Bayerische und böhmische Minister unterzeichnen heute Abkommen - Ludwig Spaenle äußert sich in ...
Neue Form der Kultur-Nachbarschaft zu Tschechien

Ludwig Spaenle. Archivbild: Götz
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Bayern
04.05.2015
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Heute unterzeichnen in Prag Bayerns Kulturminister Ludwig Spaenle und sein tschechischer Amtskollege Daniel Herman eine Absichtserklärung zur Vertiefung der grenzüberschreitenden kulturellen Kontakte. Im Interview verrät Spaenle, welche Hoffnungen er in das Abkommen setzt.

Herr Spaenle, warum hat es so lange bis zu dieser Erklärung gedauert?

Ludwig Spaenle: Das ist aus meiner Sicht eine ganz natürliche Entwicklung, wenn man die historisch umwälzende Entwicklung nach dem Besuch von Ministerpräsident Horst Seehofer 2010 in Prag betrachtet. Wir gehen diesen Weg, der auch auf vielen Kontakten zwischen Bürgern sowie von Besuchen der Vertriebenen in ihren ehemaligen Heimatorten beruht, jetzt konsequent weiter mit einem staatlichen Rahmenabkommen.

Braucht es so ein Abkommen bei der Vielzahl der bereits geknüpften Kontakte überhaupt noch?

Spaenle: Ich habe vor wenigen Jahren ein ähnliches Abkommen zwischen Bayern und Israel geschlossen, das Fragen der Erinnerungs- und Geschichtsarbeit sowie die Zusammenarbeit von Schulen betroffen hat - über 50 Jahre nach den ersten Kontakten zwischen jungen Israelis und dem Bayerischen Jugendring. So ein Abkommen ist auch nach einer so langen Zeit noch sinnvoll, weil dadurch die politische Ebene ihre dauerhafte Bereitschaft erklärt, die Zusammenarbeit auf vielen Ebenen zu institutionalisieren. Ein Abkommen verschafft den Kulturkontakten eine neue Form der Legitimierung. Denn wenn zwei demokratisch gewählte Regierungen ein derartiges Papier unterzeichnen, haben alle Projekte ein demokratisch legitimiertes Fundament.

Welche konkreten Hoffnungen verbinden Sie mit der Erklärung?

Spaenle: Ich habe die Hoffnung, dass sich die bereits angebahnten Kontakte zwischen Bayern und Tschechien weiter vertiefen. Ich würde mich über noch mehr Schulpartnerschaften freuen, über einen intensivierten Austausch von Museen und Archiven, über kulturelle Kontakte auf allen Ebenen. Die eigentliche Botschaft soll die gewachsene Normalität im lange sehr schwierigen Verhältnis zwischen beiden Ländern sein. Dass die längste Grenze, die Bayern zu einem Nachbarn hat, die Funktion des Trennenden verliert und zu einem Symbol der gelebten Nachbarschaft wird, das wünsche ich mir.

Unter anderem soll die Kooperation von Gedenkstätten intensiviert werden. An welche denken Sie da?

Spaenle: Wir haben vergangenes Wochenende den Tag der Befreiung im ehemaligen KZ Flossenbürg gefeiert, an dem auch mein tschechischer Amtskollege Daniel Herman teilgenommen hat. Die Gedenkstätte hat wegen ihrer Verbindungen zu ehemaligen KZ-Außenlagern wie im böhmischen Leitmeritz eine echte Brückenfunktion. Dann haben wir das Aussiger Museum für die Geschichte der Deutschen in Böhmen, das ich schon mehrfach besucht habe. Wir haben hier mehrere Anknüpfungspunkte.

Ein eigens aufgeführter Punkt ist die Einbeziehung "nationaler Minderheiten". Ist das auf die Sudetendeutschen gemünzt?

Spaenle: Selbstverständlich. Ich möchte hier ausdrücklich auf die Türöffnerrolle der Sudetendeutschen Landsmannschaft unter ihrem Sprecher Bernd Posselt verweisen, die unzählige Verbindungen geknüpft und damit einen nicht genug zu schätzenden Beitrag bei der Annäherung zwischen Bayern und Tschechien geleistet hat.

Wer sorgt dafür, dass diese Erklärung mit Leben gefüllt wird?

Spaenle: Das Abkommen wird Projekte absichern, die schon existieren - ich denke da zum Beispiel an die enge Zusammenarbeit der staatlichen Archive. Und es wird auch neue Vorhaben beflügeln, wie zum Beispiel die geplante gemeinsame Landesausstellung im kommenden Jahr. Ich sehe das Abkommen als mixtum compositum. Von ihm werden viele staatliche, kommunale und private Kulturvorhaben in beiden Ländern profitieren.
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