Peter Knott im Ruhestand
Der Mann, der Steine lesen kann

Peter Knott liebt den Blick über die heimatlichen Landschaften. Anhand der Gesteinsvorkommen kann sich der Hobby-Geologe perfekt vorstellen, wie sie vor Millionen von Jahren ausgesehen haben.
Vermischtes
Bärnau
11.06.2016
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"Ich bleibe dem Tourismus irgendwie erhalten, statt selber Tourist zu werden." Zitat: Peter Knott über seinen "Ruhestand"

Wenn Peter Knott sagt, "hier bin ich zu Hause", dann meint er den kompletten Landkreis. In den knapp 40 Jahren als "Mister Tourismus" hat er ihn kennen, schätzen und lieben gelernt, wie kaum ein anderer. Daran ändert auch der (Un-)Ruhestand nichts.

Tirschenreuth. Peter Knott ist am 17. Oktober 1951 in der damaligen Marktgemeinde Windischeschenbach geboren. Erst ein Jahr später wurde der Ort zur Stadt erhoben. Hier absolvierte er die Volksschule. 1961 zog die Familie nach Weiden um und lebte dort 15 Jahre. Peter Knott war Schüler an der Pestalozzi-Volksschule, an der Oberrealschule und an der Weidener Handelsschule. "Bei Letzterer habe ich viel für meine spätere Praxis gelernt, wie Maschinenschreiben und Rechnungswesen", betont er.

Zuerst im Finanzamt


Das war von 1968 bis 1970. Die Klasse teilte er sich mit etwa 60 Gleichgesinnten. Als Knott 19 Jahre alt war, begann er seine Karriere als Finanzschüler im Finanzamt Weiden. Nach Bundeswehr in Gärmersdorf bei Amberg und in Weiden legte er in Herrsching die Prüfung ab und war jetzt Steuerinspektor zur Anstellung in Tirschenreuth im Finanzgebäude im Fischhof, wo heute das Amtsgericht ist. 1978 wurde diese Dienststelle aufgelöst und Knott kam nach Waldsassen. "Ich machte damals unter anderem die Sprechtage in Tirschenreuth, Kemnath, Erbendorf, Friedenfels und Krummennaab, ja fast im ganzen Landkreis und war praktisch jeden Tag an einem anderen Ort." Peter Knott heiratete 1976 seine Ehefrau Paula und ist Vater von drei Töchtern. Knott bewarb sich beim Landratsamt und baute sein Haus in Schwarzenbach.

Aus zwei mach' eins


Am 1. Dezember 1980 begann er seinen Dienst im Landratsamt. Gegenüber weiteren 11 Bewerbern setzte er sich durch und wurde unter dem damaligen Landrat Franz Weigl im Ressort Wirtschaftsförderung und Fremdenverkehr eingesetzt. "Das war schon ein Sprung ins kalte Wasser. Ich musste mich erst einmal freischwimmen."

Waren vor seiner Einstellung zwei Leute für den Tourismus zuständig, zeichnete er jetzt alleine verantwortlich. "Dieser Beruf ist ein Zeitfresser ohne Ende", resümiert er nach seiner Pensionierung. Telefon und Schreibmaschine waren damals die einzigen Hilfsmittel, die Knott zur Verfügung standen. Sein Vorteil sei gewesen, dass er durch seine Sprechtage als Finanzbeamter, die meistens in den Rathäusern stattfanden, schon Einblicke in viele Tourist-Informationen hatte. Schon damals wusste ich, "da lässt sich was gestalten." Und das konnte er ab dem ersten Tag beim Landratsamt. Zu der Zeit existierte ein Landkreisprospekt, sonst nichts.

Damit reiste Knott Mitte Januar 1981 zur Tourist-Messe nach Stuttgart und begann für den Landkreis zu werben. "Damals waren 90 Stunden Arbeit pro Woche keine Seltenheit", erinnert er sich. Mit Riesenoptimismus und 4400 Prospekten im Opel Kombi startete er in die Schwaben-Hauptstadt. Nach neun Tagen waren alle Prospekte weg. Die Rückläufer hätten nicht lange auf sich warten lassen und die Übernachtungszahlen stiegen von Jahr zu Jahr.

