Marvin kämpft sich ins Leben zurück
Dem Tod entrissen

Dass Marvin wieder herzerfrischend lachen kann, grenzt an ein Wunder - und ist seinen Eltern zu verdanken, die ihn während der schweren Zeit nie aufgegeben haben. Bild: Grüner
Vermischtes
Bärnau
13.05.2016
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Das Bild zeigt Marvin einen Tag nach dem Unfall auf der Intensivstation im Klinikum Weiden. Bild: Privat

Es war der 24. Februar 2014. Ein Datum, das die Familie Frank nicht vergessen wird. Der Vater fand den kleinen Marvin leblos im Löschteich. Seither ist nichts mehr so wie es einmal war.

Greim/Bärnau. Der damals Zweijährige konnte schon laufen und ging zur Oma, die im gleichen Haus wie die Familie wohnt. Das hatte er schon oft gemacht. Er verabschiedete sich später von der Großmutter, ging an diesem Nachmittag aber nicht auf dem gewohnten Weg direkt nach Hause. Wie er es schaffte, das Grundstück zu verlassen ist, bis heute unklar. "Vielleicht gelangte er durch den Pferdestall irgendwie auf die Straße", mutmaßt Kerstin Frank. Danach grenzt der Löschteich direkt an das Grundstück an.

Der Bub war also nur wenige Meter von zu Hause entfernt. Als Kerstin Frank bemerkte, dass der kleine Mann verschwunden war, begann sofort die Suche. Papa Thomas erkannte den Skianzug des Jungen, der leblos im Teich trieb.

Eine gute Stunde


Schnell war Marvin aus dem Wasser geholt und ins Haus gebracht, wo die Mutter auch gleich die ersten Reanimationsversuche unternahm. Helfer vor Ort, Rettungsdienst und Polizei waren schnell vor Ort und verbrachten wohl eine halbe Stunde damit, den Jungen zu reanimieren und transportfähig zu machen.

Per Rettungshubschrauber wurde Marvin in die Kinderklinik in Weiden geflogen. Vom Auffinden bis zur Einlieferung war da schon eine gute Stunde vergangen. Heute wird davon ausgegangen, dass das Kind etwa 20 Minuten im Teich gelegen hat. Im Krankenhaus kämpften die Ärzte um das junge Leben. Gegen 21.30 Uhr durften die Eltern zu ihm.

Bleibende Schäden


Auch ein Geistlicher war dabei, spendete die Krankensalbung. Der Schock saß tief. Der Junge lag im Koma, aber er lebte. Die nächsten 24 Stunden sollten neue Erkenntnisse bringen. Die Ärzte beschönigten nichts, erklärten, dass durch den enormen Sauerstoffmangel im Gehirn sicher erhebliche bleibende Schäden zu erwarten sind. "In jedem Fall wird Marvin zu 100 Prozent geistig und körperlich schwerbehindert sein", so die Aussage im Klinikum.

Marvin kämpfte. Nach drei Tagen war er wach. "Er war nur noch eine Hülle, erinnerte an einen Säugling, ohne Körper- und Kopfhaltung", erzählt Kerstin Frank. "Maschinen hielten ihn am Leben." Nach drei Wochen erholte sich Marvin soweit, dass er in die Schön-Klinik nach Vogtareuth am Chiemsee verlegt werden konnte. In der Fachklinik für Orthopädie, Neurologie und Innere Medizin machte er weitere Fortschritte.

Von März bis August 2014 war Marvin dort mit dem Vater. Die Ärzte sprachen von einem "medizinischen Wunder" und davon, "dass es in der Geschichte der Klinik noch keinen vergleichbaren Fall gegeben hat". Trotzdem war das Resümee ernüchternd: "Marvin wird nie wieder sprechen und nie wieder laufen können."

Doch Marvin ist anders. Seit September 2015 ist er in der Petö-Tagesstätte in Erbendorf. Er wird dort täglich von 8 bis 14.30 Uhr intensiv betreut und macht ständig weitere Fortschritte. So gut, dass es heißt, er könne durchaus wieder das Laufen lernen.

Spezialklinik in Slowakei


Mit einem Spezial-Rollator ist er bereits in der Lage sich ein wenig fortzubewegen oder aufrecht zu stehen. Von einer Freundin erfuhr Kerstin Frank von einer Spezialklinik in der Slowakei, in der Marvin möglicherweise weitere Hilfe bekommen könnte. Für die spezielle Therapie zahlt die Krankenkasse keinen Euro.

Nicht einmal für den speziellen Kindersitz, den Marvin braucht, will sie einstehen. Im November vergangenen Jahres reiste Kerstin Frank mit ihrem Sohn für drei Wochen ins "Adeli Medical Center" in Piestany bei Dubnitz an der Waag.

Das kostete rund 7000 Euro. "Aber es war jeden Cent wert", sagt die Mama, die mit einem 20-Stunden-Job die vierköpfige Familie (dazu gehört noch eine Tochter) ernähren muss, seit Vater Thomas zwei leichte Schlaganfälle erlitten hat. Es ist fraglich, ob er je wieder arbeiten kann. Die Therapien, die Marvin heute helfen, aber sind sehr teuer und werden von der Krankenkasse nicht bezahlt. Familie, Freunde, Bekannte und Nachbarn haben sich an der Finanzierung der ersten Therapie beteiligt.

Marvin lohnte es mit gewaltigen Fortschritten. Er kann sogar wieder einzelne Wörter, wie Mama und Papa sagen. Zum richtigen Sprechen reicht es aber noch nicht. Derzeit ist Kerstin Frank zum zweiten Mal für drei Wochen in der Slowakei. Von Montag bis einschließlich Samstag bekommt Marvin dann täglich wieder sechs bis acht Stunden lang seine speziellen Therapien.

Dort hat er einen Spezialanzug, der ihn bei falschen Bewegungen automatisch in die richtige Stellung zurückbringt. Irgendwann speichere das Gehirn diese Bewegungen und erkenne sie wieder als normal. Quasi eine Neuprogrammierung der zuständigen Steuereinheit im Gehirn.

SpendenkontoFür Marvin ist über den BRK-Kreisverband Tirschenreuth bei der Sparkasse Oberpfalz Nord ein Spendenkonto eingerichtet worden. IBAN: DE97 7535 0000 0011 3107 45, BIC: BYLADEM1WEN, Verwendungszweck: "Spendenaktion Marvin Frank".

Alle Einzahlungen werden für die Familie verwaltet und gegen Vorlage einer offenen Rechnung direkt an die Klinik ausbezahlt. Eine Spendenquittung kann leider nicht erstellt werden, da die Mittel nicht der Organisation BRK zufließen, sondern ausschließlich dem dafür vorgesehenen Zweck. (tr)
In jedem Fall wird Marvin zu 100 Prozent geistig und körperlich schwerbehindert sein.Die Ärzte zur Zukunft von Marvin
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Wolfgang Göldner aus Weiden in der Oberpfalz | 27.08.2016 | 13:57  
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