Firma Mühlmeier liefert den Werkstoff für Ideen
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Das Material für die Ideen innovativer Unternehmen liefert die Firma Mühlmeier aus Bärnau. Die Geschäftsführer René Mühlmeier und seine Schwester Petra Schmidtkonz fühlen sich in der Oberpfalz bestens aufgehoben, auch wenn die Geschäftsfelder eine internationale Ausrichtung erfordern. Bild: Zeitler
Wirtschaft
Bärnau
26.10.2016
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Composites, Schweißtechnik und Mahltechnik - das sind drei der Standbeine der Firma Mühlmeier in Bärnau. Dazu kommt noch der Exportbereich. Bild: hfz

Die Oberpfälzer Unternehmen stecken voller innovativer Ideen. Und jemand, der das Material dazu liefert, ist in Bärnau zu finden. Also hart an der tschechischen Grenze. Und das hat seinen guten Grund.

Von Berthold Zeitler

Werkstoffe für die Industrie, das sind die Kernfelder der Mühlmeier GmbH & Co. KG. Das familiengeführte Unternehmen hat sich vom Ein-Mann-Betrieb zu einem international tätigen Handelshaus gemausert, in dem gut 40 Mitarbeiter im Jahr rund 16 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften.

Die traditionsreiche Kaufmannsfamilie kann ihre Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Im Stammbaum findet sich auch ein Philipp Mühlmayer, der sich als Baumeister von Kapellen und Kirchen einen Namen gemacht hat, und nach dem auch in seiner Heimatstadt eine Straße benannt ist.

Den Grundstein der heutigen Firma legte Alwin H.-J. Mühlmeier im Jahre 1949. In Bärnau boomte die Knopfindustrie. Und die wollte mit Rohstoffen versorgt werden: Also holte Alwin Mühlmeier Perlmutt und Horn aus Übersee, Lateinamerika und Osteuropa. Gerade in den Ländern jenseits des Eisernen Vorhangs fanden sich in den Folgejahren wichtige Handelspartner.

"Vor allem für technisches Glas", wie René Mühlmeier erzählt. Die Öffnung der Grenzen in den 90er Jahren, sie war für die Bärnauer ein tiefer Einschnitt. "Plötzlich hat unser Produkt-Sortiment nicht mehr gepasst", erinnert sich Petra Schmidtkonz, die sich mit Bruder René die Geschäftsführung teilt. "Wir mussten umdenken und neue Geschäftsfelder suchen." Das war auch der Zeitpunkt, an dem Vater Alwin die Verantwortung an die nächste Generation übertragen hat. So wie der Spritzguss die Knopfindustrie revolutioniert hat, so musste sich auch Mühlmeier immer wieder neu erfinden. Wobei: "Augen und Ohren offen halten, Nischen suchen und finden, die Dinge nach- und hinterfragen, neugierig sein, Ideen haben - das ist immer das A und O", sagen die Geschwister. "Schau, wo du stehst und wo du hin willst. Mach' dein Ding und stemm' dich gegen den Wind."

Weg aus Bärnau, weg aus der Oberpfalz? "War nie ein Thema." Die Firmeninhaber fühlen sich hier bestens aufgehoben. "Wir sitzen mitten in Europa, sind bestens vernetzt. Und wenn wir die Tür aufmachen, genießen wir Urlaubs-Feeling mit allem was dazu gehört", freut sich Petra auch über die gesunde Luft. Und Hobby-Pilot und begeisterter Luftbild-Fotograf René versteht sich eh als Botschafter der Oberpfalz.

Mit Region verwachsen


Auch wegen der Mitarbeiter. "Die passen zu uns und wir zu ihnen. Wir alle sind hier verwachsen." Die Verbundenheit sei spürbar. Und daraus werde dann auch Loyalität, wenn es einmal nicht ganz so gut geht. Aus einem Umkreis von gut 50 Kilometer kommen die Beschäftigten. Wobei es nicht unbedingt um Spezialisten geht. "Technisches Verständnis oder der Wille sich damit auseinanderzusetzen, sind uns wichtig." Deshalb erhalten auch Quereinsteiger ausreichend Zeit sich einzuarbeiten. Auch Asylbewerber könnten sich die beiden Geschäftsführer durchaus vorstellen. "Lass es uns mit drei probieren, wenn es mit zwei oder auch nur einem klappt, wunderbar."

Auch wenn den Oberpfälzern oft das Gegenteil nachgesagt wird: Petra Schmidtkonz und René Mühlmeier haben die Erfahrung gemacht: Die Menschen hier sind viel servicebewusster und finden schneller Zugang zu ihren Gesprächspartnern als in den großen Metropolen. "Und ohne Service hast du heute null Chance."

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Weitere Informationen:

www.muehlmeier.de

Augen und Ohren offen halten, Nischen suchen und finden, die Dinge nach- und hinterfragen, neugierig sein, Ideen haben - das ist immer das A und O.René Mühlmeier


Wir sitzen mitten in Europa, sind bestens vernetzt und wenn wir die Tür aufmachen, genießen wir Urlaubs-Feeling mit allem was dazu gehört.Petra Schmidtkonz


Vier StandbeineDie Firma Mühlmeier ruht auf mehreren Standbeinen, sogenannte Profit-Center, die eigenständig agieren. Das Sortiment ist mit gut 7000 Artikeln breit aufgestellt. Da ist einmal die Schweißtechnik . Ein Geschäftszweig, der aus einer Handvoll Spezialprodukten zu einem Vollsortiment für Arbeitsschutz und technische Artikel gewachsen ist. Von den Hitzeschutz-Handschuhen über Schweißerhauben bis zur Feinstaubmaske reicht hier die Palette. Dann die Mahltechnik mit Mahlperlen aus Glas, Keramik, Stahl oder Aluminiumoxid, wie sie vor allem in der Nano-Technologie in der Farb- und Lackindustrie, aber auch im Lebensmittelbereich und der Pharmazie verwendet werden.

Schließlich der breite Einsatzbereich der Faserverbundwerkstoffe. Composites sind in der Medizintechnik ebenso gefragt wie im Fahrzeugbau, in der Luft- und Raumfahrt, bei der Herstellung von Windrädern, im Tank- und Behälterbau oder im Bereich Freizeit und Garten. Alle diese Roh- und Hilfsstoffe sind unerlässlich und überall zu finden, allerdings als Teil des Ganzen nicht leicht zu sehen. Zum Kundenkreis zählt der Mittelstand aber auch das "Who's Who" der Chemischen- und Automobilindustrie sowie deren Zulieferer. Sie schätzen das breite Sortiment, die kompetente Beratung und die perfekte Logistik.

Rund 5000 Paletten mit 1300 Tonnen Ware können über vier Außenlager "just in time" geliefert werden. "Das Warengeschäft ist unser Kapital", sagt René Mühlmeier. "Da können wir schnell auf die Anforderungen reagieren." Im Zeitalter des Stundengeschäfts via Internet ein besonders wichtiger Aspekt.

Dazu kommt schließlich noch der Export . Die Bärnauer Spezialisten haben neben der EU Handelsbeziehungen in die früheren GUS-Staaten ebenso wie nach Südafrika, Asien, Südamerika und auch in verschiedene arabische Länder. "Wobei sich der Mittlere Osten wegen der politischen Probleme derzeit als sehr schwieriger Markt erweist", berichtet Petra Schmidtkonz. (bz)
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