ist ein vorschnelles Urteil. Dabei haben die Asylbewerber ihre Handys aus Syrien mitgebracht. Und die Telefone sind oft die einzige Möglichkeit, die Verbindung zu Familienmitgliedern in der Heimat zu erhalten.

Auch wissen die beiden ehrenamtlichen Betreuer-Ehepaare Inge und Wolfgang Kellner sowie Inge und Wilfried Weidinger, dass die Asylbewerber nur allzu gerne arbeiten würden. Doch während der ersten drei Monate der Bearbeitung des Asylantrags durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Zirndorf darf grundsätzlich keine Arbeit aufgenommen werden. Ein spezieller Ausweis gestattet den Aufenthalt. Liegt nach drei Monaten noch kein Bescheid vor, wird von der Ausländerbehörde ein neuer Ausweis ausgestellt. Gültigkeit sechs Monate. Dann kann der Asylbewerber eine Arbeit innerhalb Bayerns aufnehmen, wobei die Unterkunft selbst finanziert werden muss.

Ein großes Problem ist natürlich die Sprache. Also steht zuallererst das Erlernen der deutschen Sprache auf der Tagesordnung. Bärnauer Bürger und auch die Volkshochschule helfen hier tatkräftig mit. Und vonseiten des Sozialministeriums wird ein Deutschkurs für Asylsuchende an der VHS gefördert. Für die Betreuer, die um den langwierigen Weg wissen, ist es ein umso schöneres Gefühl zu sehen, wenn es motivierte Asylbewerber "geschafft" haben und auf eigenen Beinen stehen, wie ein Ehepaar, das jetzt bereits seit zwei Monaten in Weiden wohnt.

Die Nerven verloren

Dabei sorgt das friedvolle Leben in der Kleinstadt nicht auf die Schnelle dafür, dass die Familien die nervenaufreibenden und dramatischen Tage ihrer Flucht aus Syrien vergessen können. Kommen zur angespannten Lage noch Missverständnisse, kann es auch unter den Asylbewerbern zur Überreaktion kommen. Der eine sorgt sich um seine Frau, der andere missdeutet das Gespräch mit seiner Tochter gar als Angriff. Schnell kommt es zu Reibereien. Am Ende klärt sich die Situation und beide Beteiligte bedauern ihre Reaktion. "Wir sind keine Raufbolde", beteuern die Männer. Aber beide hätten einfach die Nerven verloren. Um endgültig in der neuen Heimat den Frieden zu finden, müssen die Familien noch die schrecklichen Erinnerungen hinter sich lassen. Dabei können auch die Menschen in Bärnau mithelfen.
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