Eine Runde mit vielen Kanten

Politik
Bärnau
27.05.2016
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Der "runde Tisch" zum Hallenbad hatte durchaus das Zeug zum "Kreisverkehr". Nach langer Diskussion über die Zukunft der Einrichtung war es Johannes Dill von der SPD, der so etwas wie einen konkreten Fahrplan vorlegen konnte (eigener Bericht). Und über den will er bei der nächsten Stadtratssitzung abstimmen lassen.

Interessierte Bürger, Vertreter der Vereine und natürlich Stadträte hatte Hubert Häring als "Hallenbad-Beauftragter" am vergangenen Mittwoch zum Gespräch ins Rathaus geladen. Gekommen waren fast alle Mitglieder des Stadtratsgremium. Und gerade die Seite aus CSU und Junger Wählergemeinschaft hatte einen langen Fragenkatalog mitgebracht, etwa über Zustand der Technik, mögliche Maßnahmen oder die Frage der Badeaufsicht.

Lösung bei Badeaufsicht


Dabei standen natürlich aktuelle und künftige Kosten sowie die Belastung für den Stadthaushalt im Mittelpunkt. Für die CSU hatte Roland Heldwein die Sorgen vor einem "Fass ohne Boden" formuliert. Bürgermeister Alfred Stier verwies auf die anstehenden Pflichtaufgaben der Stadt, etwa beim Abwasser, und fürchtete Einschränkungen beim Handlungsspielraum. Als "Gastgeber" hatte Hubert Häring viele grundsätzliche Argumente dabei, führte das Hallenbad als wichtige Komponente für die Lebensqualität im Ort an oder verwies auf die Bedeutung der Schwimmausbildung. Bei rechtlichen Problemen pochte Häring auf die Bauordnung und einen Bestandsschutz. Bei der Badeaufsicht erklärte sich Heiner Schicker bereit, noch einige Zeit weiterzumachen. Langfristig müsste aber eine Lösung gefunden werden.

Zur Finanzierung der Investitionen glitt Häring dann wieder ab in einen "Zwist" mit den Bürgermeister. So monierte der Hallenbad-Beauftragte, dass ihm nichts von einem Bundesprogramm mitgeteilt worden war. Jetzt sei dieses Programm ausgeschöpft. Stier konterte, dass Häring jederzeit Einblick in alle Unterlagen nehmen könnte. Chancen auf eine Förderung hätten zudem keine bestanden, beurteilte Stier. So hätte man auch aus dem Kommunalinvestitionsprogramm nichts für die Hallenbadsanierung bekommen.

Bürgerbegehren angeregt


"Du warst schon vor 13 Jahren für die Schließung des Hallenbades", bemängelte Häring die Haltung des Stadtoberhaupts. Und Josef Hubmann (SPD) legte nach: Ich habe den Eindruck, du willst das Hallenbad totreden! Stier bestritt nicht seine Haltung zur Hallenbadschließung und stellte heraus: "Ich rede Klartext!" Dass eine Generalsanierung (bis zu 3,8 Millionen Euro) nicht machbar sei, wusste auch Michael Schedl. Alfred Wolf empfahl trotzdem, sich um eine Sonderförderung für eine kleine Gesamtsanierung für bis zu 2 Millionen Euro zu bemühen.

"Wo ist die persönliche Schmerzgrenze für eine Investition", fragte Schedl nach und Hubert Häring monierte schließlich einen "fehlenden Handlungswillen". Als nächsten Schritt wollte Häring dann auch ein Rats- oder Bürgerbegehren nicht ausschließen. "Das ist ein sehr komplexes Thema", gab Stier zu bedenken und verwies darauf, dass der Stadtrat eben gewählt worden sei, um für die Bürger zu entscheiden.

Nach langer Diskussion war es der SPD-Vorschlag, der eine Gangart für die Wiederinbetriebnahme des Hallenbades aufzeigte,

Stufenplan für HallenbadBei den Fragenlisten rund ums Hallenbad hatte die SPD am Donnerstag eine interessante Alternative zu bieten: Einen Stufenplan zur Wiederinbetriebnahme als ganz konkreten Lösungsansatz.

Stufe 1 mit der Priorität "Hoch" bilden der Austausch der Lüftungsanlage (ein Gutachten vom Oktober 2015 hatte eine Belastung durch Schimmelpilze und Sporen in der Raumluft festgestellt, Anm. der Red.), der Austausch des Filtersandes, die Reinigung des Lüftungsschachtes, die behindertengerechte Umgestaltung des Badzugangs sowie die Klärung der Frage der Badeaufsicht. In der Stufe 2 (innerhalb der nächsten Jahre nach Wiedereröffnung) stehen unter anderem die Themen Heizungsanlage , Wiederinstandsetzung der Mängel der Elektrotechnik oder der zweite Rettungsweg. Hier hat schon der Förderverein seine Unterstützung angeboten. Aufgeführt ist zudem die Suche nach einer Fachkraft für Bädertechnik in Verbindung mit dem Freibad Altglashütte. In den nächsten beiden Stufen folgen etwa die Reparatur der Betonabplatzungen oder der schadhaften Fliesen, der Austausch der Holzdecke oder des Hubbodens. Bei der Erläuterung betonte Gottfried Beer, dass sich das Hallenbad in einem durchaus gutem Zustand befinden und die Arbeiten gemäß dem Stufenplan ein überschaubares Risiko darstellen würden. "Es wäre eine Sünde, das Hallenbad zu schließen", betonte Beer. Bei dem Treffen am Mittwoch versicherte Johannes Dill, die konkreten Zahlen für die Maßnahmen in Stufe 1 bis zur nächsten Stadtratssitzung noch nachzureichen. Um weiterzukommen will er dann aber den Antrag stellen, über diesen Plan abzustimmen. Dabei bot Dill auch der CSU an, diesen Stufenplan zu "verfeinern". "Sonst sitzen wir in zwei Jahren noch da", begründete der Sozialdemokrat seine Initiative. (ws)
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