Bayerischer Tierschutzpreis für Kompoststall der Familie Weiß
Den Kühen geht’s sauwohl

Carolin Weiß hat keine Berührungsängste zu ihren Tieren und zeigt begeistert die Vorteile des neuen Kompoststalles. Dafür hat die junge Landwirtin den Bayerischen Tierschutzpreis erhalten. Bilder: ubb (2)
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Bärnau
08.11.2016
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Manfred Zintl und Mutter Hildegard Weiß sind sehr stolz auf Carolin (von links), die gemeinsam mit ihrer Familie mit dem Kompoststallbau viel Mut bewiesen hat.

Tierschutz geht alle an. Sagt Ministerin Ulrike Scharf. Und hat auch ein besonders nachahmenswertes Beispiel ausgemacht. Den Kompoststall der Familie Weiß. Der ist für das Vieh so komfortabel, dass er mit dem Bayerischen Tierschutzpreis ausgezeichnet worden ist.

Ödwaldhausen. Einige liegen bequem in Grüppchen, andere kauen gemütlich ihr Frühstück, während in einem separaten "Kreißsaal für werdende Kühe" völlig entspannt Mutterfreuden entgegen gesehen wird. Dabei riecht es angenehm nach dem böhmischen Wind, der draußen um die Ecken streicht und dank der bis zum Dach offenen Wände für Frischluft sorgt.

Im Kompoststall der Familie Weiß ist "Wohnzimmer-Feeling" angesagt. Carolin Weiß hat zudem keinerlei Berührungsängste zu ihren Lieblingen. Sie geht rasch über die weiche Sägemehldecke rüber zu Kuh "Nummer 20", um ihr das rechte Ohr zu kraulen. Das macht die junge Bäuerin nicht nur heute für den Fototermin. Sie mag ihre Tiere und ihre Tiere mögen sie. Deshalb tut sie alles, damit es ihnen gut geht.

Zum Beispiel "Nummer 26": Sie geht für ihr Geschäft absichtlich runter in den Liegebereich. Carolin und ihre Mutter Hildegard sind darüber jetzt nicht wirklich begeistert, weil's halt zusätzliche Arbeit macht, die Sache wieder aufzuräumen. Aber die komfortable Sägemehldecke ist halt für jede "Schandtat" bestens geeignet. Dass es den Kühen im Stall der Familie Weiß oben auf der Bärnauer Bergkuppe noch ein bisschen besser geht als ihren Artgenossen in anderen Stallungen, ha gute Gründe.

Zuerst als Bauzeichnerin ausgebildet hat sich Carolin Weiß entschlossen, als Bäuerin den Hof der Eltern zu übernehmen. Die 30-jährige Ödwaldhausenerin hat noch zwei Zwillingsschwestern, so dass die Erbfolge sowieso bei einem Mädchen geblieben wäre. "Da haben wir uns gesagt, wenn unsere Carolin das macht, müssen wir ihr helfen, davon leben zu können", erzählt die stolze Mutter Hildegard Weiß.

Gesagt, getan: Die Familie überlegte, was zu tun sei und stieß auf einen Bericht über Kompostställe. Carolin recherchierte bis nach Österreich, wo bereits langjährige Erfahrungen damit vorhanden sind. "Also sind wir hingefahren und haben zwei Betriebe besichtigt", erzählt Carolin weiter. Die Familie Weiß ließ sich überzeugen, holte sich fachliche Beratung vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Tirschenreuth und baute in Eigenleistung, ohne einen Cent Fördermittel, besagten Kompoststall.

Manfred Zintl vom Landwirtschaftsamt ist fast so stolz auf Carolins Entscheidung wie deren Eltern Alfons und Hildegard Weiß. Begeistert berichtet er, dass in diesem Stall jede Kuh zehn Quadratmeter für sich hat. Zintl hat sich intensiv informiert, vielleicht hofft er auf Nachahmer im Landkreis? Das Prinzip des Kompoststalls ist durchdacht. Zintl betont immer wieder das Tierwohl, das hier im Vordergrund steht.

Carolin erklärt, wie's funktioniert: Der Außenklimastall ist ein einziges großes "Wohnzimmer". Den Kühen wird im Liegebereich Sägemehl eingestreut. Das ist zwar teuer. "Aber dafür mussten wir keine Einrichtung wie Boxen kaufen", sagt Hildegard Weiß. Die Kühe bewegen sich frei, können sich in Gruppen zusammentun. Stress mit der Leitkuh kommt nicht vor. Man geht sich höflich aus dem Weg, schließlich ist Platz genug. "Und wenn eine Kuh kalbt, stehen andere dabei und helfen!"

Extrem weich und trocken


Carolin hat alles, was der neue Stall an Vorteilen bringt, sehr eingehend beobachtet und erzählt begeistert von dem entspannten Verhalten der Tiere. Sogar "Beckenbodenübungen" seien hier möglich, was wiederum zu einer lockereren Muskulatur führe. Die Tiere gehen über die Treppe zwischen Fress- und Liegebereich hin- und her, bewegen sich insgesamt mehr. Extrem weich und trocken sei das Sägemehl zudem klauenschonend. "Damit sparen wir Tierarztkosten", freuen sich die Weiß-Frauen.

Was jetzt mehr die Kühe begeistern dürfte: Fliegen werden vom böhmischen Wind einfach "weggepustet". Tatsächlich ist keine Kuh auszumachen, die ständig mit dem Schwanz wedelt wegen der lästigen Viecher. "Die Kühe leben ihr Herdenverhalten voll aus", betont Manfred Zintl.

Dabei will Carolin ihren Tieren noch mehr Freiraum gewähren. Den herrlichen Panoramablick auf die Bärnauer Höhen vom offenen Stall aus soll es bald für die Kühe von der angrenzenden Wiese aus zusätzlich geben.

Die Kühe leben ihr Herdenverhalten voll aus.Manfred Zintl
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