Außergewöhnlicher Fund: Archäologen entdecken 3000 Jahre altes Grab einer Frau
Bezaubernde Monacula

Im Apothekerhof der Münchener Residenz fanden Archäologen den "ältesten Münchener", der vermutlich eine Frau war. Die Funde werden auf 1200 vor Christus datiert. Bild: dpa
Archiv
Bayern
01.07.2014
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Archäologen haben unter der Münchner Residenz das älteste Grab der heutigen Altstadt entdeckt. Es wurde vor mehr als 3000 Jahren angelegt. Bei dem gestorbenen "Münchener" handelt es sich wahrscheinlich um eine Frau, wie das Landesamt für Denkmalpflege am Montag mitteilte. Darauf ließen Beigaben, Schmuck und Knochenstücke schließen, die bei der Feuerbestattung übrig geblieben waren. Das Grab war im Mai bei Kanalarbeiten entdeckt worden.

Trotz vieler Bauarbeiten über Jahrhunderte hinweg und Kriegszerstörungen habe sich an der Stelle 3000 Jahre lang eine "Insel" erhalten, sagte Sebastian Sommer vom Landesamt. Aus der späten Bronzezeit von 1350 bis 1200 vor Christus gibt es ähnliche Funde. Die Menschen lebten damals in kleinen Verbünden von mehreren Bauernhöfen.

Wie in Rom

Vor allem der hervorgehobene Ort unter dem späteren Regierungssitz mache den Fund zu etwas Außergewöhnlichem, sagte der Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung, Bernd Schreiber. Wie in Rom die ältesten Siedlungsspuren auf dem Palatin gefunden wurden, wo später Kaiser Augustus seinen Palast baute, so sei nun der Münchener Stadtpalast Fundort des "Münchener Romulus" - "ich nenn ihn einfach mal Monaculus". Oder eben Monacula, denn inzwischen gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es sich um eine Frau handelt. Vermutlich sei die Frau zwischen 40 und 60 Jahren alt gewesen, sagte Sommer. Insgesamt 531 Gramm Überreste und Asche konnten die Wissenschaftler einsammeln, dazu viele Bronzefunde, Messer und Vasenkopfnadeln, die als Umhangverschluss dienten. Ferner entdeckten sie Reste von Keramik-Gefäßen.

Eine Isotopenanalyse soll Anhaltspunkte bringen, ob die Frau aus dem Gebiet des späteren München stammte oder ob sie zugewandert war. Der Fund soll danach dauerhaft ausgestellt werden. Da es aus der betreffenden Zeit keinerlei schriftliche Überlieferung gibt, sind Gräber für Wissenschaftler besonders aufschlussreich.
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