Von Kugeln, Türmen und einer Schnapszahl

Renate Maier aus Störnstein stellt im Knopfmuseum "Tonträume" aus.
Lokales
Bärnau
12.08.2015
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"Tonträume" heißt die neue Sonderausstellung im Knopfmuseum. Aber weder, dass Renate Maier aus Störnstein dabei singt, noch dass sie diese Träume einem Instrument entlockt. Der Ton, mit dem sie hantiert, ist jene erdige Masse, aus der sich alles mögliche formen lässt.

Naja, Kunsthandwerk eben, nichts Neues, mögen jetzt viele denken. Aber weit gefehlt, denn was Renate Maier aus ihren roten, weißen und schwarzen Tonen zaubert, ist schon sehr außergewöhnlich. Freilich entstehen auch bei ihr Standards wie Windlichter, Kerzenständer oder kleine Zimmerbrunnen. Aber sie geht viel weiter in ihrer Ausdrucksweise als das landläufig der Fall ist.

Professionelle Werkstatt

In ihrer professionell eingerichteten Töpferwerkstatt fertigt sie ihre selbstentworfenen Objekte. Sie verwendet dabei keine Gießformen und auch keinen Gießton, sondern formt ihre Objekte allesamt frei Hand. Deshalb ist jedes Stück ein Unikat. Ihre Keramiken werden zweifach bei 1060 Grad gebrannt. Sämtliche Glasuren die sie verwendet, sind bleifrei. Bekannt ist Renate Maier allenfalls den Besuchern des Störnsteiner Weihnachtsmarktes, den sie seit Jahren organisiert und wo sie auch selbst einen Stand hat. Ausgestellt in dem Sinn hat sie bisher noch nie. Birgit Fischer und Brigitte Ries, Mitarbeiterinnen des Deutschen Knopfmuseums, haben 2014 die Werke von Renate Maier gesehen und sofort gewusst: "Das ist was für eine Sonderausstellung bei uns".

Faible für "Schnapszahlen"

Dann ging alles recht schnell. Andrea Bäuml, die die Präsentationen organisiert, meldete sich Anfang März bei der Tonkünstlerin. "Ich habe spontan zugesagt, obwohl ich das noch nie gemacht habe und noch nicht einmal den Raum kannte. Aber als gelernte Schneiderin liebe ich Knöpfe - vielleicht deshalb." Renate Maier hat ein Faible für sogenannte "Schnapszahlen". Vielleicht präsentiert die 44-Jährige, die seit 22 Jahren eine eigene Werkstatt hat, gerade deshalb 333 Unikate. Besonderen Wert legt sie auf Glasuren. "Wenn man da nicht ganz genau arbeitet, produziert man Ausschuss, weil sich nichts mehr korrigieren lässt." Bei einigen Stücken hat Maier sogar einzelne Glasscherben direkt auf die Objekte aufgeschmolzen und damit ganz besondere Effekte erzielt.

"Tausende von Stunden Arbeit sind hier im Raum zu sehen", sagt sie über die Stücke der Ausstellung, die sie aus rund 400 Kilogramm Ton geschaffen hat. Vieles extra für die Präsentation. Der Rest ist höchstens zwei Jahre alt. Jeden Tag hat sie etwa 12 Stunden gearbeitet, damit alles zur Ausstellung fertig ist.

Schon als Schneiderin sei sie fasziniert gewesen Stücke zu kreieren, die es so nicht gab. Ihre Vorliebe für das Außergewöhnliche habe sich in ihrer Töpferkunst ebenfalls niedergeschlagen. Der Einstieg war ein Kurs bei der VHS Weiden, um die Grundlagen zu erlernen. Alles was sie produziert, entsteht zunächst vor ihrem geistigen Auge. Inspirieren lässt sie sich von allem. Irgendwann legt sie dann los. "Es entsteht aber meist etwas anderes als ich eigentlich dachte. Ich lasse mich da ganz vom Material führen." Und das hat sie im Griff wie nicht viele aus ihrer Zunft. So beherrscht sie die Kunst, wie man Ton, der eigentlich nur bis zehn Zentimeter Höhe stabil bleibt, auf über 30 Zentimeter erhöhen kann.

Webtechnik

Eine weitere Spezialität ist, dass sie, das im nassen Zustand nicht sehr stabile Material, in Webtechnik zu großen Schalen verarbeitet. "Das macht sonst kein Mensch, weil es eigentlich gar nicht geht." So entstehen Lampen, Kerzenständer, Spieluhren, Kugeln und vieles mehr. "Ich müsste 1000 Jahre alt werden, wenn ich alles verwirklichen will, was mir so im Kopf rumschwirrt". Bei ihrer Vorliebe für das Ausgefallene macht Renate Maier aber nur Stücke, die sie sich selber in die Wohnung stellen würde. Das sieht man sogar ihrer Werkstatt an, in der sie die Stücke feinsäuberlich dekoriert.

Genauso wie sie es im Sonderausstellungsraum im Knopfmuseum gemacht hat. Renate Maier ist verliebt in ihre Arbeit. "Ich könnte nie damit aufhören." Das größte Stück, das sie je gemacht hat, ist der Kuchlbauer-Turm, dessen Original in Abensberg steht. Drei Monate hat sie daran gearbeitet und etwa 200 Stunden investiert. Die Genehmigung für die Ausstellung, den Verkauf und das Anfertigen weiterer Unikate davon, bekam sie von der Brauerei sofort. "Die waren begeistert." Der Turm ist zwar in der Ausstellung zu sehen. Aber er ist nicht verkäuflich.

Ein Problem, das Renate Maier schon immer hat. Bei ihrer ersten Weihnachtsmarktteilnahme hat sie die meisten Stücke mit "Verkauft" gekennzeichnet, damit sie sie nicht hergeben musste. "Das hat sich aber in der Zwischenzeit gelegt." Weil sie ja in Bärnau ausstellt, präsentiert sie auch Reliefe der Steinbergkirche, vom Grenzlandturm und vom Knopfmuseum. Das eigene Wohnhaus hat sie getöpfert, genauso wie komplette Fantasiedörfer.

Öffentliche Vernissage

Am Samstag, 15. August, wird die Ausstellung um 19 Uhr eröffnet. Zur öffentlichen Vernissage kann übrigens jeder kommen. Die Präsentation ist bis zum Saisonende am 31. Oktober Donnerstag bis Sonntag und an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Am 6. September und am 11. Oktober ist Renate Maier vor Ort und lässt sich bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.rm-designkeramik.de
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