Geschichtspark Bärnau-Tachov baut Netzwerk
Brückenkopf nach Tschechien

Netzwerker in Sachen deutsch-tschechische Zusammenarbeit von links, Stefan Wolters, Magdalena Becher, Vaclav Vrbik und Alfred Wolf. Bild: tr
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Bärnau
18.08.2016
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"Nur wen man kennt, nimmt man wahr, und vor allem als Möglichkeit wahr." Stefan Wolters, wissenschaftlicher Leiter des Geschichtsparks Bärnau-Tachov, weiß das. Ein Netzwerk soll die Regionen diesseits und jenseits der Grenze noch bekannter machen.

Um das zu realisieren, sind heuer erstmals zwei Projektmanager engagiert worden, die in Deutschland und Tschechien tätig sind. Bei Gemeinden, Touristinfos, Universitäten und Schulen werden sie vorstellig und knüpfen Kontakte. Auf tschechischer Seite agiert dabei seit Anfang des Jahres Vaclav Vrbik. Diesseits der Landesgrenze ist seit Juni Magdalena Becher unterwegs. Die nationale Trennung ist dabei fließend. Die beidem Projektmanager arbeiten auch schon mal umgekehrt oder gemeinsam.

Aus Oberbayern und Pilsen


Magdalena Becher kommt aus Oberbayern. Sie hat Politikwissenschaften und Bohemistik in Regensburg studiert und hat einen sudetendeutschen Familienhintergrund. Schon aus dem Grund war ihr die Thematik, mit der sie sich jetzt berufsmäßig befasst, nie fremd. Ab 2014 arbeitete sie im Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee. Die Stelle in Bärnau hat sie im Neuen Tag entdeckt, wo der Posten ausgeschrieben war.

Vaclav Vrbik kommt aus Pilsen, hat Germanistik und Russistik für Lehramt studiert. Seit 2006 arbeitet er im Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee. Bis 2014 war er dort im Regierungsauftrag als ständiger Repräsentant der Region Pilsen tätig. Den Kontakt nach Bärnau hat er schon lange. "Die, die in der Region grenzüberschreitend zusammenarbeiten, kennen sich." Vrbik hat in Pilsen eine kleine Sprachschule und ist Geschäftsführer der "Bernard Bolzano- Gesellschaft" in Prag.

Ziel Archäo-Zentrum


Für Trägervereinsvorsitzenden Alfred Wolf ist es entscheidend für den weiteren Erfolg des Geschichtsparks, das Netzwerk gewaltig zu verbessern. Wie Staatssekretär Albert Füracker fordert er mehr Zusammenarbeit mit Universitäten, Schulen, Museen und Tourismusverbänden. Wolf spricht von einer dauerhaften Vernetzung möglichst vieler Partner mit dem Ziel ein Archäo-Zentrum Bayern - Böhmen zu werden. Nachdem Heimatminister Markus Söder zusammen mit seinem tschechischen Kollegen ein Entwicklungsgutachten für einen gemeinsamen Verflechtungsraum im Grenzgebiet eingefordert hatte, haben sich Wolf und Wolters mit ihrem "Innovations- und Netzwerk Bayern - Böhmen" mit Erfolg beworben.

Das Ministerium gewährte dafür einen üppigen Zuschuss. Damit - und mit finanzieller Unterstützung durch Landkreis und Stadt - flossen insgesamt 105 000 Euro an Fördergeldern und wurde auch die Beschäftigung der beiden Projektmanager möglich.

"Wir wollen eine Basisstation für deutsch-tschechische Zusammenarbeit werden", so Wolf. Stefan Wolters bezeichnet die Projektmanager als, "Brückenkopf nach Tschechien. Jetzt kommen wir nicht mehr nur mit einem Dolmetscher, sondern einem einheimischen Projektmanager und einer Projektmanagerin, die auch hervorragend tschechisch spricht."

Untertöne verstehen


Dadurch hätten sich bereits Türen und Tore geöffnet, die vorher fest verschlossen waren. "Nativespeaker verstehen halt auch die Untertöne." Die Arbeit des Geschichtsparks habe Dimensionen erreicht, die allein von einem Verein nicht mehr zu stemmen seien.

Mittlerweile gingen hier tschechische und deutsche Schulklassen ein und aus. Regelmäßige Besucher seien Amerikaner aus dem Lager Grafenwöhr. Auch Niederländer und Italiener seien hier oft anzutreffen. Anfragen zu Filmprojekten gäbe es zuhauf. Eine große kalifornische Produktionsfirma, die einen Mittelalterfilm fürs Kino drehen will, habe angefragt. "Allerdings ist da momentan Funkstille."

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Weitere Informationen:

www.geschichtspark.de/

Entwicklungsgutachten für bayerisch-tschechischen GrenzraumWarum die Staatsregierung das Entwicklungsgutachten des Geschichtsparks finanziell fördert, begründet der Staatssekretär im Staatsministerium für Finanzen, Landesentwicklung und Heimat, Albert Füracker, in einem Schreiben. Darin heißt es unter anderem: Im Geschichtspark könne Vergangenheit grenzübergreifend und gemeinsam erlebt werden und damit wieder Neues entstehen. Der Park sei ein gelebtes bayerisch-tschechisches Partnerprojekt. Er verdanke seine Entstehung und Weiterentwicklung vor allem ehrenamtlichem Engagement und hohem wissenschaftlichem Anspruch. "Es ist beeindruckend, was hier entstanden ist. Ich kann nur allen zu diesem Erfolg gratulieren." Mit dem geplanten "Archäo-Zentrum Bayern-Böhmen" solle grenzüberschreitende Geschichte, etwa durch Rekonstruktion von Archäologie und alten Handwerkstechniken, in Bayern und Böhmen vermittelt werden. Die Zusammenarbeit mit Universitäten soll verstärkt werden. Schulen, Universitäten, Museen und Tourismusverbände sollen dauerhaft vernetzt werden. Der Freistaat unterstütze daher die Entstehung des Archäo-Zentrums nicht nur ideell. Das Heimatministerium wolle als einen Schwerpunkt der Landesentwicklung die bayerisch-tschechische Grenzregion stärken. "Ziel ist, vorhandene Potenziale stärker zu nutzen und die Regionen beiderseits der Grenze eng miteinander zu verflechten." Dem Freistaat sei die Entwicklung eines lebendigen und starken Grenzraumes ein besonderes Anliegen. (tr)
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