Vertreter des Geschichtsparks Bärnau bestaunen Burgbau wie im Mittelalter - Pfahlbauten und ...
Nur Helme und Gerüste aus der Neuzeit

Die Steinburg ist schon recht weit gediehen. Projektleiter Dr. Benjamin Zeitler und Archäologe Stefan Wolters (von links) gewannen viele Eindrücke und nahmen wertvolle Anregungen mit nach Hause. Bild: hfz
Lokales
Bärnau
07.10.2014
4
0
Der Geschichtspark Bärnau-Tachov arbeitet seit der Eröffnung 2011 intensiv an einer europaweiten Vernetzung als archäologisches Freilandmuseum. So ist man Mitglied der internationalen Vereinigung "Exarc", hat hervorragende Beziehungen zu Museen in Norddeutschland, Tschechien, Polen und den Niederlanden. Jetzt suchte das Projektteam den Kontakt zu Guédelon, dem größten archäologischen Rekonstruktionsprojekt in Europa.

Im französischen Burgund wird seit 1997 eine komplette Steinburg nachgebaut. Dort interessierte den Archäologen Stefan Wolters vor allem, wie die authentische Rekonstruktion aus dem 13. Jahrhundert umgesetzt wird. Wie der Geschichtspark Bärnau entsteht auch die Burg Guédelon nicht auf einem archäologischen Fundplatz. Vielmehr wählte man einen alten Steinbruch im Wald aus. Denn nicht nur der Bau, sondern auch die Materialbeschaffung sollte authentisch vonstatten gehen.

So findet man auf dem Areal Steinhauer in der Grube, Steinmetze, Maurer, Holzhacker, Zimmerleute, einen Schmied, Dachziegelbrenner und viele Handwerker mehr. Wie vor 800 Jahren waren auch hier natürlichen Ressourcen ausschlaggebend für den Erfolg des Projekts. Gebaut wird mit authentischem Werkzeug, doch bei Sicherheitsaspekten trifft man auch auf dieser Baustelle die Errungenschaften des 21. Jahrhunderts mit Helmen, Sicherheitsschuhen und Gerüsten. Dem beeindruckenden Ergebnis tut dies keinen Abbruch.

Das ehrgeizige Projekt blieb keine Vision, sondern gewann schnell nationale und internationale Aufmerksamkeit. Nach 16 Jahren Bauzeit ist nun schon ein beträchtlicher Teil der Burganlage zu sehen. Jährlich strömen 300 000 Menschen nach Guédelon, um das mittelalterliche Treiben zu bestaunen. Gerade diese logistische Herausforderung interessierte Projektleiter Dr. Benjamin Zeitler. Im Gespräch erfuhr er, dass mit dieser Besucherzahl anfangs nicht gerechnet wurde. So mussten auch die Versorgungsbereiche wie Restaurants, Museumskasse, Shop und Museumspädagogik beständig mitwachsen. Die vielen Besucher ermöglichen es den Betreibern, neben Hunderten Freiwilliger über 70 Festangestellte zu beschäftigen.

Auf dem Rückweg lernte das Geschichtspark-Team noch ein Weltkulturerbe am Bodensee kennen, das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen. Wie in Bärnau wird dort ein Freigelände mit einer Dauerausstellung verbunden, um die steinzeitlichen und bronzezeitlichen Pfahlbauten den Besuchern näherzubringen. Zum Abschluss der zweieinhalbtägigen Exkursion stand noch der Besuch des "Campus Galli" in Meßkirch auf dem Programm. Dort will man den Gallener Klosterplan innerhalb von 40 Jahren nachbauen. Insgesamt sammelten Stefan Wolter und Dr. Benjamin Zeitler wieder viele Eindrücke und gute Ideen für Bärnau. Der Archäologe ist davon überzeugt, dass sich der Geschichtspark im Hinblick auf Qualität, Konzept und wissenschaftliche Umsetzung mit den größten archäologischen Freilandmuseen in Europa messen kann. Einziger Unterschied bleibe, dass wegen der niedrigeren Besucherzahl und der fehlenden staatlichen Unterstützung das enorme Potenzial nur bedingt nutzbar sei.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.