Internationales Workcamp im Geschichtspark
Arbeit und Verständnis

Mariya Dychko und Skydan Dmytro aus der Ukraine beim Bau einer Lehmwand. Gummihandschuhe hatten die Leute im Mittelalter nicht. Auch wenn der wissenschaftliche Leiter des Geschichtsparks, Stefan Wolters, großen Wert aus Authentizität legt, beim Workcamp drückt er schon mal ein Auge zu.
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Bärnau
02.09.2016
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"Ich liebe interkulturelle Verständigung" sagt die 23-Jährige Camp-Leiterin aus Potsdam. "Da gibt es immer spannende Diskussionen, zum Beispiel darüber, wer wie das Geschirr spült."

"Mittelalterliches Bauen im 21. Jahrhundert": Den Titel fanden die 16 jungen Leute aus aller Herren Länder vor allem spannend. Auch deshalb haben sie sich für das Workcamp im Geschichtspark Bärnau beworben. Trotz harter Arbeit sind sie begeistert von dem, was sie da erleben.

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommen aus Deutschland, Serbien, Russland, Ukraine, Spanien und Italien. Zwei Wochen lang sind sie mehr oder weniger auf sich alleine gestellt, müssen sich selbst versorgen und in einer Wohngemeinschaft zurechtkommen. Sie sind zwischen 16 und 23 Jahre alt und kommunizieren in Englisch.

Besondere Verantwortung


Ganz alleine sind sie dann doch nicht. Carlotta Thomas und Juliane Kreibich leiten das Camp und passen auf, dass alles funktioniert wie es soll. Dabei haben sie auch noch eine ganz besondere Verantwortung, weil auch Minderjährige in der Gruppe sind. Und dann ist da noch Stefan Wolters, der wissenschaftliche Leiter des Geschichtsparks, der jederzeit mit Rat und Tat zur Seite steht.

Der Geschichtspark sei bei Jugendlichen sehr beliebt, wenn es darum gehe, an einem Workcamp teilzunehmen, erklärt Wolters. Für Bärnau ist es bereits das dritte in Folge. Dachorganisation ist die Internationale Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd), eine gemeinnützige Institution, die weltweit Jugend-Workcamps vermittelt. Beim ersten wurde die Waldnaab renaturiert, die durch den Geschichtspark fließt. Beim zweiten sind zwei neue Häuser in der Abteilung Frühmittelalter entstanden. Diesmal sind die jungen Baumeister an mehreren Stationen eingesetzt. Die aufwendigste Baustelle ist ein Heuschober, der im Hochmittelalter-Dorf als Rohbau steht. Die Teilnehmer ziehen Lehmwände auf, bauen Flechtwände und -zäune und decken am Ende das Dach mit Schilf ein.

Im alten Schloss


Nach getanem Tagwerk geht es hinauf ins alte Schloss, wo die Work-Camper wohnen. Täglich wechselt das zweiköpfige Küchenteam, das verantwortlich zeichnet, dass alle satt werden und das, was auf die Teller kommt, auch schmeckt. Von Montag bis Donnerstag wird gearbeitet, dann ist Wochenende. Bildungs-Ausflüge stehen da auf dem Programm. Die führen die jungen Leute ins Lager Flossenbürg, nach Nürnberg, Regensburg und Prag. Natürlich gibt es auch reine Freizeit. Dann sind die Teilnehmer am Moorweiher oder auch beim Zoigl anzutreffen.

Für kleinere Fahrten in die Umgebung steht der städtische Schulbus zur Verfügung. Die Feldbetten im alten Schoss hat das BRK aufgebaut. Die Jugendlichen bekommen vom ijgd Taschengeld, mit dem sie ihre Existenz sichern müssen. Verwaltet wird die "Kohle" von den beiden Campleiterinnen, die genauso mitarbeiten wie alle anderen. Stefan Wolters lobt: "Das Team ist wirklich gut, da geht einiges vorwärts." Carlotta Thomas, die bereits das dritte Camp leitet, geht es dabei auch um soziale Aspekte. "Das Miteinander steht im Vordergrund."

Horizont erweitern


Da werde abends Gitarre gespielt und gesungen und viel diskutiert. Auch Konflikte, die die Länder mancher Teilnehmer, wie Russland und Ukraine, haben, stünden oft im Fokus. "Das ist das Spannende an interkultureller Verständigung und erweitere den Horizont aller Teilnehmer."

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