3000 Menschen finden in München erste Anlaufstelle - Flughafen stellt 500 Feldbetten zur ...
Messehallen als Ruhepunkt für Flüchtlinge

Ein kleiner Junge steht in München in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in einer Messehalle. Die großen Halle sind für viele Menschen in den vergangenen Tagen ein Ort der Ruhe geworden. Bild: dpa
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Bayern
08.09.2015
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Es ist sicher nicht die schönste Ecke Münchens, in der die erste feste Bleibe der mit Sonderzügen aus Ungarn angereisten Flüchtlinge aus Syrien oder Afghanistan liegt. Neue Messe München, Eingang Nord. Zweckbauten, Ausfallstraße, Autobahn, Brachflächen. Bilderbuch-Bayern sieht anders aus. Aber die Menschen mit ihren wenigen Habseligkeiten sehen trotz aller sichtbarer Strapazen erleichtert, fast glücklich aus. Nach wochenlanger Flucht sind sie endlich irgendwie angekommen.

Dabei ist das hier in den Messehallen C2 bis C4 auch nur eine Durchlaufstation. Einen Rast- und Ruheplatz für bis zu 3000 Flüchtlinge haben Behörden, Hilfsorganisationen und die Messegesellschaft in den drei gerade leerstehenden Hallen geschaffen. Am Samstag in der Früh, als sich der Zustrom aus Ungarn abgezeichnet hatte, setzte Oberbayerns Regierungspräsident Christoph Hillenbrand alle Hebel in Bewegung, um für die in München ankommenden Massen eine erste Auffangstation zu schaffen.

Die Infrastruktur auf dem Messegelände ist auf den Besuch Tausender ausgerichtet, nur die Feldbetten mussten organisiert werden. 500 stellte in einer Art Amtshilfe der Münchener Flughafen zur Verfügung. Sonst nächtigen auf den Liegen wegen Verspätung oder Streik gestrandete Passagiere. Freiwillige, Hilfsorganisationen und Messemitarbeiter halten den Betrieb am Laufen, der - wie Hillenbrand betont - "auf großen Durchsatz" angelegt ist. Denn der Nachschub an Flüchtlingen ebbt nicht ab. Vom Hauptbahnhof bringen Shuttle-Busse, die Menschen zur Messe, hier werden sie mit Kleidung versorgt, können essen, trinken, sich ausruhen. Sogar Stillräume für junge Mütter sind ausgewiesen.

Nach einer Nacht weiter

Schon nach möglichst wenigen Stunden, spätestens aber nach einer Nacht geht es in Bussen weiter zu Erstaufnahmeeinrichtungen in ganz Deutschland. Allein am Montag verlassen 35 Reisebusse das Gelände in Richtung Stuttgart, Dortmund oder Hannover. Dort sollen die Flüchtlinge ordentlich registriert werden. In München sind sie mit dieser Aufgabe längst überfordert bei auch gestern wieder knapp 4000 Ankömmlingen. Hillenbrand blickt nicht ohne Stolz auf den reibungslosen Betrieb und die Menschlichkeit bei der Aufnahme. Er würdigt die "ruhige und gute Atmosphäre bei bestens klimatisierten Bedingungen".

In der Tat herrscht in den riesigen Hallen keine Hektik. Man spürt, dass die Menschen nach den Zumutungen der Flucht zur Ruhe kommen wollen. Ihnen diese Möglichkeit zu geben, war eines der wichtigsten Ziele Hillenbrands. Ihn schaudert noch, wenn er an die Fernsehbilder aus Ungarn von den "Flüchtlingstrecks auf Schienen, den Stacheldraht und das hingeworfene Essen" denkt. "Wir unterscheiden uns davon mit einem menschlichen Gesicht", sagt er. Trotzdem ahnt auch Hillenbrand, dass er die Flüchtlinge in eine letztlich ungewisse Zukunft entlässt.
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