Außenstelle der Universität

Stefan Wolters stellte das Projekt "Archäo-Zentrum" vor. Bild: kro
Politik
Bärnau
19.10.2016
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Mit dem Etikett "Außenstelle der Universität" will sich Bärnau schmücken. Den Weg zum "Archäo-Zentrum Bayern-Böhmen" unterstützt die Stadt mit 150 000 Euro.

Der Stadtrat hat die Weichen gestellt, dass Bärnau mit dem Archäo-Zentrum eine Universitäts-Außenstelle werden könnte. Mehrheitlich billigte der Stadtrat dem Verein Via Carolina einen Zuschuss, verteilt auf drei Jahre, in Höhe von 150 000 Euro zur "Stärkung der Eigenmittel". Gottfried Beer, Hubert Häring und Rudolf Schmid waren dagegen. Ob Bärnau eine Außenstelle wird, soll Mitte Dezember ein Lenkungsausschuss entscheiden.

Größtes Freilandmuseum


Stefan Wolters, der wissenschaftliche Leiter des Geschichtsparks Bärnau-Tachov, stellte dem Stadtrat ausführlich das geplante Archäo-Zentrum Bayern-Böhmen (Bericht auch Seite 3) vor, das deutschlandweit einmalig wäre. Ziel sei, die gemeinsame Kultur zu bewahren und zu vermitteln. Die Umsetzungsphase für dieses Projekt würde drei Jahre dauern, anschließend sollen die Universitäten aus Bamberg, Prag und Pilsen dieses Projekt übernehmen. Wolters machte klar, dass die Universitäten die Projekte erarbeiten, dabei aber die Bevölkerung mit einbeziehen. Ziele seien auch eine Stärkung des grenzüberschreitenden Tourismus und die Wahrnehmung des gemeinsamen Kultur- und Naturerbes. Bärnau könnte das größte archäologische Freilandmuseum Deutschlands werden, hoffte Wolters.

"Bärnau hat die historische Chance, Universitäts-Außenstandort zu werden, hier entsteht eine touristische Attraktion mit einer regionalen Identität", schwärmte Bürgermeister Alfred Stier. Alfred Wolf, JWG-Stadtrat und Vorsitzender des Vereins Via Carolina, informierte, dass das Projekt rund 3,3 Millionen Euro kosten soll, davon müsse der Verein Via Carolina 2,5 Millionen Euro tragen. Rund 414 000 Euro steuere die Universität Bamberg, 352 000 Euro die Universität Pilsen und 166 000 Euro die Karlsuniversität Prag bei. An Zuschüssen, so Wolf, seien circa 85 Prozent zu erwarten, so dass letztlich der Verein die Restfinanzierung von 450 000 bis 500 000 Euro übernehmen müsse. Dies soll mit Zuschüssen der Stadt, des Landkreises, des Bezirks und weiterer Geldgeber bewältigt werden. "Das Archäo-Zentrum wird die Triebfeder für die Ministerien sein, die Region zu fördern", ist sich Wolf sicher. "Jeder Cent, der hier eingesetzt wird, wird sich vermehren". Bürgermeister Alfred Stier lobte dieses Projekt als "Meilenstein für die Stadt Bärnau". Durch das Projekt würden sich auch "ganz andere städtebauliche Fördermöglichkeiten" ergeben.

In der Diskussion wurden aber auch kritische Stimmen laut. "Bei der Hallenbadsanierung standen wir kurz vor der Pleite und nun geben wir 150 000 Euro ohne Verwendungsnachweis her", kritisierte Hubert Häring (CFWG). Er forderte deshalb eine Auflistung, für was dieses Geld verwendet werden soll. Zudem wollte Häring eine Offenlegung der Finanzen des Vereins Via Carolina. Häring gab Vermutungen weiter, der Verein habe Schulden von mehr als 500 000 Euro.

Beer: Keine Pflichtaufgabe


Gottfried Beer (SPD) wollte nicht von einer "Universitätsstadt Bärnau" sprechen. Es handle sich eher um eine Zweigstelle und den Besuch durch einige Studenten. Zudem forderte Beer eine genaue Darstellung, wie die rund 500 000 Euro finanziert werden sollen. Dieses Projekt sei keine Pflichtaufgabe der Stadt, verdeutlichte der SPD-Stadtrat. Die Sanierung des Hallenbads sei abgelehnt worden, obwohl die Bürger dies wollten, und jetzt wolle die Stadt für dieses Projekt 150 000 Euro locker machen. "Wie sollen wir das dem Bürger erklären", fragte Beer.

Hubert Häring stellte dann einen Antrag zur Geschäftsordnung, diesen Tagesordnungspunkt zurückzustellen, bis endgültig entschieden sei, ob Bärnau überhaupt Uni-Standort werde. Doch dies lehnte die Mehrheit im Stadtrat ab. Mehrheitlich stimmte das Gremium zu, dem Verein Via Carolina als Mitglied beizutreten, jährlicher Mindestbeitrag 100 Euro.

Archäo-ZentrumDas Projekt "Archäo-Zentrum Bayern-Böhmen - Gemeinsamen Kulturraum bewahren und vermitteln" sieht im Geschichtspark eine Archäo-Werkstatt für die Studenten vor sowie eine Mittelalterbaustelle mit steinernen Bauwerken des 14. Jahrhundert - geschätzte Bauzeit: 20 Jahre.
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