Das Projekt Archäo-Zentrum im Geschichtspark
Neue Kaiserpfalz von Bärnau

Sie machen die "wissenschaftliche Wucht" des Projekts deutlich - die bayerisch-böhmischen Partner: (von links oben) Josef Rösch, Alfred Wolf (beide Via Carolina), Prof. Ingolf Ericsson (Uni Bamberg), Stefan Wolters (Geschichtspark), stellvertretender Landrat Roland Grillmeier, Berthold Blumentritt (Via Carolina). Unten, von links: Petr Netolický, Jana Hutníková (Museum Tachov), Sabina Mattová, Nadežda Morávková (alle Uni Pilsen), Magdalena Becher, Miroslav Breitfelder und Václav Vrbík (Geschichtspark)
Vermischtes
Bärnau
18.10.2016
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"Einen großen Tag für den Geschichtspark", nennt Roland Grillmeier, stellvertretender Landrat, die Präsentation des Projekts: 3,3 Millionen Euro will der Verein Via Carolina in ein Archäo-Zentrum investieren, an dem sich die drei Universitäten Bamberg, Pilsen und Prag beteiligen.

"Sie setzen ein wichtiges Zeichen", lobt Grillmeier den Vorsitzenden Alfred Wolf, "hier wird die von Staatsminister Söder angekündigte universitäre Zusammenarbeit umgesetzt." Hochschulen und studentisches Leben förderten die Entwicklung von Regionen - "das beste Beispiel: die OTH Amberg-Weiden".

Bisher befinde man sich noch in der Bewerbungsphase, erklärt Wolf. "Aber allein, dass wir zusammen mit den Projektpartnern den Antrag abgegeben haben, ist ein Beleg, was für eine Wucht dahintersteckt." Ein jahrhundertelang gemeinsam entwickelter Kulturraum sei durch Krieg und den Eisernen Vorhang getrennt worden. "Wir haben die Chance, ihn wieder zusammenwachsen zu lassen - und hoffen auf die Einsicht des Lenkungsausschusses."

Seit 2014 mit Hochdruck


Der soll im Dezember über das Projekt "Archäo-Zentrum Bayern-Böhmen - Gemeinsamen Kulturraum bewahren und vermitteln" entscheiden, dessen Vorbereitung das Heimatministerium unterstützt. "Wir arbeiten seit eineinhalb Jahren mit Hochdruck daran", sagt Wolf, "und die beteiligten Fakultäten der Unis Bamberg, Pilsen und Prag sind von Anfang an mit Begeisterung dabei."

"Sie wollen jetzt sicher wissen: Was ist ein Archäo-Zentrum?", kommt Stefan Wolters, wissenschaftlicher Leiter des Geschichtsparks Bärnau-Tachov, auf den Punkt. Besser gesagt: auf die drei Hauptbestandteile des Vorhabens, das den gemeinsamen Kulturraum bewahren, visualisieren und nicht zuletzt für Wissenschaft und Tourismus nutzbar machen soll:

Die Archäo-Werkstatt: Sie steht den Studenten aller beteiligten Universitäten zur Verfügung, um Fundstücke zu analysieren, katalogisieren und diskutieren.

Die Mittelalterbaustelle: Ein Baufenster von 30 mal 40 Metern soll mit steinernen Bauwerken des 14. Jahrhunderts gefüllt werden. "Damit schließen wir eine wichtige Lücke", da man im Geschichtspark bisher nur das Mittelalter bis zum 13. Jahrhundert abdecke. Konkret wollen die Wissenschaftler zusammen das bauliche Konzept für eine Reisestation Kaiser Karls IV. an der Goldenen Straße entwickeln. Eine mittelalterliche Baustelle, auf der Handwerker mit Originalwerkzeugen unter Anleitung der Experten eine Kaiserpfalz hochziehen - geschätzte Bauzeit: 20 Jahre.

Große Koalition: Die Politik fordere es, hier im Geschichtspark wolle man es umsetzen - die ganz große Koalition aus Wissenschaftlern, Handwerkern und den Vertretern der "Living history", der lebendigen Geschichte. "So profitieren alle", erklärt Wolters, "die Archäologen von den Handwerkern und umgekehrt - und beide von den Hobbyisten, deren jahrzehntelange praktische Erfahrungen sonst verschlossen bleiben, weil sie nicht publizieren."

150 000 Euro von der Stadt


Rund 200 Veranstaltungen in Bärnau, Tachov, Pilsen und anderen Orten wollen die Unis ab der Eröffnung im Januar 2017 beitragen: "Archäologische Spaziergänge, Vorlesungen, interaktive Workshops und Ausstellungen", zählt der Pilsener Projektleiter Václav Vrbík auf. Magdalena Becher, das weibliche Pendant auf bayerischer Seite, erläutert die Finanzverteilung: "Der größte Teil der beantragten 3,3 Millionen Euro entfällt mit 2,5 Millionen Euro auf Bärnau, weil hier die ganzen Baukosten von rund 1,1 Millionen Euro anfallen."

Für Personal und Veranstaltungen erhielten die Westböhmische Universität Pilsen 352 000 Euro, die Universität Bamberg 314 000 Euro und die Karlsuniversität in Prag 166 000 Euro. "Der Verein muss einen Eigenanteil von 15 Prozent aufbringen."

Das Sahnehäubchen obendrauf: Am Dienstag beschloss der Stadtrat in Bärnau einen Beitrag von 150 000 Euro, verteilt auf drei Jahre, zur Stärkung der Eigenmittel des Vereins.

Der Beitrag der Universitäten"Eine tolle Erfahrung", schwärmt Professor Ingolf Ericsson, Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit an der Universität Bamberg , über die bilaterale Zusammenarbeit. "Wir einigten uns schnell auf einen gemeinsamen Weg." Der Beitrag der Oberfranken: "Wir können Ausstellungen", wirbt der schwedische Wissenschaftler für die geplanten Beiträge "Slawische Besiedlung im frühen und hohen Mittelalter" und "Alte Handwerkstechniken im Hausbau in Westböhmen und Ostbayern im Mittelalter und der frühen Neuzeit". "Mir gefällt an unserem Projekt, dass es zweisprachig ist", sagt Sabina Mattová vom Lehrstuhl für Archäologie an der Philosophischen Fakultät der Westböhmischen Universität Pilsen . "Das baut Hemmungen auch bei unseren tschechischen Kollegen ab." Man wolle an die bisherige Zusammenarbeit mit Bamberg und Bärnau anknüpfen, die hauptsächlich im Studentenaustausch bestanden habe. Ihre Erfahrungen im Bereich Museumspädagogik will Nadežda Morávková vom Pilsener Lehrstuhl für Geschichte an der Pädagogischen Fakultät einbringen. "Der Weg ins Museum führt meist über die Kinder", meint die Lehrstuhlinhaberin. "Alles Schöne wurde schon gesagt", ergänzt Lehrstuhl-Kollege Miroslav Breitfelder charmant. "Wir stellen für alle Altersgruppen begleitende Unterlagen zusammen. Eltern und Lehrer sind die besten Multiplikatoren für unser Projekt." Als assoziierte Partnerin ohne Budget freut sich Jana Hutníková, Direktorin des Museums des böhmischen Waldes in Tachov , "dass wir durch das Projekt von der Randlage in die Mitte des Geschehens gerückt sind". (jrh)
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