Angeklagte ausgebüxt

Aktenmaterial ist für den Mordprozess um den Tod eines 54 Jahre alten Bewohners einer Obdachlosenunterkunft vor dem Landgericht in Ansbach genug vorhanden. Was fehlt, ist eine der Angeklagten. Bild: dpa
Archiv
Bayern
14.04.2015
8
0

Erst wurde er niedergeschlagen, später mit brutalen Tritten getötet - der Tod eines Obdachlosen hat Mittelfranken erschüttert. Auf die Aufklärung des Mordfalls müssen sie nun weiter warten. Denn der Prozess endete, noch bevor er richtig begann.

Der Ansbacher Prozess um den Mord an einem Obdachlosen ist am Montag unmittelbar nach Beginn geplatzt. Das Landgericht setzte das Verfahren aus, weil eine Mitangeklagte (17) nicht vor Gericht erschienen und auch eine Polizeifahndung nach ihr bis zum frühen Nachmittag erfolglos geblieben war.

Nach Erkenntnissen des Gerichts war die in einem Jugendhilfeheim bei Passau untergebrachte Frau am Sonntag auf der Fahrt zu ihrer Mutter nach Gunzenhausen spurlos untergetaucht. Der Prozessauftakt ist nun für den 28. September terminiert.

Den Antrag der Staatsanwaltschaft, den Prozess gegen die wegen schwerer Körperverletzung angeklagte Frau abzutrennen, lehnte die Jugendkammer ab. Die Aussage der Jugendlichen sei in dem Prozess unverzichtbar: "Wegen der Verquickung des Tatablaufs und der engen Beziehung der drei Angeklagten sehen wir uns außerstande, das Verfahren abzutrennen", betonte der Vorsitzende Richter Jürgen Krach. Um der jungen Frau Gelegenheit zu geben, sich zu stellen, hatte er zuvor die Sitzung für mehrere Stunden unterbrochen.

Alleine fahren lassen

Laut ihrem Anwalt sollte die junge Frau von ihrer Mutter in dem Heim abgeholt werden, die dies aber ablehnte. So hätten sich die Heim-Verantwortlichen dazu entschlossen, die inzwischen als "psychisch stabil" geltende junge Frau allein auf die Reise nach Gunzenhausen zu schicken, berichtete eine Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe. Dort kam die 17-Jährige am Sonntag nicht an.

Richter Krach reagierte auf den Vorfall mit "Unverständnis". "Wir kennen nur die Praxis, dass die zuständigen Vollzugsbeamten Angeklagte persönlich ins Gericht bringen", sagte er.

Prozessbeteiligte berichteten am Montag, die junge Frau habe als einzige der drei Angeklagten ein vollumfassendes Geständnis abgelegt und gelte als wichtige Stütze der Anklage. Hauptangeklagter in dem Verfahren ist ein 36-Jähriger. Er soll im Juni 2014 einen Obdachlosen (54) mit Tritten getötet und danach auf ein Bahngleis gelegt haben, um die Tat wie einen Selbstmord erscheinen zu lassen.

Laut Anklage hatten die beiden Mitangeklagten am Tattag ebenfalls auf das Opfer eingeprügelt. Für den Tod des Mannes ist laut Staatsanwaltschaft aber allein der Hauptangeklagte verantwortlich. Auch die beiden angeklagten Männer sind Obdachlose.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.