Abschied von Pierre Brice

Sein Barett und das Kreuz der Ehrenlegion, das Bundesverdienstkreuz und die französische Flagge schmücken den Sarg des Schauspielers Pierre Brice in der Kreuzkapelle der Michaelskirche. Der "Winnetou"-Darsteller war am 6. Juni im Alter von 86 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Bild: dpa
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Bayern
19.06.2015
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Hunderte haben mit einem Trauergottesdienst in München Abschied von Pierre Brice genommen. Viele in Weiß gekleidet, wie der Schauspieler es sich gewünscht hatte. Der letzte Gruß für "Winnetou" aber kam von ihm selbst.

Im vergangenen Jahr hat Pierre Brice privat für sich ein Musikvideo gedreht. Er singt darin das französische Lied "L 'Aigle Noir" (Der schwarze Adler), schaut einem solchen Adler nach und zeigt in den Himmel. Auf der Erde liegen die Bilder seines Lebens: Brice als Soldat, Brice als Bräutigam, Brice als Schauspieler - und natürlich Brice als "Winnetou". Beim Dreh wussten sie noch nicht, dass es ein Abschiedsvideo werden würde, sagt Brice' Freund und Sprecher Thomas Claaßen. Am Donnerstag aber bildet es den Abschluss der Trauerfeier für den Schauspieler, der am 6. Juni mit 86 Jahren in den Armen seiner Frau Hella gestorben war.

Ihr letzter Gruß ist ein großes Herz aus weißen Rosen. "Ich liebe Dich, Deine Frau", steht darauf in französischer Sprache. Das Trauerblättchen, das an die Gäste verteilt wird, ziert ein von Brice gemaltes Bild mit dem Titel "Sonnenaufgang". Innen steht: "Nein, ich verlasse Euch nicht. Meine Seele wird immer mit Euch sein."

Plätze reichen nicht

Hunderte sind in die Münchner St. Michael Kirche gekommen, um Abschied zu nehmen von dem Idol ihrer Kindheit. Die Kirchenbänke reichen nicht aus, viele müssen stehen. Vor dem Altar steht der mit französischer Flagge und weißen Rosen geschmückte Sarg, auf einer Leinwand ziehen die Bilder seines Lebens vorbei. Es ertönen das "Ave Maria" und Robert Schumanns "Abendlied".

"Es lag ein Zauber auf Dir, die Aura des Außergewöhnlichen", sagt Karin Jacobs-Zander, eine langjährige Freundin, die ihre Trauerrede direkt an Brice richtet. "Du hast Spuren hinterlassen, die uns führen werden. Spuren, die kein einfaches Leben verheißen, aber ein gutes." Er sei nicht nur ein Star gewesen. "Du warst ein Stern in den Herzen der Menschen."

Vielen der Schaulustigen, die zuvor noch hemmungslos Kameras und Ferngläser auf den Sarg gehalten hatten, stehen Tränen in den Augen. Ein junger Mann mit Turnschuhen und Rucksack schluchzt hemmungslos. Unter den Trauergästen sind die Schauspielerinnen Uschi Glas und Marie Versini, die mit ihm in den Indianerfilmen spielten, der Sänger Abi Ofarim und der Komponist Martin Böttcher, der einst die berühmte "Winnetou"-Titelmelodie erfand.

Mehr als nur "Winnetou"

Von seiner Musik wird die Trauerfeier eingerahmt. Zu Beginn erklingt die Winnetou-Melodie "Der große Traum", in der auch Brice' Stimme zu hören ist, zum Abschluss ist es die Old-Shatterhand-Melodie, als der Sarg zum weißen Leichenwagen getragen wird. Und dennoch wurde deutlich, was auch der Priester in seiner Predigt betonte: "Pierre Brice war mehr als nur ,Winnetou'."
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