Bahnverkehr rollt stockend an - Spur der Verwüstung
Mindestens neun Tote während des Sturms «Niklas»

Dieser Lastwagen rutschte bei Nesselwang auf schneeglatter Fahrbahn in den Graben. (Bild: dpa)
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Bayern
01.04.2015
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Sturmtief «Niklas» hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Mindestens neun Menschen sterben durch den Sturm und bei wetterbedingten Unfällen. Der Bahnverkehr rollt zwar wieder an. Viele Pendler werden aber wieder Geduld brauchen.

Während des Sturmtiefs «Niklas» sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz mindestens neun Menschen ums Leben gekommen. Zwar flaute der Sturm in der Nacht langsam ab - Bahnreisende müssen sich am Mittwoch aber auf weitere Behinderungen einstellen. «Denn unser Personal ist noch nicht überall an den Bahnhöfen, wo es planmäßig sein sollte», sagte eine Bahnsprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

«Niklas» war einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre. Mit Böen von bis zu 192 Stundenkilometern entwurzelte er am Dienstag vielerorts Bäume, er beschädigte Autos, Häuser und Stromleitungen.

Über 800 Notrufe in 24 Stunden

In Bayern und Rheinland-Pfalz wurden eine Frau und zwei Männer erschlagen, als Bäume auf ihre Autos stürzten. In Sachsen-Anhalt tötete eine umgewehte Mauer einen Mann. Auch in Österreich und der Schweiz gab es zwei Unwettertote. Außerdem gab es mindestens drei Tote bei wetterbedingten Unfällen: Im baden-württembergischen Ostalbkreis starben zwei Männer auf einer schneebedeckten Straße. In Bayern wurde ein Mann bei starkem Hagel auf der Autobahn 95 getötet.

Das Polizeipräsidium Oberpfalz gab am Mittwoch bekannt, es innerhalb von 24 Stunden von Dienstag bis Mittwoch um 6 Uhr rund 800 Notrufe gegeben, die 670 Einsätze nach sich zogen. Der absolut größte Anteil habe sich mit den Auswirkungen des Sturmtiefs befasst, das auch die Oberpfälzer nicht verschonte.

Besonders schlimm wütete der Sturm zunächst in Schwaben und Oberbayern. Aber auch die Rettungskräfte in der Oberpfalz waren im Dauerstress. Bilder von gf und Wolfgang Steinbacher.

Außerdem sei eine große Anzahl von Anrufen bei den Integrierten Leitstellen der Oberpfalz sowie direkt bei den örtlichen Polizeiinspektionen eingegangen, die diese Zahlen noch erhöhten. Personenschäden habe es im Einsatzgebiet nicht gegeben. Schwerpunkte der Einsätze seien die mittlere Oberpfalz und hier die Landkreise Amberg Sulzbach, Schwandorf und Cham gewesen.

Wegen Aufräumarbeiten nach umgestürzten Bäumen blieben am Mittwoch zwei Kreisstraßen gesperrt: im Landkreis Regensburg bei Hainsacker und Viehausen, heißt es in der Bilanz der Polizei.

Flüge ausgefallen

Vielerorts in Deutschland gab es Verletzte: In Weimar kippte ein Baum auf eine Mutter und ihre zwei Töchter, die auf einem Gehweg liefen. Eines der Mädchen im Alter von neun Jahren wurde dabei am Dienstag schwer verletzt.

Der Sturm brachte auch den Straßen-, Schiffs- und Flugverkehr durcheinander. Bundesweit waren Polizisten und Feuerwehrleute im Dauereinsatz. Auf Straßen und Autobahnen blockierten umgekippte Lastwagen und Anhänger den Verkehr. Am Flughafen in Frankfurt am Main fielen mehr als 180 Starts und Landungen aus. Angesichts der Wetterlage müsse auch für Mittwoch mit Einschränkungen im Flugbetrieb gerechnet werden, sagte ein Sprecher. In Hamburg waren 63 Flüge betroffen.

Gestrandete Fahrgäste der Bahn

Für gestrandete Fahrgäste hatte die Bahn in mehreren Städten Übernachtungszüge bereitgestellt. In der Nacht seien aber viele Oberleitungen repariert worden, erklärte die Bahn. Gesperrt seien im Süden die Strecken zwischen München, Rosenheim und Salzburg. Für diese Verbindungen habe die Bahn auch noch keine Prognose, wann sie wieder befahrbar seien.

Mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 150 Stundenkilometern hat Orkantief «Niklas» Bayern heimgesucht und für massive Verkehrsbehinderungen und auch für Gebäudeschäden gesorgt. Bilder: dpa

Das Orkantief hatte von Westdeutschland aus im Laufe des Dienstags auf den Osten der Republik übergegriffen. Auf der Schiene ging vielerorts nichts mehr. In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-vorpommern, Brandenburg und Berlin ruhte der Regionalverkehr teilweise seit dem Vormittag ganz. In Bayern wurde der Fernverkehr am Nachmittag komplett eingestellt. Anderswo rollte der Verkehr stark gedrosselt.

Einschränkungen können noch mehrere Tage dauern

«Der Orkan Niklas hat die Bahn mit voller Wucht getroffen», sagte Bahn-Sprecher Achim Stauß. «Wichtig ist, dass wir zum Osterreiseverkehr ab Donnerstag wieder alles in Schuss haben.»

Doch die Bahn ist mit schweren Sturmfolgen konfrontiert: «Die Sturmschäden vor allem an den Oberleitungen sind so großflächig und erheblich, dass es noch mehrere Tage dauern kann, bis wieder alle Linien bedient werden können», teilte die Bahn am späten Dienstagabend mit.