Die ganz Kleinen


"Touristisch waren wir zu der Zeit wirklich die ganz Kleinen, verglichen, zum Beispiel mit Schwandorf oder Neustadt/WN. Im Landkreis begann die Missionsarbeit, bei der Knott versuchte die Vermieter von gewissen Standards zu überzeugen. Neben dem erwähnten 20 mal 20 Zentimeter großem Prospekt-Geheft existierten noch per Hand aufgeschriebene Übernachtungszahlen. Als Knott zur Messe reiste, habe ihm der Chef mit auf den Weg gegeben, "in fünf Jahren müssen wir mit den anderen mithalten können." Knott dachte sich, "solange darf das nicht dauern." In Stuttgart sei ihm ein Prospekt aus Portugal aufgefallen. Das war aufgegliedert in verschiedene Landschaften, die das Urlaubsparadies zu bieten hat. "Ab sofort war das mein Vorbild, "die Idee haben wir gnadenlos abgekupfert.

Gleich nach der Messe ging es los, begann ich den Landkreis in sieben Areale zu zerpflücken, darunter drei Naturparks und das südliche Fichtelgebirge. Die Textbausteine wurden mit Aquarellen unterlegt, die ich selbst gemalt habe. Das Kemnather Land, der Steinwald, die große Teichpfanne, das Waldnaabtal, der Egerer Wald, das Stiftland, der Oberpfälzer Wald und der Winter gehörten dazu.

Auch ein neues Gastgeberverzeichnis wurde bei der Gelegenheit erstellt. Damals hatten wir 96 Betten in Ferienwohnungen, vier Jahre später über 1200, Heute sind es im Landkreis etwa 4500. Bereits Mitte der 1980er bandelte Peter Knott mit Touristikern in Tschechien an. Die Kontakte liefen über das staatliche Reisebüro "Cedok". Mit dessen Chef gab es Treffen in Waldsassen. "Zum Ersten brachte er gleich den Kulturattache mit. Wir organisierten damals auch schon Wildwochen und diverse lokale Messen. Heute kommen viele Tschechen als Wanderer und Radfahrer zu uns und machen in unseren Gaststätten sogar Geschäftsessen."

All das ist lange her. Aktuell hält der Landkreis etwa 60 Prospekte vor. Möglich gemacht habe das auch die Kooperation mit dem "Oberpfälzer Wald". Seit 36 Jahren werden gemeinsame Inserate geschaltet und gemeinsame Prospekte gedruckt.

Spezialprospekte


Seit den 1990er Jahren gibt es Spezialprospekte, etwa zu den Themen Angeln, Reiten oder Wandern. Im Jahr 2000 wurde der erste Naturprospekt produziert, der aktuell in der fünften, überarbeiteten Auflage erschienen ist.

Der Tourismus spült derzeit 85 Millionen Euro in die Kassen. Rund die Hälfte dabei liefert der Tagestourismus. "Eine Tatsache die bisher glatt unterschätzt worden ist", gesteht Knott. "Im Tourismus gibt es immer Luft nach oben", sagt er. Deshalb käme auch niemals das Gefühl bei den Mitarbeitern auf, "so jetzt haben wir es geschafft!"

Im Ruhestand kann sich Peter Knott endlich mit entsprechendem Zeitrahmen seinem liebsten Hobby, der Geologie widmen. "Aber", schränkt er ein, "ich bleibe dem Tourismus irgendwie erhalten, statt selber Tourist zu werden." Wanderführer will er schreiben, die Landkreisschrift, "Heimat Landkreis Tirschenreuth", weiterführen. Der Landkreis ist halt Knotts zu Hause. Hier kennt er sich aus, weiß er über alles Bescheid und ist beinahe mit jedem Felsen per Du.

Extreme Geodiversität


Am Landkreis schätzt er die extreme Geodiversität, "Wenn ich eine Landschaft vor mir habe, kann ich mir anhand der Gesteinsvorkommen genau ausmalen, wie das hier vor Millionen Jahren ausgesehen haben muss. Peter Knott sammelt Minerale, "keine Mineralien", betont er und schwärmt, "was steckt da in jedem einzelnen Stein an Geschichte drinnen."

Ich bleibe dem Tourismus irgendwie erhalten, statt selber Tourist zu werden.Peter Knott über seinen "Ruhestand"
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